CEVI Dietikon
Beschwerlicher Weg nach Bethlehem im Dietiker Wald

Es ist nass, kalt und es regnet in Strömen. Ruhig stampfen rund 50 Leute die Holzmattstrasse in Dietikon hinauf. Viele tragen Schirme oder verstecken sich unter einer Pelerine. Allen voran läuft ein wegweisender kleiner Hirte.

Sandra Ardizzone
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Nass und beschwerlich wars, aber auch spassig. Sandra Ardizzone

Nass und beschwerlich wars, aber auch spassig. Sandra Ardizzone

«Los, es ist nicht mehr weit bis Bethlehem!», ruft der kleine Hirte und leuchtet mit seiner Fackel den Weg. Den Dieb im Gebüsch bemerkt der kleine Hirte nicht. Es ist ein kreatives Rollenspiel, das die Kinder und Leiter der reformierten Jugendgruppe Cevi Dietikon für die Besucher der Waldweihnacht vorbereitet haben. Auf dem Weg zum Feuer im Guggenbühlwald, der für diesen Abend zu Bethlehem wurde, erlebten die Kinder und ihre Angehörigen eine neue Sichtweise auf die altbewährte Weihnachtsgeschichte.

Grossherziger Hirte

Der kleine Hirte traf auf seinem Weg nach Bethlehem nämlich nicht nur auf den Dieb, sondern auch auf weitere Charaktere. Obwohl er nur Brot, Milch und eine Decke als Geschenke für das Jesuskind bei sich trug, teilte der Hirte die Gaben mit den Bedürftigen. Dem alten Mann, der fror, schenkte er die Decke. Einem Mann, der Durst hatte, gab er Milch. Und das Brot erhielt der hungrige Dieb, der daraufhin nicht mehr stehlen mochte, sondern selbst Hirte ward. Sogar auf die Jungfrau Maria samt Jesuskind trafen die Besucher an.

Erzählung der Pfarrerin

Der Weg nach Bethlehem im Dietiker Wald war nicht nur für den kleinen Hirten von Aufregung geprägt. Durch den starken Regen geriet der Boden vielerorts matschig, sodass einige Leute ausrutschten und alle mit völlig verdreckten Schuhen beim Feuer im Wald ankamen. «Das ist wie Weihnachten, der 1. August und die Sintflut gemeinsam», fasste ein Vater passend zusammen.

Am Feuer empfing Pfarrerin Willemien Lammers die durchnässten Besucher mit einer weiteren Weihnachtsgeschichte, die sie – dem Regen trotzend – nicht unter der schützenden Plastikplane erzählte, sondern unter freiem Himmel. Zum Abschluss spielten die musikalischen Cevi-Leiter schliesslich Weihnachtslieder auf Blasinstrumenten, die Gäste sangen und brieten dabei ihre Würste über dem Feuer. Und auch wenn einige Kinder riefen «Ich werde nie Förster!», oder, «Ich werde nie Wolfsmensch!», so gingen doch alle – wenn auch mit klammen Fingern – mit einem guten Gefühl nach Hause.