Dietikon
Betrüger manipulierten SBB-Billettautomat

Ein SBB-Billettautomat ist von Betrügern manipuliert worden. Das dürfte kein Zufall sein: Immer öfter wechseln die Kriminellen von Bankomaten zu Tank- und Billettautomaten.

Lucien Fluri
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Archivbild ZVV / SBB

Unerwartet zog der Bancomat der Dietikerin beim Wochenendausflug die Maestro-Karte ein. Zuhause folgte später die Erklärung: «Sperrung» hiess die fett markierte Betreffzeile im Kundenbrief der Zürcher Kantonalbank. Darunter: «Ihre Maestro-Karte wurde an einem manipulierten SBB Automaten in Dietikon eingesetzt.» Die Karte wurde vorsichtshalber gesperrt, damit die Kriminellen nicht im Ausland Geld mit den gestohlenen Kartendaten abheben können. Die Kantonspolizei Zürich bestätigt den Vorfall in Dietikon, genauere Angaben kann sie derzeit allerdings nicht machen.

Mehr Details zum Vorfall in der vorletzten Woche kann dagegen die Six-Gruppe liefen, die für Banken in der Schweiz und Lichtenstein die Daten der Maestro-Karten verarbeitet. 34 Maestrokarten und einige Post-Finance-Karten seien vorsichtshalber gesperrt worden, sagt Mediensprecher Bernhard Wenger. «Die Manipulation des Automaten in Dietikon wurde durch uns und Post Finance festgestellt.»

Grund dafür: Six entdeckte auffällige Transaktionen mit den Karten im Fernen Osten. Ob noch weitere Automaten in der Region betroffen waren, ist nicht klar. Die Six-Gruppe führt keine regionalen Statistiken. Zum allfälligen Schaden liegen ebenfalls keine Informationen vor.

Mehr Fälle an Billettautomaten

Es dürfte kein Zufall sein, dass der Vorfall an einem Billettautomaten geschah. Insgesamt geht die Zahl der manipulierten Bankomaten in der Schweiz zurück. Offenbar haben die Präventionskampagnen - und die technische Aufrüstung geholfen. «In der ersten Hälfte 2011 hatten wir drei bis vier Skimmingfälle an Bancomaten pro Tag, heute sind es nur noch ein bis zwei pro Monat», sagt Bernhard Wenger.

Stark zugenommen haben dagegen Manipulationen an Billett- und Tankautomaten. Den 12 manipulierten Bankomaten, die die Six-Gruppe fürs erste Halbjahr 2013 schweizweit auflistet, stehen 69 manipulierte Billett- oder Tankautomaten gegenüber.

SBB überprüfen Automaten täglich

Bei den SBB kennt man das Problem. «Wir überprüfen jeden Billettautomaten mindestens einmal pro Tag», sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli. Ab diesem Herbst bis 2015 wird auch die SBB ihre alten Billettautomaten ersetzen. Die neuen Maschinen sollen besser geschützt sein.

Spezialisten raten, sich von niemandem helfen zu lassen, den Pin-Code verdeckt einzugeben und Auffälligkeiten zu melden. Sind die Kartendaten erst einmal geklaut, wird laut der Six-Gruppe in 28 Prozent der Fälle von den USA aus versucht, das Geld abzuheben. 23 Prozent der illegalen Bezüge geschehen in Brasilien und 12 Prozent in Hongkong. 4 Millionen Dollar betragen die Schäden alleine bei den Schweizer Kunden der Six-Gruppe im ersten Halbjahr 2013.

Schweizweit hat die Six-Gruppe im ersten Halbjahr über 10700 Maestro-Karten vorsorglich gesperrt. 9628 Mal wurde trotzdem illegal Geld im Ausland bezogen. Um die Schäden zu begrenzen, hat etwa die Zürcher Kantonalbank letztes Jahr für Maestro-Transaktionen ausserhalb von Europa vorsorglich eine Ausgabenlimite über 500 Franken eingeführt. Mit den entsprechenden Systemen ist es laut Bernhard Wenger für Banken sogar möglich, mit Geoblocking den Einsatz der Karten in gewissen Regionen ganz auszuschliessen.

Transaktionen werden geprüft

Um Betrugsfälle möglichst schnell zu erkennen, betreibt die Six-Gruppe das sogenannte «Fraud Competence Center». «Es überprüft beispielsweise anhand vordefinierter Regeln alle Transaktionen mit Schweizer und Liechtensteiner Maestro-Karten auf Unregelmässigkeiten», sagt Bernhard Wenger. Für Schäden kommt in solchen Fällen die Bank auf.