Ja, er werde bestimmt wöchentlich darauf angesprochen. Entweder fragen ihn die Leute, ob er für das Stadtpräsidium kandidiere, oder sie ermutigen ihn, dies zu tun. Doch mehr will Markus Bärtschiger zum Thema nicht sagen. Der Schlieremer SP-Bauvorstand verweist auf die Ortspartei, die informieren werde, wenn Genaueres entschieden sei. Dabei handelt es sich um einen Entscheid von grosser Tragweite. Stellt sich Bärtschiger zur Wahl als Stadtpräsident, erhält die bislang einzige Kandidatin, Manuela Stiefel von der FDP, einen Gegner von gleichem Format und das Schlieremer Stimmvolk eine echte Auswahl. Entscheidet sich Bärtschiger gegen eine Kandidatur, tritt Stiefel entweder gegen jemanden an, der noch nicht in der Exekutive einsitzt, oder sie bleibt konkurrenzlos. Beide Szenarien würden zu einer Stadtpräsidentin Stiefel führen.

Warum sind aktuell alle Augen auf Bärtschiger gerichtet? Einerseits gehört er derselben Partei an wie der scheidende Stadtpräsident und andererseits haben es Kandidaten von ausserhalb der Exekutive schwer, an deren Spitze gewählt zu werden. Im Limmattal gelang dies zuletzt Chris Linder (FDP) in Uitikon. Bekanntestes Beispiel der jüngsten Vergangenheit aus dem Kanton ist wohl die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP).
Wagt keiner der bürgerlichen Stadträte in Schlieren eine wilde Kandidatur gegen die von FDP, SVP, CVP und EVP unterstützte Stiefel, bleibt nur noch Bärtschiger als erfolgversprechender Kandidat.

Dass es (bislang) keine Alternativen gibt, ist jedoch nicht der einzige Grund, warum Bärtschiger sich oft die Frage nach einer Kandidatur fürs Stadtpräsidium gefallen lassen muss. Er leistet in seinem Ressort Bau- und Planung gute Arbeit, ist dossiersicher und nimmt es auch mit dem Kanton auf, wenn es darum geht, sich für die Anliegen Schlierens einzusetzen. Zuletzt anlässlich der Erweiterung der Bernstrasse. Seit Mitte Jahr sitzt er wie sein Stadtratskollege von der SVP, Pierre Dalcher, im Kantonsrat. Als Nachfolger des Dietikers Rolf Steiner kann er nun auf kommunaler sowie auf kantonaler Ebene Einfluss nehmen.

Als Präsident des Spitalverbands ist er in gesundheitspolitischen Belangen versiert und war zudem federführend beim Millionenprojekt «LimmiViva». Doch ist er auch für Dossiers verantwortlich, bei denen er unangenehme Positionen vertreten muss: So ist die Bevölkerung des Themas Verdichtung allmählich überdrüssig und die Verkehrsplanung am Bahnhof droht wegen starken Widerstands zu scheitern. Nichtsdestotrotz bringt er das Rüstzeug für das prestigeträchtige Stadtpräsidium mit. Falls Bärtschiger sich gegen eine Kandidatur entscheidet, wird die SP Schlieren Mühe haben, eine geeignete Alternative zu finden. Personen mit Strahlkraft gibt es nicht wie Sand am Meer.

Dass kleinere Parteien wie etwa die Grünliberalen, der Quartierverein oder die Grünen einen eigenen Kandidaten für das Stadtpräsidium aufstellen, ist zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich. So machten die bürgerlichen Parteien Schlierens (BPS), denen die SVP, FDP, CVP und EVP angeschlossen sind, und die Sozialdemokraten in jüngster Vergangenheit jeweils das Stadtpräsidium unter sich aus.

Egal, wie sich Bärtschiger entscheidet, seine Stadtratskollegin Manuela Stiefel steht bereit. Schon anlässlich der letzten Gesamterneuerungswahl von 2014 war die Primarlehrerin im Gespräch als Stadtpräsidentin. Seit 2010 ist sie im Stadtrat für die Finanzen zuständig. Zumindest historisch gesehen, spricht dies dafür, dass es sich bei ihr um die künftige Stadtpräsidentin handelt. So ist es in Schlieren beinahe ein ungeschriebenes Gesetz, dass jener Stadtrat, der fürs Geld zuständig ist, in die Fussstapfen des scheidenden Stadtpräsidenten tritt – ungeachtet der parteilichen Zugehörigkeit. Dass Stiefel aufgrund ihres Ressorts auf Brühlmann folgen soll, wäre aber zu wenig der Würdigung ihrer Arbeit. So kann sie – ganz im Gegensatz zu Bärtschiger – alljährlich gute Nachrichten verbreiten – etwa von einem dicken Plus in der Stadtkasse.

Mit dem Schulhaus Reitmen, welches im September seinen Betrieb aufnimmt, war sie bei einem Millionenprojekt federführend, das als architektonischer Wurf wohl über die Grenzen Schlierens Bekanntheit erlangen wird. Vereinzelt musste sie auch Rückschläge einstecken. Beispielsweise als das Parlament ihr einen Kredit verwehrte für die Pacht des Salmensaals. Überrissen sei der Preis, schlecht verhandelt der Vertrag, hiess es damals. Stiefel liess sich von dieser Schelte nicht beirren und macht ihre Arbeit weiter. Diese erhält von Gemeinderäten hervorragende Noten. Sie sei stets dossierfest und habe ein offenes Ohr. Nebst all diesen Vorzügen wird sie auch als eine «gmögige» Person geschätzt, die stets einen lockeren Spruch auf den Lippen und zu fast jedem Thema eine Anekdote zu erzählen hat.

So oder so – Schlieren erhält ein bestens geeignetes Oberhaupt. Für die Stimmbürger ist eine Auswahl auf dem Stimmzettel jedoch wünschenswert. Es bleibt also zu hoffen, dass Bärtschiger den Aufforderungen aus seinem Umfeld nachkommt.