Bergdietikon
Wilde Feuerstellen, Girlanden oder verbotene Autofahrten – am Egelsee war 2020 einiges los

Wegen Corona zog es viele Ausflügler ins beliebte Naturschutzgebiet in Bergdietikon. Aufseher Ruedi Vogel war so oft unterwegs wie noch nie innerhalb eines Jahres.

Sandro Zimmerli
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Der Egelsee in Bergdietikon ist ein beliebtes Ausflugsziel. Im Coronajahr 2020 waren unüblich viele Besucher im Naturschutzgebiet unterwegs.

Der Egelsee in Bergdietikon ist ein beliebtes Ausflugsziel. Im Coronajahr 2020 waren unüblich viele Besucher im Naturschutzgebiet unterwegs.

Archivbild: Alex Spichale

Ruedi Vogel hat ein arbeitsreiches Jahr hinter sich. 241 Rundgänge machte der Aufseher 2020 im Naturschutzgebiet Egelsee in Bergdietikon. So oft sei er innerhalb eines Jahres noch nie unterwegs gewesen, schreibt er in seinem kürzlich publizierten Jahresbericht. Auch die Polizei sei präsenter gewesen. Der Grund: «Das Coronajahr 2020 war durch die unüblich vielen Besucher für das Naturschutzgebiet eine grosse Belastung», wie Vogel schreibt.

Von einer «Völkerwanderung» ist etwa im Eintrag vom 10. Mai die Rede. 218 Fahrzeuge zählte Vogel auf den Parkplätzen rund um das Schutzgebiet. Die vielen Ausflügler brachten es mit sich, dass sich der Aufseher oft vorstellen durfte, wie er es nennt, und die Leute auf Vergehen im Naturschutzgebiet aufmerksam machen musste.

Bei seinen Rundgängen war Vogel immer wieder gezwungen, für Ordnung und Sauberkeit rund um den Egelsee zu sorgen. Auch das Erteilen von Auskünften über das Gebiet und das Fischen im Gewässer gehörte zu seinen häufigen Tätigkeiten. Zudem wurde Vogel oft wegen der Missachtung des Fahrverbots aufgeboten. Insgesamt 14-mal musste er wegen solcher oder anderer Vergehen die Polizei informieren. So beispielsweise am späten Nachmittag des 11. April. Vogel schreibt:

«16 Personen sind bei der Feuerstelle am Sprungturm, leider angereist mit drei Autos. Ich melde dies der Polizei.»

Auch illegal errichtete Feuerstellen hielten den Aufseher immer wieder auf Trab. «Ich finde drei wilde Feuerstellen am Egelsee vor. Ich mache alle Gruppen darauf aufmerksam, worauf diese den Platz verlassen. Ich entferne die drei Feuerstellen mit meiner Schaufel, dass diese nicht mehr erkenntlich sind und so keine Nachahmer animieren», heisst es im Eintrag vom 10. April.

Auf seine Bitte hin, stellte die Gemeinde im Juli drei Verbotstafeln an jenen Orten auf, an denen besonders oft wilde Feuerstellen zu finden sind. Die Massnahme zeigte Wirkung. «Ich sehe bis Ende Jahr keine wilden Feuerstellen mehr», notierte Vogel am 23. Juli.

Auch drei neue Tafeln, die darauf aufmerksam machen, dass das Betreten des Rieds verboten ist, wurden letztes Jahr aufgestellt. Dies, weil Vogel immer wieder Leute antraf, die sich dort ein Picknick genehmigten.

Gelände wird für Verlobungsfeier mit Girlanden dekoriert

Bisweilen hatte der Aufseher bei seinen Rundgängen auch spezielle Begegnungen. So feierte am 27. Juni ein junges Paar zusammen mit 14 weiteren Personen seine Verlobung am Egelsee. Für das Fest stellte die Festgemeinde einen Tisch mit Getränken auf und dekorierte die Umgebung mit Girlanden und Ballonen. Sie hätten aber Verständnis gezeigt und alles wieder abgeräumt, als er sie darauf aufmerksam machte, dass das Anbringen von Dekoration in einem Naturschutzgebiet verboten sei, schreibt Vogel.

Einsichtig waren auch jene zwei Personen, die der Aufseher am 9. August beim Zelten im Naturschutzgebiet entdeckte. «Ich informiere sie über das Verbot und sie beginnen das Zelt abzubrechen», ist im Bericht zu lesen. Erstaunlicher war für Vogel jedoch die Entdeckung, die er nur unweit der Zeltenden machte. An einem Stock war ein Reuse befestigt, in der sich vier Krebse befanden. Vogel liess die Tiere frei und nahm das Fanggerät mit.

Wenig Verständnis zeigt der Aufseher für Littering und Sachbeschädigungen rund um den Egelsee. «Die Hinweistafel zu den Coronaregeln ist demoliert und der Rettungsring ist verschwunden. Es ist schade, dass solche Sachen passieren», heisst es in einem Eintrag vom 23. Mai. Und am 22. Oktober schreibt Vogel:

«Trotz acht Abfallkübel entlang des Hauptwegs zum Egelsee muss ich acht Gesichtsmasken vom Boden aufnehmen und entsorgen. Das ist mühsam.»

Auch wenn es mitunter lästig ist, immer wieder Besucher auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen, so scheinen viele doch einsichtig zu sein, sobald sie von Vogel angesprochen werden. Das ist auch ganz im Sinne der Gemeinde Bergdietikon, weil sie am Egelsee kein Bussenregime aufziehen, sondern nach wie vor auf Prävention und Dialog setzen will, wie Gemeindeschreiber Patrick Geissmann auf Anfrage erklärt.

Dennoch hofft Ruedi Vogel, dass sich die Situation dieses Jahr wieder normalisiert, sich die Besucherzahl auf ein normales Mass einpendelt und «das wunderbare Schutzgebiet ein ruhiger, beliebter und geschätzter Erholungsort bleibt.»