Dietikon
Betreuerin der ZSC Lions reist mit Schleifmaschine im Handgepäck

Karin Erb aus Dietikon ist mit den Frauen der ZSC Lions am Europacup-Final-Turnier. Die 52-Jährige ist bereits zum zweiten Mal als Betreuerin unterwegs. «Ich bin das Bindeglied zwischen Trainerin und Team, eine Vertrauensperson für die Spielerinnen»

Raphael Biermayr
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Geniesst es, nahe beimn Team zu sein: Betreuerin Karin Erb, rechts, neben Spielerin Melanie Häfliger.

Geniesst es, nahe beimn Team zu sein: Betreuerin Karin Erb, rechts, neben Spielerin Melanie Häfliger.

Zur Verfügung gestellt

«Und Achtung: FRAUEN ... nicht Damen ;-)» So schliesst ein E-Mail von Angela Weber, der Frauenverantwortlichen der ZSC Lions. Schliesslich spielt man nicht Federball, sondern Eishockey. Und das erfolgreich. In der vergangenen Saison feierten die Löwinnen den ersten Meistertitel in ihrer 28-jährigen Geschichte.

Dies erst drei Jahre nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse, die offiziell den sperrigen Namen «Leistungsklasse A» trägt, im Sprachgebrauch aber unter «Nati A» bekannt ist. Dank des Meistertitels haben sich die Zürcherinnen für den Europacup qualifiziert. Das Halbfinalturnier schlossen sie auf dem zweiten Rang ab, womit sie die Qualifikation für das Finalturnier in Finnland schafften.

Zum zweiten Mal Betreuerin

«Morgen gehts endlich los!», sagte Karin Erb am vergangenen Mittwoch. Sie sass dabei in ihrer Wohnung in Dietikon und schlug sich aus Freude und Nervosität die Hände auf die Oberschenkel. Die 52-Jährige amtet zum zweiten Mal nach den Jahren 2006 bis 2009 als Betreuerin bei den ZSC-Frauen. Auf diese Spielzeit hin ist sie mit ihrer Tochter Alea – die für das NLB-Team GCK Lions spielt – nach Zürich zurückgekehrt, zuvor waren die beiden in Reinach.

Erb fiebert während der Partien mit, als stünde sie selbst auf dem Eis. «Wenn eine Spielerin verletzt ist, tut mir das fast mehr weh als ihr», sagt sie. Als Betreuerin ist sie für fast alle Belange abseits vom Eis verantwortlich. Ihre Hauptaufgabe: die Psychologie. «Ich bin das Bindeglied zwischen Trainerin und Team, eine Vertrauensperson für die Spielerinnen», beschreibt Erb. Dies sei zentral, weil das Zwischenmenschliche in einer Frauenmannschaft «enorm wichtig» sei.

Von Detroit nach Dietikon

Bei der Bewältigung dieser Aufgabe kommt ihr ihre Lebenserfahrung zugute. Sie hatte gerade in ihrer Jugend bewegte Jahre. Die Eltern wanderten in die USA aus, Karin Erb verbrachte ihre ersten Lebensjahre in einem Vorort von Detroit. «Ein hartes Pflaster», merkt sie vielsagend an. Schliesslich kehrte die Familie Anfang der 1970er-Jahre zurück in die Schweiz, Erb verbrachte ihre Jugend in Rorschacherberg SG. Im Gepäck aus «Hockeytown», wie Detroit genannt wird: die Leidenschaft für das Eishockey.

Diese konnte sie erst ein paar Jahre später wieder ausleben, nachdem sie in Zürich Röbi Erb getroffen hatte. Ihr nachmaliger Mann war damals selbst Aktiver, später begannen die Kinder Alea und Dominik, der heute für den EHC Urdorf verteidigt. Röbi Erb ist bei den «Stieren» Materialwart – und sitzt längst im Boot der ZSC-Frauen. «Als Betreuer der Betreuerin sozusagen», sagt Karin Erb und lacht. Röbi fährt den Teamcar zu Auswärtsspielen und verpasst den Kufen der Löwinnen seinen berühmten Schliff. Karin: «Damit hat er sich ein Ticket für Finnland
gesichert.»

Improvisieren

Die Reisevorbereitung bedeutete vor allem Improvisation. Das Geld bei den Frauen ist knapp. Die Organisation zahlt zwar das meiste, dennoch müssen die Spielerinnen sich mit etwa 200Franken beteiligen. Man spart, wo man kann. Beispielsweise bei den Gepäckkosten. So haben die Erbs Teile der Schlittschuhschleifmaschine im Handgepäck. Karin Erbs Euphorie tut das keinen Abbruch: «Das wird das grösste Erlebnis meiner Karriere», freut sie sich.