Schlieren rüstet sich für die Zukunft in Sachen Alterswohnungen und Alterspflege: Gestern gab der Stadtrat bekannt, dass er einen Kredit in der Höhe von 50 000 Franken gesprochen hat.

Damit lässt er eine Machbarkeitsstudie erstellen, mithilfe derer geklärt werden soll, welcher Standort für einen Ersatzneubau des Hauses für Betagte Sandbühl am besten geeignet ist. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass die Geistlich Immobilia AG einen Betreiber für die 24 Pflegeplätze und 80 Alterswohnungen gefunden hat, die im Quartier «Am Rietpark» voraussichtlich ab 2019 bezugsbereit sind.

Dabei handelt es sich die Tertianum-Gruppe, die schweizweit bereits 69 Wohn- und Pflegezentren unterhält und in den kommenden fünf Jahren die Eröffnung von 15 weiteren plant. Marianne Häuptli, Sprecherin der Tertianum-Gruppe, bestätigt die Pläne in Schlieren auf Anfrage.

Noch viele Wohnungen bei Senevita

Derweil wird in der Region eher konservativ geplant in Sachen Wohnraum und Pflegeplätze für Senioren. So verzichtet Dietikon auf einen Ausbau des städtischen Angebots. Derzeit sei die Nachfrage gesättigt, wie vergangene Woche am Rand der Präsentation des neuen Altersleitbilds von Christoph Schwemmer, Gesamtleiter des Alters- und Gesundheitszentrums, zu vernehmen war.

Zurückzuführen sei dies auf die Angebote von privater Seite. Beispielsweise jenes der Senevita AG, die im Limmatfeld im vergangenen Jahr Pflege- und Alterswohnungen eröffnete, vergleichbar mit den geplanten der Tertianum-Gruppe in Schlieren.

Doch: Von den 50 betreuten Wohnungen und den 77 Pflegezimmern im Alterszentrum Senevita sind fünf Monate nach Fertigstellung lediglich sieben Wohnungen und 14 Pflegezimmer vergeben. Die Verantwortlichen bleiben optimistisch: So rechnet Senevita-Geschäftsführerin Sandra Graf, dass sowohl alle Wohnungen als auch alle Pflegezimmer innerhalb der nächsten anderthalb Jahre vermietet sein werden.

In der Stadt Zürich hat das grosse Angebot von privater Seite gar Einfluss auf die bestehenden städtischen Pflegeeinrichtungen. So wurde kürzlich bekannt, dass in den zehn städtischen Pflegezentren aufgrund mangelnder Nachfrage 25 Betten stillgelegt werden, was ebenfalls einen Personalabbau zur Folge hat.

Läuft nun auch Schlieren Gefahr, seine Alterswohnungen und Pflegeplätze nicht an die Senioren zu bringen? «Davon gehen wir nicht aus», sagt Meier. «Doch hätten wir vor fünf Jahren wohl grösser geplant, als wir dies heute tun.» Zürich habe traditionellerweise sehr viele Pflegeplätze, was den temporären Rückbau ein Stück weit erkläre.

Laut Schlieremer Alterstrategie 2015 soll die heutige Sandbühl-Bettenzahl von 88 Betten, auf zwischen 70 und 120 Betten mit mindestens 30 Pflegebetten erhöht werden.

Zwei Parzellen kommen infrage

Auch Marianne Häuptli ist zuversichtlich: «Unser Seniorenzentrum ‹Vitadomo Bubenholz› in Opfikon mit 43 Pflege-Einzelzimmern und 59 Alterswohnungen erreichte innert neun Monaten eine Auslastung von rund 90 Prozent. Das liegt klar über den Erwartungen.

Die Nachfrage ist also sicherlich vorhanden.» Warum bisher nur wenige Senevita-Wohnungen im Limmatfeld vermietet sind, darüber will sich Häuptli kein Urteil anmassen, wie sie sagt. Im geplanten Alterszentrum der Stadt Schlieren sieht sie zudem keine Konkurrenz, da sich die Angebote «ergänzen» würden.

Erst Anfang Februar wurde bekannt, dass die Stadt Schlieren selber einen Ersatz für das Haus für Betagte Sandbühl bauen will. Noch im vergangenen Jahr stand die Stadt als Betreiberin der geplanten Alterswohnungen und Pflegeplätze «Am Rietpark» zur Debatte. Weil in diesem Bau von aus der Feder von Graber Pulver Architekten aber lediglich 24 Pflegeplätze und dafür 80 Alterswohnungen entstehen sollen, entspreche dies nicht den städtischen Vorstellungen, hiess es damals.

Für den Neubau des Schlieremer Alterszentrums kommen drei Grundstücke infrage. Das Kohler-Areal direkt beim Bahnhof, eine Parzelle im Besitz der AXA Winterthur beim künftigen Schulhaus Reitmen sowie ferner eine städtische Parzelle auf dem Gebiet des geplanten Stadtparks: «Letzterer werden jedoch nur geringe Chancen eingeräumt, da das Überbauen von Grünflächen lediglich als letzter Ausweg gesehen wird», so Meier.