Das tolle Angebot der italienischen Metzgerei an der Ecke und das schöne Leben im Wohnquartier besprach Stadtpräsident Otto Müller am Mittwoch in seinem Büro im Dietiker Stadthaus. Sein Gegenüber ist 47 Jahre alt, stammt ursprünglich aus Bayern und ist genau der 25 000. Dietiker.

Der Stadtpräsident empfing Peter Zahn und seine Frau Angelika, um ihm eine Urkunde, die ebendies bestätigt, zu überreichen. Zahn konnte sein Glück kaum fassen. «Als ich am Montag kontaktiert wurde, dachte ich, dass ich veräppelt werde», sagt er in schwungvollem bayrischem Dialekt.

Seit dem 1. Oktober wohnt er mit seiner Frau und seiner 20-jährigen Tochter in der Stadt, davor war er viereinhalb Jahre in Schlieren wohnhaft. Seine Frau wohnte zuvor im bayrischen Sulzbach-Rosenberg. «Wir haben uns entschieden, dass wir uns hier in der Schweiz niederlassen, und Dietikon war dafür der perfekte Ort», sagt Zahn.

Die Bevölkerungszahlen der vergangenen 100 Jahre zeigen, dass die Entwicklung Dietikons meist nur eine Richtung kannte – nach oben. So musste sich die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts von seinem Bauerndorf-Dasein verabschieden. Innert einer Generation hatte sich die Bevölkerung verdoppelt. Katalysator für diese Entwicklung war die Industrialisierung, die ausländische Arbeitskräfte – vornehmlich italienische – anzog. Zwischen 1888 und 1910 stieg die Bevölkerung von 1919 auf 4493 Einwohner.

Grafik: Limmattaler Zeitung Barbara Adank

Bevölkerungswachstum Dietikon

Grafik: Limmattaler Zeitung Barbara Adank

Der nächste Wachstumsschub liess nicht lange auf sich warten. 1955 konnte mit Stefan Gerber der 10 000. Einwohner Dietikons und bereits neun Jahre später Cathérine von Dach als 20 000. Einwohnerin begrüsst werden.

Die Limmattaler Chronik vergleicht das Wachstum mit einer Explosion. Autor Heinz Lüthi schreibt darin: «Planer diskutierten bereits die Bandstadt Limmattal mit 200 000 Einwohnern.» Diese demografische Veränderung hatte auch Folgen für die politische Struktur. So verabschiedete sich Dietikon im Jahr 1958 von der Gemeindeversammlung und wurde zur Parlamentsstadt.

Naturschutz wird populär

Eine der Konsequenzen des Wachstums war die wachsende Bedeutung des Natur- und Heimatschutzes zu Beginn der 1970er-Jahre. «Dies war eine notwendige Reaktion auf den allzu leichtfertigen Umgang mit Landschaft und erhaltenswerter Bausubstanz», so Heinz Lüthi weiter. Dass man sich vom Wachstumsdenken distanzierte, wurde durch den Ölschock im Jahr 1973 besiegelt.

Die Energiekrise, die zu einem konjunkturellen Einbruch geführt hatte, zeigte auch die Widersprüchlichkeit der Situation auf, in der sich Dietikon befand. Einerseits wollte man nicht auf das Wachstum, das durch moderne Technik ermöglicht wurde, verzichten. Andererseits wurde klar, dass genau dieses Wachstum das Limmattal in seiner Lebensqualität beeinträchtigte.

So brach nach 1975 das Bevölkerungswachstum ab. Auch dass die Stadtplanung der 1960er-Jahre Dietikon zu einer Schlafstadt machte, zeigte sich immer deutlicher, wie Historikerin Verena Rothenbühler im Buch «Dietikon – Stadtluft und Dorfgeist» bemerkte. Obwohl viele Menschen hier wohnten, hielt aber nur ein geringes kulturelles und gesellschaftliches Leben Einzug, eine Stadt, in der man nur schlief. Eine mögliche Erklärung dafür war die hohe Bevölkerungsfluktuation. Zwischen 1960 und 1965 zogen 24 400 Menschen in die Gemeinde, während 20 600 Personen sie verliessen.

Zwischen 1985 und der Jahrtausendwende blieb die Bevölkerungszahl konstant bei rund 21 000 Einwohnern. Erst im Jahr 2005 wurde die Marke von 21 000 Einwohnern gesprengt. Für das Wachstum sind laut Stadtpräsident Müller mehrere Faktoren verantwortlich: «Die Zuwanderung, die zu Beginn der Nullerjahre auf Zürich zugekommen ist, wird ein Stück weit von Dietikon abgefangen.»

Die Leute kämen neben anderen Gründen hierher, weil es in Dietikon noch preisgünstige Wohnungen gebe. Dies manifestiert sich in der regen Bautätigkeit. «Dass Dietikon wächst, hat ein Stück weit auch mit den Erwartungen und Vorstellungen der Menschen zu tun, die zuziehen», so Müller. Denn hier sei man via öV und Autobahn bestens mit der ganzen Region erschlossen. Ausserdem wird die Lebensqualität in Dietikon sehr geschätzt, ergänzt er.

Müller weiss, dass das Wachstum Dietikons in den kommenden Jahren weitergehen wird. Im neuen Quartier Limmatfeld werden nach dessen Fertigstellung bis 2000 Neu-Dietiker wohnen, im geplanten Niderfeld im Norden der Stadt kommen nochmals so viele dazu.

«Wir erwarten, dass Dietikon im Jahr 2030 zirka 30 000 Einwohner haben wird», so Müller. Dass diese Zahl auch von konjunkturellen Entwicklungen abhängt, darüber ist man sich bei der Stadt im Klaren. «Ein Rückgang des Wachstums ist jedoch nicht in Sicht. Daher legen wir die Entwicklung unserer Infrastruktur auf diese Einwohnerzahl an», sagt der Stadtpräsident.

Bevölkerung wächst weiter

Dass diese Entwicklung rasant vonstatten geht, wurde auch beim Treffen zwischen Otto Müller und Peter Zahn klar. Yvonne Küng, Leiterin der Dietiker Einwohnerkontrolle, erklärte im Gespräch, dass seit Zahns Registrierung vor einer Woche die Bevölkerung Dietikons schon auf 25 011 Menschen an gewachsen sei.