Die Kreativwirtschaft hat sich in Zürich als Branche und wichtiges Element der wirtschaftlichen Vielfältigkeit etabliert. Eine neu veröffentlichte Studie mit dem Titel "Räume und Bewegungen der Kreativen in Zürich 1989-2014" zeigt die räumliche Dynamik der Kreativschaffenden und deren Ursachen, auch vor dem Hintergrund, dass der Raum in Zürich stark genutzt und teuer ist, wie die Stadt in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt.

Attraktive Standorte sind nach wie vor die Stadtkreise 4 und 5. Die ehemaligen Industrieareale wurden in den 1990er Jahren wichtige Aufbruchsorte für die Kreativ- und Kunstszene. Die Raumfrage ist eine wichtige Rahmenbedingung für das Gedeihen der Kreativwirtschaft, wie die Studie zeigt. Die Zwischennutzungen von Industriebrachen und entsprechende Mietkonditionen haben Firmengründungen begünstigt. Ein Drittel aller befragten Kreativen war mindestens einmal in einem solchen Areal tätig.

Kreativwirtschaft im Limmattal

Ein Blick auf die Karte des "Zurich Art Space Guide" (siehe Bildergalerie), auf der viele unabhängige Kunsträume und Ateliers vermerkt sind, bestätigt die fortlaufende Attraktivität der Zürcher Szenekreise 4 und 5. Doch am linken Rand der Karte fällt auf, dass auch über die Stadtgrenzen hinaus solche Kunsträume bestehen. So nahm die Atelierwerkhalle Halle.li auf dem Geistlich-Areal in Schlieren dieses Jahr erstmals an der "Linie 31" teil, einer gemeinsamen Ausstellungsaktion vieler Stadtzürcher Galerien und Ateliers.

Grössere Atelierflächen, in denen Künstler sich zusammenschliessen, sind im Limmattal aber eher selten. Neben der Halle.li hat sich die Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB) auf dem Gaswerk-Areal in Schlieren eingenistet. Trotz tieferer Mieten als in Zürich ist dies nicht verwunderlich, denn auch in der Agglomeration werden brachliegende Industrieareale zunehmend durch neue Überbauungen für Wohnungen und Gewerbe ersetzt. 

Dies passierte auch in Dietikon mit dem Schellerareal. Früher ein Sammelbecken für Kreative und Kulturschaffende, entstand ab Sommer 2006 auf dem Gebiet direkt am Bahnhof der moderne Wohn- und Arbeitskomplex Trio. 

Verschiebung wegen Umnutzung

Obwohl keine Verdrängung der Kunstszene in die Agglomeration oder in andere Städte stattgefunden hat, fand innerhalb von Zürich eine leichte Verschiebung des Milieus statt. Seit dem Jahr 2000 haben die Gründungen im Kreis 5 deutlich abgenommen. Dies ist auf die Umnutzung der Industrieareale zurückzuführen. Nach Ende der Zwischennutzung liessen sich die jeweiligen Kreativen verstreut in anderen Stadtteilen nieder.

Dadurch fielen im Verlauf der Jahre viele Cluster auseinander, wie es in der Studie heisst. Bisher haben sich die Kreativen flexibel gezeigt und immer wieder neue Zwischennutzungsobjekte aufgespürt und zugänglich gemacht. Dabei mussten sie häufig umziehen: jede Firma oder Person im Durchschnitt 2,4 Mal, wie die Studie zeigt. Häufigster Grund für einen Umzug war eine Kündigung wegen Umnutzung. In jüngster Zeit haben sich die Kreise 3 und 9 als Kreativstandorte stärker entwickelt.

Zwischennutzung von Büro- und Gewerbegebäude

An Bedeutung gewonnen haben Büro- und Gewerbegebäuden als Standorte der Kreativen. In den 1990er Jahren lag ihr Anteil bei 25 Prozent, ab 2000 betrug er rund 39 Prozent. Im Geschäftsflächenmarkt gibt es nach wie vor hohe Leerstandsquoten.

Doch insbesondere für die jungen und oft innovativsten Kreativen sind die Flächen nicht erschwinglich oder werden nicht zugänglich gemacht, wie es in der Studie heisst. Ein Umdenken bei den Akteuren des Immobilienmarktes bezüglich Preisgestaltung und Gewinnerwartung, sowie das vermehrte Zulassen von Zwischennutzungen könnte neuen Spielraum für das kreative Zürich eröffnen.

Die Resultate der Studie entstammen einer Online-Umfrage, an der 445 Kreative Auskunft gaben über Arbeitsräume, die Quartiere, in denen sie tätig waren, die Häufigkeit ihrer Umzüge sowie die Umzugsgründe. Zum ersten Mal erfasst wurden räumliche Aspekte der Zürcher Kreativwirtschaft einer Periode von 25 Jahren. Die Studie ist abrufbar unter www.stadt-zuerich.ch/kreativwirtschaft. (sda/flo)