Urdorf
Bevölkerung soll Glencore-Steuermillionen freiwillig spenden

Toni Blaser, Urdorfer Primarlehrer, macht unter dem Motto «Urdorfer Lösung» einen Vorschlag, wie man das Glencore-Geld, das im vergangenen Jahr in Urdorfs Kassen gespült wurde, an Drittweltländer zurückgeben könnte.

Alex Rudolf
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Eine Institution, an welche die Spenden gehen sollen: Der «Siaya Kenia Kinder Verein» von Rolf Hotz.

Eine Institution, an welche die Spenden gehen sollen: Der «Siaya Kenia Kinder Verein» von Rolf Hotz.

ZVG

«Es ist bekannt, dass Glencore die Natur in den Abbauländern zum Leidwesen der Bevölkerung ausbeutet», begründet er. Zum Vorbild nahm er verschiedene Gemeinden im Säuliamt, die im letzten Jahr das mediale Interesse auf sich zogen, als sie beschlossen, einen Teil der Glencore-Steuermillionen für einen guten Zweck zu spenden.

Spendenkonto

Verein «Freiwillige Weitergabe des Glencore-Profits»: IBAN CH56 0070 0110 0048 2370 4.

Nachdem der Börsengang des Rohstoffhändlers Glencore im Jahr 2011 rund 200 Millionen in die Kassen von Rüschlikon – dem Wohnort des Firmenchefs Ivan Glasenberg – gespült hatte, fiel der letztjährige Finanzausgleich für viele Gemeinden weit höher als üblich aus. So wurde der Stadt Dietikon anstatt der 23 Millionen im Vorjahr eine einmalige Summe von knapp 34 Millionen ausgezahlt. Schlieren kam anstatt der erwarteten 14 Millionen auf deren knapp 21. Und auch Urdorf, normalerweise weder Empfänger noch Einzahler des kantonalen Ausgleichtopfs, wurden rund 2,5 Millionen Franken, oder umgerechnet 9 Steuerprozente, ausgezahlt.

Nach Säuliämter Vorbild

«Als Urdorfer Steuerzahler habe ich keine Freude an diesem Geschenk», so Toni Blaser. Der Primarlehrer kontaktierte den Finanzvorsteher Hächler, den er darum bat, einen Teil der auf Urdorf entfallenen 2,5 Millionen Franken nach dem Vorbild einiger Säuliamt-Gemeinden zu spenden. Thomas Hächler habe darauf verwiesen, dass dies ohne Volksinitiative nicht möglich sei. Blaser entschied sich jedoch gegen die Lancierung einer Initiative. Einerseits, weil er nicht im Mittelpunkt stehen wolle, und anderseits, weil solche Vorstösse auch sehr viele Gegner aufs Parkett rufen würden, sagt er.

Die Gegner sassen auch in der Stadt Dietikon am längeren Hebel. Ein Antrag von AL-Gemeinderat Ernst Joss, der verlangte, 1 Prozent des Glencore-Geldes in die Entwicklungshilfe zu stecken, wurde vor gut einem Jahr vom Parlament abgelehnt.

5000 Einzahlungsscheine

«Ich habe mich dazu entschieden, einen Verein zu gründen und die Urdorfer Bevölkerung zu einer freiwilligen Rückgabe des Glencore-Geldes zu bewegen», so Blaser. Er verweist darauf, dass die Urdorfer zweifelsohne vom Geld profitiert hätten. «Entweder dadurch, dass der Steuerfuss nicht angehoben wurde, oder weil die Gemeinde keine Leistungen kürzen musste», so Blaser.

Vertreter der Organisationen, die in den Genuss dieses finanziellen Zustupfs kommen sollen, sind im Vorstand des Vereins «Freiwillige Weitergabe des Glencore-Profits» vereinigt. Namentlich handelt es sich um den Limmattaler Zweistundenlauf, das Projekt «Siaya Kenia Kinder Verein» von Rolf Hotz und den Weltladen in Urdorf. «Damit werden zwar nicht Gebiete entschädigt, die unmittelbar unter den von Glencore angewandten Methoden zur Rohstoffgewinnung leiden. Aber zumindest fliesst Geld zurück in die Dritte Welt», so Blaser. Er rechnet vor, dass in der Theorie ein Urdorfer mit einer Steuerrechnung von 10 000 Franken einen Beitrag von rund 400 Franken spenden müsste, damit die auf Urdorf entfallenen 2,5 Millionen aufgehoben sind. Rund 5000 Einzahlungsscheine werden der Ende Februar erscheinenden Gemeindezeitung «Urdorf aktuell» beigelegt.

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