Dietikon
Bettler in Dietiker Kirche sorgen für Aufregung

In der Kirche St. Agatha wird gebettelt. Die Bekämpfung gestaltet sich schwierig. Die Polizei ist auf entsprechende Meldungen der Kirchgemeinde angewiesen.

Matthias Kessler
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Limmattaler Zeitung

Ihr geschah es vor etwa zwei Monaten. Es sei ein noch einigermassen warmer Tag im September gewesen, erinnert sie sich, sie sei in die Kirche St. Agatha in Dietikon gegangen, um eine Kerze anzuzünden, zu beten und zur Ruhe zu kommen. Als sie das brennende Kerzlein betrachtet habe, sei sie dann plötzlich von einer ihr unbekannten Frau angesprochen worden. «Ich erschrak. Die Frau wollte wissen, wie es mir gehe», so die Dietikerin*. «Und die nächste Frage war sogleich: ‹Haben Sie etwas Geld für mich?›», schüttelt sie den Kopf: «Das geht doch nicht. In der Kirche will man seine Ruhe haben und für sich sein.»

Drei Kolleginnen von ihr hätten in der «St.Agatha» Ähnliches und noch aggressivere Vorgehensweisen von Bettlerinnen, «Zigeunerinnen», mutmasst die Frau, erlebt. Eine sei gleich von zwei Personen angegangen und richtiggehend genötigt worden, das, was sie dabei gehabt habe, eine 20er- Note, herauszurücken. «Diese Frauen haben Angst, wieder in die Kirche zu gehen. Das kann es doch einfach nicht sein», fügt sie an.

«Wir wollen eine offene Kirche»

Er selbst sei schon einmal von einer Bettlerin angesprochen worden, sagt Hans-Ruedi Simmen, Gemeindeleiter St. Agatha, auf Anfrage der az Limmattaler Zeitung, und ihm seien auch andere Vorfälle zu Ohren gekommen. Das Betteln komme punktuell also sicher vor; die Schwierigkeit bestehe jedoch darin, wirksam dagegen vorzugehen. «Diese Personen sind jeweils nur kurz in der Kirche, und unser Sigrist kann nicht ständig anwesend sein», so Simmen. Als mögliche Massnahmen, um das Betteln zu bekämpfen, nennt er Videoüberwachung und das Abschliessen der Kirche. Das eine bedinge einen grossen Aufwand, das andere wolle man bewusst nicht: «Wir wollen eine offene Kirche», so Simmen.

Auf Anzeigen angewiesen

Betteln ist verboten und wird laut Thomas Winkelmann, Leiter Abteilung Sicherheit und Gesundheit der Stadt, gemäss kantonalem Übertretungsstrafrecht mit Busse bestraft.

Das Verbot gelte, so Winkelmann, grundsätzlich auch in der Kirche. «Im öffentlichen Raum und im Umfeld von Kirchen werden bettelnde Personen von der Polizei verzeigt», führt Winkelmann aus. Um aber gegen allfällige Bettler in der Kirche vorgehen zu können, sei die Polizei auf entsprechende Meldungen der Kirchgemeinde angewiesen. «Es obliegt jedoch der Kirche, ob sie überhaupt Bettler der Polizei zur Anzeige bringen will», erklärt er.

Bettler träten in Dietikon «vereinzelt und in unregelmässigen Abständen» auf, hält Winkelmann fest. Sie würden von der Polizei im Rahmen der Patrouillentätigkeit oder bei Meldungen von privaten Liegenschaftsbesitzern, beispielsweise den SBB oder dem Löwencenter, verzeigt und weggewiesen.

Appell: Kein Geld für die Bettler

«In den letzten zwei Monaten haben wir eine Zunahme bei den Bettelnden festgestellt», sagt Sicherheitsvorstand Heinz Illi. Aber es sei nichts Neues, dass es auf die kälteren Monate hin eine Steigerung gebe. Die Bettler kämen oft aus Osteuropa, und «ich vermute dahinter eine straffe Organisation», so Illi: Invalide würden hergebracht und zum Betteln abgeladen, oft seien auch Frauen und kleine Kinder unterwegs, die nicht nur bettelten, sondern auch Rosen verkauften, und manchmal klingelten Bettler auch an der Haustür und versuchten, den Leuten gegen Geld einen Schlüsselanhänger anzudrehen. Auch in Restaurants würden vereinzelt immer wieder solche Bettler auftreten.

Da werde, sagt Illi, vor allem in der Weihnachtszeit die emotionale Gemütslage der Bevölkerung ausgenutzt. Er appelliere an die Bevölkerung, den Bettelnden kein Geld zu geben, «denn Betteln ist grundsätzlich verboten», so Illi. Damit leiste man einen wichtigen Beitrag. Zudem stehe er, führt der Sicherheitsvorstand weiter aus, auch in Kontakt mit der Kantons- und der Bahnpolizei; er erachte es als sehr wichtig, dass die Polizeikorps gemeinsam dieses Problem angehen würden.

*Name der Redaktion bekannt