Verdichtung

«Bevölkerung soll einen Mehrwert an Lebensqualität erhalten»: So sieht der neue Dietiker Richtplan aus

Dietikon soll städtischer werden, aber auch grün bleiben: Der Richtplan zeichnet ein differenziertes Bild.

Dietikon soll städtischer werden, aber auch grün bleiben: Der Richtplan zeichnet ein differenziertes Bild.

Dietikon legt einen neuen Richtplan auf. Er sieht eine Verdichtung vor; doch soll nicht nur grösser, sondern auch besser gebaut werden.

Dietikon hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt, und die Stadt wird sich weiterhin wandeln. Sie wird gemäss kantonaler Bevölkerungsprognose im Jahr 2030 rund 31'000 Einwohner und 20'000 Arbeitsplätze aufweisen. Das sind etwa 5000 zusätzliche Einwohner und Arbeitsplätze. Wie dieses Wachstum baulich aufgefangen werden kann und wie gleichzeitig der Fuss-, Velo- und Autoverkehr verbessert sowie der Freiraum erhalten und genutzt werden kann, gibt der kommunale Richtplan vor. Der Stadtrat hat diesen in den Teilbereichen Siedlung, Freiraum, Natur und Landschaft sowie Verkehr nun umfassend revidiert.

Der Richtplanentwurf sieht insbesondere eine innere Verdichtung vor. Das kommt nicht überraschend, ist das Ziel einer «Siedlungsentwicklung nach Innen und schonender Umgang mit den Ressourcen» ja auch ein vom Kanton vorgegebenes Ziel. Dennoch hält der Dietiker Stadtrat in seinem Richtplan-Bericht fest, dass «im Zentrum der Strategie nicht primär die Verdichtung» stehe. Denn bei der Erneuerung der Bausubstanz gehe es insbesondere auch um die Aufwertung des Siedlungsraums. «Die Bevölkerung soll einen Mehrwert an Lebensqualität erhalten.»

So soll der angestrebte Ersatz von älteren Bauten durch grössere Neubauten «nicht unkontrolliert und über das ganze Gemeindegebiet erfolgen». Der Richtplan sieht eine Differenzierung je nach Quartier vor. In den grünen Wohnquartieren soll lediglich eine geringe bis mässige Verdichtung ermöglicht werden, in den urbanen Stadtquartieren wird hingegen eine deutliche Verdichtung angestrebt. Die höchste Verdichtung – gegenüber heute um rund einen Drittel – ist entlang des sogenannten Stadtboulevards vorgesehen. Die Achse Badenerstrasse-Zentralstrasse-Zürcherstrasse, auf der auch die Limmattalbahn verkehren wird, «soll sich zum städtebaulichen Rückgrat von Dietikon entwickeln, eine hohe Dichte zulassen und als attraktive urbane Lebensader die Nebenzentren Niderfeld und Glanzenberg an das bestehende Stadtzentrum anbinden».

Wer mehr bauen darf, soll der Allgemeinheit etwas abliefern

Um trotz der Verdichtung auch den angestrebten Mehrwert an Lebensqualität zu erhalten, wird im Richtplan unter anderem ein Kapitel «Ausgleich Planungsmehrwerte» eingefügt. Grundeigentümer, die dank Sondernutzungsplanungen mit einem Bau höhere Einnahmen erzielen können, sollen neu einen Teil dieser Mehrerträge zugunsten der Allgemeinheit abgelten. Denkbar ist, dass sie verpflichtet werden, einen öffentlichen Freiraum zu erstellen, sich an einem Infrastrukturprojekt zu beteiligen oder einen Teil ihrer Wohnungen im preisgünstigen Wohnungsbau zu realisieren. Gerade Qualitäten wie Spielplätze, moderne Schulhäuser oder preiswerte Wohnungen seien für die qualitative Aufwertung und die langfristige Attraktivität einer Siedlung, eines Quartiers und der Stadt Dietikon als Ganzes ein entscheidender Faktor, heisst es in den Erläuterungen zum Richtplan-Bericht. «Diese Qualitäten entstehen weder automatisch noch sind sie gratis zu haben.»

Um Dietikon weiter aufzuwerten, widmet sich der Richtplan auch den sogenannten Mikrofreiräumen. Dabei handelt es sich um Restflächen, die im urbanen Umfeld meist zufällig entstehen und von den Planern ungenutzt bleiben. Diese kleinen Flächen würden eigentlich gerade für Personen mit einer eingeschränkten Mobilität wie Kinder oder ältere Menschen «eine unentbehrliche Komponente in der Freiraumversorgung darstellen», heisst es im aufliegenden Richtplan-Bericht. «Aufgrund der fehlenden Qualität werden diese Restflächen jedoch von den potenziellen Nutzern gar nicht wahrgenommen und entsprechend auch nicht genutzt.» Im Rahmen von Strassensanierungen und Umgestaltungen sollen diese unsichtbaren Freiflächen nun konsequent aufgewertet werden.

Langsameres Tempo und zwei neue Brücken

Ein wichtiges Kapitel im Richtplan stellt auch der Verkehr dar. Als Ziel wird dabei festgehalten, dass «der Verkehrsfluss auf dem Dietiker Verkehrsnetz durch eine gezielte Lenkung gewährleistet und verstetigt werden soll»:

Der Richtplanentwurf sieht unter anderem vor, dass in den Wohnquartieren flächendeckend Tempo 30 eingeführt wird. Im Zentrumsbereich werden auf den kommunalen und privaten Strassen Begegnungszonen mit Tempo 20 eingerichtet.

Am Gesamtverkehr soll der öffentliche Verkehr sowie der Fuss- und Veloverkehr einen hohen Anteil haben. «Diese Anteile sollen höher sein als die Zielsetzung des Kantons für das gesamte Limmattal, da Dietikon mit dem öffentlichen Verkehr sehr gut erschlossen ist und als Zentrumsgebiet einen entsprechend höheren Beitrag zu einem nachhaltigen Modal Split im Limmattal beizutragen hat», heisst es im Richtplan-Bericht. Als weiteres Ziel wird deshalb auch ein «flächendeckendes, sicheres und komfortables Netz für den Veloverkehr» angestrebt. Und auch für Fussgänger soll es spezielle Wege geben. Mittel- bis langfristig soll es beispielsweise für Fussgänger und Velofahrer zwei neue Übergänge über die Limmat geben. Die beiden Brücken auf Höhe der EKZ-Insel und im Bereich der Nötzliwiese sollen «das Wegnetz für Erholungssuchende noch engmaschiger machen».

Der revidierte Dietiker Richtplan, der einen rund 130-seitigen Bericht sowie die dazugehörigen Pläne umfasst, liegt ab heute für 60 Tage öffentlich auf. Während der Auflagefrist können Einwendungen zum Entwurf eingereicht werden. Danach wird der Stadtrat den Richtplan gegebenenfalls noch anpassen. Voraussichtlich im ersten Quartal 2021 wird sich das Stadtparlament mit der Vorlage auseinandersetzen.

Da der derzeit geltende Richtplan aus dem Jahr 1983 stammt und in verschiedenen Teilen überholt ist, hatte sich der Stadtrat eine Revision als Legislaturziel gesetzt. Der jetzt aufliegende Entwurf soll gemäss Stadtrat «die gewünschte Entwicklung Dietikons sichern, indem er die dafür notwendigen raumplanerischen Voraussetzungen schafft». Als strategisches Führungsinstrument dürfte der kommunale Richtplan während der nächsten 15 bis 25 Jahre bei allen raumplanerischen Belangen als Grundlage dienen.

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