Bezirksgericht Dietikon
Betrüger im dicken Ami-Schlitten verurteilt – ein Jahr Haft

Ein Mann mit einer Schwäche für US-Autos wurde zu einer einjährigen Strafe verurteilt – er hat dreimal Versicherungen über den Tisch gezogen.

David Egger
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Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte den Mann zu einem Jahr Freiheitsstrafe bedingt. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte den Mann zu einem Jahr Freiheitsstrafe bedingt. (Symbolbild)

Keystone

Dodge Caliber, Dodge Challenger und Ford Mustang: Diese Modelle lassen den Fans amerikanischer Kraftwagenfabrikation gleich den Puls höherschlagen – auch dem jungen Limmattaler, der am Dienstag vor dem Bezirksgericht Dietikon antraben musste. Ganz am Anfang des Falls steht aber nicht er selbst, sondern ein Aargauer. Dieser kollidierte im November 2013 in Dietikon mit dem parkierten Dodge Caliber des Angeklagten.

Die Motorhaftpflichtversicherung des Aargauers schickte einen Experten vorbei. Nach dessen Schadenaufnahme wurden dem Limmattaler 4200 Franken ausbezahlt – zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Denn mindestens eine der Dellen am Dodge Caliber war schon vorher da. Der Autofahrer hätte darum einen kleineren Schadenersatz zugute gehabt.

Schummelei beim Meilenzähler

Nur einen Monat später der nächste Streich: Der Limmattaler baut in einer Tiefgarage in Birmensdorf einen Selbstunfall mit seinem Dodge Challenger, dessen Meilenzähler zuvor von 34 979 Meilen auf 16 299 Meilen zurückgedreht wurde. Wegen des tieferen Meilenstands erhielt der Mann von seiner Versicherung mehr Geld als gerechtfertigt. Total wurden ihm 37 000 Franken überwiesen.

So richtig dreist wurde es im November 2014: Der Autofahrer beauftragte einen Kollegen, mit ihm in Rümlang einen Unfall zu bauen. So kam es, dass ein Fiat Punto ins Heck des Ford Mustang knallte. Schaden: 28 991 Franken.

Ob des inszenierten Unfalls wurde aber die Versicherung misstrauisch. Sie bezahlte das Geld nicht. Und brachte stattdessen die Justiz ins Spiel.

60 Tage in Untersuchungshaft

Im Rahmen der Ermittlungen wurde der Mann im April 2016 verhaftet. 60 Tage verbrachte er in Untersuchungshaft. Er lieferte dann ein Geständnis ab – aber offensichtlich eher widerwillig, wie sich gestern zeigte. Denn als die Richterin Annina Mondgenast am Dienstag den Angeklagten befragte, zögerte dieser sekundenlang, bis er den Sachverhalt auch vor Gericht eingestand – beim Betrugsfall mit dem Dodge Challenger musste sein Anwalt sogar eine Verhandlungspause erbeten. Nach 25-minütiger Besprechung mit dem Verteidiger brachte der Mann die Worte dann doch noch über die Lippen: «Ja, das ist richtig.»

Wie von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis gefordert und von der Verteidigung akzeptiert, verurteilte das Gericht den Mann zu einem Jahr Freiheitsstrafe bedingt. Zudem muss er die Verfahrenskosten und die Gerichtsgebühr zahlen. Allzu schnell darf der Staat das Geld aber nicht erwarten, da der Mann bereits «zwischen 30 000 und 40 000 Franken» Schulden hat, wie er gestern vor Gericht erklärte.

Drei Vorstrafen auf dem Kerbholz

Es sei eine günstige Prognose zu vermuten, sagte die Richterin bei der Erläuterung des Urteils. Gleichwohl wurde die Probezeit auf verhältnismässig lange vier Jahre festgelegt, denn der eingebürgerte Jamaikaner hat schon einige Vorstrafen gesammelt.

2009 wurde er in Basel-Stadt wegen Betäubungsmitteldelikten verurteilt, 2010 dann in Bern wegen Versäumnis der Militärdienstpflicht und 2011 in Brugg wegen eines Verkehrsdelikts.