Kirche
Besondere Chance für Andreas Bruderer

Der reformierte Pfarrer verlässt die reformierte Kirchgemeinde Urdorf - wie sich zeigt nicht ohne Zwischentöne.

Flavio Fuoli
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Besondere Chance für Andreas Bruderer

Besondere Chance für Andreas Bruderer

Limmattaler Zeitung

Andreas Bruderer (60) wurde am Sonntag von der Kirchgemeinde Zürich-Aussersihl zu ihrem neuen Pfarrer gewählt. Bruderer wird das Amt am 1.März 2011 antreten – exakt sieben Jahre nach seinem Einstieg in Urdorf, nachdem er aus Goldach gekommen war.

Was ist der Grund? Im Gespräch mit der az LimmattalerZeitung erzählt der Pfarrer von seiner Weiterbildung, welche er berufsbegleitend in den vergangenen sieben Jahren erfolgreich absolviert hat. Er hat an der Uni mit dem Master in Spiritualität abgeschlossen, einem Nachdiplomstudium. Die Ausbildung wird von der Theologischen Fakultät der Uni in Zusammenarbeit mit der Aus- und Weiterbildung der Pfarrer angeboten. «Die Ausbildung war praxisbezogen und beinhaltete die christliche Form von Meditation etc.», erklärt er den Inhalt.

Mehrere Angebote

Der Urdorfer Pfarrer hatte Angebote mehrerer Kirchgemeinden respektive Pfarrwahlkommissionen. Er entschied sich für die Kirchgemeinde Aussersihl. Der «offene St.Jakob» ist eine City-Kirche, wie es sie auch in anderen grösseren Städten gibt. «Es ist eine besondere Kirche. Sie unterhält Angebote, welche über die Kirchgemeinde hinauswirken. Die ganze Stadt soll angesprochen werden», so Bruderer.

Die Aufgabe habe ihn «sehr gereizt». Er könne Angebote ermöglichen, was über das hinaus geht, was in normalen Kirchgemeinden realisierbar ist: «Als Zentrumskirche ist sie die ganze Woche offen. Sie bietet Raum für Ausstellungen, Vortragsreihen, Meditationsangebote und neue Formen von Religiosität.»

Zur City-Kirche gehört auch das Pilgerzentrum. Andreas Bruderer wird es vom pensionierten Theo Bächtold übernehmen. Dies wird sein Schwerpunkt sein. Verena Mühletaler wird die offene Kirche übernehmen. Pfarrer Bruderer ist schon in Goldach und danach in Urdorf mit den Interessierten gepilgert. «Ich war auch drei Wochen auf dem Jakobsweg, das spricht mich sehr an.» Überhaupt zeigt er sich «fasziniert, in die Stadt zu ziehen, in eine Stadtgemeinde mit Migrationshintergrund und ins Langstrassenquartier, das sich in einem Umbruch befindet. Das ist eine einmalige Chance und sehr spannend».

«Es wird eine Überraschung geben bei den Mitgliedern der reformierten Kirchgemeinde Urdorf, wenn sie von seinem Rücktritt hören», blickt Kirchenpflegepräsident Alfred Bruppacher voraus. Ihn selber habe der Rücktritt vom Zeitpunkt her überrascht, doch sei er nicht ganz unerwartet gekommen, weil Pfarrer Bruderer das Studium beendet habe.

Er habe das Gefühl es sei dem Pfarrer nicht ganz wohl gewesen in Urdorf, so Bruppacher, «denn wir legen eher Gewicht auf Gemeindearbeit, er eher in Richtung neuer Ausbildung». Man habe sich wohl ein Stück weit auseinander gelebt.

Spannungen zwischen dem Pfarrer und der Kirchgemeinde kamen erstmals auf, als die Pfarrfamilie wegen Umweltgiften aus dem grossen Pfarrhaus ausziehen wollte und es schliesslich auch tat. Für Alfred Bruppacher ist «diese Sache beerdigt, zumal Andreas Bruderer die neue Wohnung selber gesucht hat».

Für Bruderer ist klar, dass gewisse Spannungen zwischen ihm und der Kirchenpflege «noch nicht gelöst sind, sonst würde ich nicht gehen». Er stellt jedoch fest: «In dieser Gemeinde ist sehr viel Gutes passiert. Von Gemeindegliedern habe ich sehr viele positive Feedbacks erhalten. Viele Menschen haben meine Art von Gemeindearbeit geschätzt. Im Blick auf sie tut es mir leid, weiterzugehen.»

Wahl im Februar 2012

Die Urdorfer Reformierten können die Stelle von Andreas Bruderer wieder besetzen, weil sie mehr als 3000 Gläubige sind. Das liessen sie bereits abklären. Laut Kirchgemeindepräsident Bruppacher wird im nächsten Jahr eine Pfarrwahlkommission gewählt, welche ein normales Bewerbungsverfahren durchführe.

Wahrscheinlich werde man das gesamte Jahr 2011 mit Stellvertretungen auskommen müssen. 2012 werde voraussichtlich eine reguläre Pfarrwahl stattfinden. Als Ergänzung zu Pfarrerin Anne-Kathrin Brütsch werde man ziemlich sicher einen Mann suchen.