Limmattal-Säuliamt
Besonders in der Ferienzeit werden Haustiere ausgesetzt

Heidi Illi vom Tierschutz Limmattal-Säuliamt befürchtet, dass in den Ferien weitere Tiere abgegeben werden.

Daniel Diriwächter
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Daniel Diriwächter

Es war im Februar, als Heidi Illi einen Anruf der Polizei entgegennahm. Ein kleines Kaninchen wurde bei Eiseskälte bei der Autobahn in Urdorf ausgesetzt. Illi, Verantwortliche der Tierauffangstation des Tierschutzes Limmattal, konnte das kleine, eingeschüchterte Tierchen zu sich nehmen. Sie ahnt, warum das Kaninchen dort landete. «Damals waren Sportferien und solche Aussetzungen finden oft in Ferienzeiten statt.» Der kleine Hüpfer lebt heute vergnügt bei der Tierschützerin und ist eines von 38 Kaninchen, die bei Illi und somit beim Tierschutz Limmattal untergebracht sind.

 Eines von 38 Kaninchen: Dieses weisse Tier wurde in Urdorf ausgesetzt.
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 Nichts mehr zu meckern: Zwei Ziegen gehören auch zur Familie.
 Heidi Illi vom Verein Tierschutz Limmattal leitet die Tierauffangstation in Bonstetten. Sie kümmert sich um ausgesetzte Nagertiere wie Kaninchen.
 Verängstigt, aber in Sicherheit: Ein Kaninchen in der Tierauffangstation in Bonstetten.
 «Kaninchen sind keine Wildtiere», sagt Heidi Illi.

Eines von 38 Kaninchen: Dieses weisse Tier wurde in Urdorf ausgesetzt.

Daniel Diriwächter

Umzug von Glanzenberg nach Bonstetten

Der Verein Tierschutz Limmattal wurde 1993 gegründet und Illi ist seit 1994 Mitglied, später dann im Vorstand und heute Verantwortliche der Tierauffangstation. Noch bis Ende 2016 war die Station auf einer Wiese beim Bahnhof Glanzenberg in Dietikon untergebracht und mit den kleinen Häuschen und Gehegen gut sichtbar. «Wir haben aber damals entschieden, dass wir die Auffangstation zur mir nach Bonstetten verlegen, weil die grosse Wiese viel Aufwand bedeutete», so Illi. Die beiden Schafe, die dort einst als «natürlicher Rasenmäher» fungierten, wurden alt und krank und mussten eingeschläfert werden, ebenso die beiden Schweine, die als Besuchermagnet galten. Alle anderen Tiere und die Gehege wurden nach Bonstetten transportiert. Weswegen der Tierschutz Limmattal seither den Zusatz «und Säuliamt» im Namen trägt.

Illi und ihr Ehemann Hansueli, Präsident des Vereins, besitzen ein Haus mit Umschwung, das ein ideales Heim für Tiere ist. «Allerdings sind wir seither aus dem Blickfeld geraten und die Mitgliederzahl des Vereins ist gesunken», sagt Illi. Dabei sei der Mitgliederbeitrag von 30 Franken sehr niedrig. «Der Verein lebt von diesen Beiträgen und den Spenden.»
Und die Arbeit muss jeden Tag weitergehen. Die Versorgung der Tiere liegt ganz bei Illi, zusätzlich erhält sie Hilfe aus der Familie und aus dem Verein.

Neben den Kaninchen hält Illi auch Meerschweinchen und zwei Ziegen. Die meisten Tiere sind laut Illi nicht mehr vermittelbar und gehören fest zur Familie, zu der sich auch noch ein Hund und vier Katzen gesellen. «Wir nehmen heute nur noch Kleintiere auf und bei 38 von 40 belegten Plätzen bei den Kaninchen sind wir sehr voll», sagt Illi.

Sie befürchtet, dass in den Sommerferien wieder vereinzelt Tiere ausgesetzt werden. Sie bemerkt, dass oft vor Urlaubszeiten Tiere sprichwörtlich entsorgt werden. Und sie staunt, wenn Menschen sie anrufen und ihr mitteilen, dass sie ihre ungeliebten Tiere töten werden, falls sie sie nicht aufnehmen werde. Es komme auch vor, dass Kaninchen im Wald ausgesetzt würden, so Illi. «Aber Kaninchen sind keine Wildtiere, weswegen sie meist qualvoll verhungern, falls nicht ein Fuchs sie schnappt.»

Was Menschen ihren Tieren antun können, sieht Illi jeden Tag, wenn sie die nicht mehr vermittelbaren Kaninchen füttert, streichelt und mit ihnen spricht. Da ist ein Kaninchen, dessen Fell wegen mangelnder Pflege extrem verfilzt war, und ein anderes, dass Monate benötigte, um sich an das richtige Futter zu gewöhnen; es wurde vorher nur mit Läckerli gefüttert, statt mit Heu, Rüben oder Äpfeln. Ausserdem beherbergt sie auch blinde und gehörlose Kaninchen.

In tierischen Pfoten

Trotz der traurigen Tierschicksale strahlt Illi, wenn sie über ihre Tiere spricht. Schon immer bezeichnete sie sich als Tierfreundin. «Früher wollte ich Tierarztassistentin werden, doch die Möglichkeiten damals liessen es nicht zu». Den dann erlernten Beruf als Maschinenzeichnerin übt sie heute aber nicht mehr aus. Das Wohl der Tiere spielt endlich die Hauptrolle in ihrem Leben. Eine Leidenschaft, die sie mit ihrem Mann teilt. Es erstaunt daher nicht, dass ihr Zuhause fest in tierischer Pfoten liegt. Und da gerade Kaninchen acht bis zehn Jahre alt werden, entstehen enge Bindungen. Sehr enge: «Bei mir wurden viele Kaninchen schon mehr als zehn Jahre alt», sagt Illi lächelnd.

Der Limmattaler Tierschutz veranstaltet am 29. September 2018 einen Tag der offenen Tür in Bonstetten