Immer mehr Chirurgen hören im Operationssaal Musik. Nicht nur, um die Geräusche des Operationsbestecks zu überdecken. Viele sind der Überzeugung, dadurch bessere Arbeit zu leisten. Denn einerseits hebt Musik die Stimmung, andererseits hält sie wach. Laut einer aktuellen Übersichtsstudie im «British Medical Journal» profitieren Patienten und Chirurgen gleichermassen, wenn sie beim Eingriff musikalischen Klängen ausgesetzt sind – vorausgesetzt, es ist die richtige Musikrichtung. In einer anderen Studie zeigte sich Musik als wirksames Mittel, um den Patienten, die nach einer Operation noch beatmet werden mussten, ihre Ängste vor dem Ersticken zu nehmen.

Musik kann Ängste nehmen

Im Spital Limmattal dürfen Patienten jederzeit nach Wunsch Musik hören, sie werden auch darauf hingewiesen. «Sie können aus unserem Angebot wählen oder ihre eigene Musik mitbringen», sagt OP-Managerin Christina Imholz. Vielen Patienten würden die Geräusche im Operationssaal Angst machen: Hämmern, Bohren, das Geräusch von der Herzüberwachung oder das Scheppern von Instrumenten könnten beunruhigend sein. Musik könne den Patienten dabei helfen, sich abzulenken und zu entspannen.

Allerdings spielt es offenbar eine Rolle, welche Musik gespielt wird. An den Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach untersuchte man das Befinden von 200 Patienten, deren Herzkatheteruntersuchung mit Musik begleitet wurde. Hundert von ihnen durften sich die Titel selbst aussuchen, bei der anderen Hälfte wurden sie von den Ärzten ausgewählt. Das Ergebnis: Zwar sanken bei allen Probanden Blutdruck und Herzfrequenz, doch am stärksten taten sie es bei jenen Patienten, deren Musik von den Ärzten ausgesucht worden war. Und dieser Effekt war wiederum am deutlichsten bei Jazz und Klassik, unabhängig davon, ob die Patienten diese Musikrichtungen mochten oder nicht. Es ist also offenbar von Vorteil, wenn die Ärzte die Titelauswahl treffen und nicht der Patient.

Noch wichtiger als die Stilrichtung ist aber die Lautstärke der Musik. So weiss man aus Schallmessungen, dass im OP-Saal nicht selten ein Lärmpegel wie in unmittelbarer Nähe eines laufenden Rasenmähers herrscht. Sogar das Aufreissen einer Packung mit Verbänden kann 90 Dezibel erreichen, die als potenziell gesundheitsschädlich eingestuft werden. Wer da noch versucht, die Musik darüberzulegen, gerät in Schalldimensionen, die weder dem Patienten noch dem Arzt guttun und zudem noch die Kommunikation stören.

Einverständnis aller Beteiligten

Deshalb wird im Spital Limmattal nur in einer Lautstärke Musik gehört, die weder die Kommunikation behindert noch den Patienten stört. Auch sei Musik im Operationssaal nur erlaubt, wenn alle Beteiligten einverstanden sind, so Imholz. Der Musikstil werde im entsprechenden Team besprochen, in der Regel sei es «Radio Swiss Pop», da dort keine Werbung gespielt werde.

Es könne auch einem Operationsteam durchaus helfen, Musik zu hören. So könnten beispielsweise lange Strecken einer Operation überbrückt werden. «Die Musik darf allerdings nie so laut oder ablenkend sein, dass die Konzentration oder Kommunikation aller darunter leidet», sagt Imholz.