Schlieren

Berufsbeistände: Eigenes Mandatszentrum für Schlieren ist zum Greifen nah

Schlieremer, die einen Berufsbeistand benötigen, müssen heute nach Unterengstringen.

Schlieremer, die einen Berufsbeistand benötigen, müssen heute nach Unterengstringen.

Weil die Arbeitslast im Erwachsenenschutzrecht jüngst stark anstieg, kündigte das Mandatszentrum Unterengstringen seinen Anschlussvertrag mit Schlieren.

Seit 2014 führt Unterengstringen die Berufsbeistandsmandate der Stadt Schlieren im Erwachsenenschutzrecht. Nun flatterte dem Stadtrat jedoch die Kündigung des Anschlussvertrags ins Haus. Unterengstringen löst die Zusammenarbeit per 2020 auf. Der Grund: Seit der Übernahme der Schlieremer Fälle stieg die Anzahl von 40 auf aktuell rund 100. «Wir waren überrascht, als wir davon erfuhren, dass Unterengstringen den Vertrag auflösen möchte», sagt der Schlieremer Sozialvorstand Christian Meier (SVP) auf Anfrage. Damit der Stadtrat aber nicht Knall nach einer neuen Zwischenlösung suchen muss, will er den ohnehin auslaufenden Vertrag noch bis zum Sommer 2020 verlängern.
Vor drei Jahren bewilligte das Gemeindeparlament zuletzt 1,3 Millionen Franken für die Mandatsführung für zwei Jahre. Damals erhöhte Unterengstringen die Kosten für die einzelnen Fälle von 4500 Franken auf 4850 Franken. Diesen Preisanstieg bewertete der Stadtrat als nachvollziehbar.

Verlängerung kostet 240 000 Franken

2016 wurde der Wunsch nach einer eigenen Lösung für die Mandatsführung laut. So reichte Gemeinderätin Heidemarie Busch (CVP) eine Motion ein, in der sie gemeinsam mit neun Mitunterzeichnern forderte, dass der Vertrag mit Unterengstringen gekündigt und ein eigenes Zentrum geschaffen wird. Dass die Klienten den Weg nach Unterengstringen auf sich nehmen müssen, schien ihr unangebracht. Den Weg zwischen den beiden Nachbargemeinden erachteten der Stadtrat und das Gemeindeparlament jedoch als zumutbar. Letzteres versenkte die Motion im Februar 2017.

Für die Verlängerung des Vertrags bis Mitte 2020 gibt die Stadt 240 000 Franken aus. «Die Übernahme und Integration der Berufsbeistandschaft ist komplex und zeitaufwendig und muss nebst den bestehenden ordentlichen Aufgaben der Sozialabteilung umgesetzt werden», schreibt der Stadtrat in seinem jüngst veröffentlichten Beschluss. Daher sei eine externe Unterstützung notwendig, die 20 000 Franken kosten wird. Die beauftragte Firma unterstützte die Stadt Schlieren bereits in der Vergangenheit und weise somit wertvolles Wissen vor.

Bei 100 Klienten sei neues Zentrum gerechtfertigt

Aktuell prüft die Sozialabteilung eine Zusammenarbeit mit potenziellen Partnern. Nebst dem Massnahmenzentrum Dietikon, das vor Unterengstringen mit der Mandatsführung Schlierens betraut war, prüft die Stadt auch eine Zusammenarbeit mit der Pro Senectute. Zudem habe man Offerten von den Mandatszentren in der Stadt Zürich und Affoltern am Albis eingeholt, sagt Meier. «Es sieht derzeit danach aus, dass wir jedoch selber ein neues Zentrum aufbauen.» Meier verweist darauf, dass mit über 100 Klienten die Schaffung einer eigenen Lösung gerechtfertigt sei. «Diesen Schritt würden wir natürlich auch wagen, weil der Wunsch nach einem eigenen Zentrum vor zwei Jahren laut wurde.» Meier rechnet damit, dass sich die Kosten pro Fall in einem ähnlichen Rahmen bewegen würden wie bis anhin. Also 4850 Franken pro Person.

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