Bergdietikon

Bergdietikon darf Land für Pflegezentrum an Investor verkaufen

An der Schönbergstrasse in Kindhausen soll bis 2015 ein Pflegezentrum mit rund 75 Betten sowie Alterswohnungen entstehen

An der Schönbergstrasse in Kindhausen soll bis 2015 ein Pflegezentrum mit rund 75 Betten sowie Alterswohnungen entstehen

Ein privater Investor will im Bergdietiker Weiler Kindhausen ein Pflegezentrum erstellen. Der entsprechende Landverkauf wurde an der Gemeindeversammlung vom Montagabend lange und heftig diskutiert und teilweise stark kritisiert. Trotzdem wurde er schliesslich relativ deutlich genehmigt.

Die Gemeinde Bergdietikon verkauft für 4,4 Millionen Franken eine Parzelle an der Schönenbergstrasse in Kindhausen an die Oasen Holding AG. Diese wird auf dieser sowie zwei weiteren Parzellen ein Pflegezentrum mit voraussichtlich 75 bis 95 Pflegebetten sowie Alterswohnungen erstellen. Das Geschäft liess an der Gemeindeversammlung am Montagabend die Wogen hochgehen. Trotzdem sprachen sich die anwesenden 193 Stimmberechtigten schliesslich deutlich, mit 132 Ja-Stimmen zu 37 Nein-Stimmen, für den Landverkauf aus. Zuvor war ein Rückweisungsantrag grossmehrheitlich abgelehnt worden.

Gemeindeammann Gerhart Isler betonte, dass aufgrund der demografischen Entwicklung bis im Jahr 2025 in der Region Baden rund 700 Pflegebetten fehlen werden. Der Wunsch nach Wohnraum für Senioren sei auch ausdrücklich im Rahmen des Projekts «Zäme i d Zuekunft» geäussert worden. «Es gibt Handlungsbedarf, wir müssen etwas machen», so Isler. Es könne nicht sein, dass eine Person ihr Leben lang in Bergdietikon wohne und im Alter die Gemeinde verlassen müsse. Heute seien 24 Bergdietiker Senioren auf verschiedene Altersheime in der Region verteilt, sagte Gemeinderätin Brigitte Diggelmann. «Das wollen wir nicht mehr.» Dass ein Investor der Gemeinde «gratis und franko» ein Pflegezentrum bauen wolle, sei ein absoluter Glücksfall.

«Ein Luxusprojekt»

Die Diskussion fiel dennoch äusserst emotional aus und dauerte bis nach 23 Uhr. So bemängelten mehrere Votanten, das Ganze sei überstürzt und man habe noch zu wenig Informationen, um sich eine Meinung zu bilden. Ein anderer Votant erklärte, es handle sich um ein «Luxusprojekt, das absolut nicht im Sinne der Gemeinde ist». Für die Investoren handle es sich um ein Spekulationsobjekt und die Gemeinde würde die Kontrolle verlieren. Es handle sich um die letzte Landreserve der Gemeinde, sagte eine Votantin. Sie wolle diese nicht hergeben, ohne das genaue Projekt zu kennen. Man könne dies von einem privaten Investor nicht verlangen, sagte Gemeindeammann Isler. Jedoch würden die Details in einem Gestaltungsplan definiert, über den die Gemeinde befinden könne.

«Kein Risiko»

Das Wichtigste sei für ihn, sagte ein Votant, dass er im Alter sein Beziehungsnetz weiterhin pflegen könne. Und dafür wolle er in der Gemeinde bleiben. Ein Alterszentrum sei wertvoll für die Gemeinde und der Landverkauf spüle zudem noch Geld in die Gemeindekasse. Ob das Land an die Gemeinde zurückgehe, wenn der Gestaltungsplan später abgelehnt würde, wollte ein Anwesender wissen. Isler bejahte dies: «Wir gehen mit dem Landverkauf keinerlei Risiko ein.»

Ja zum Budget 2013

Die weiteren Geschäfte gaben einiges weniger zu diskutieren. Die 193 anwesenden Stimmberechtigten sprachen sich grossmehrheitlich für den Voranschlag 2013 aus. Er rechnet bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 87 Prozent mit einem Ertragsüberschuss von 1,1 Millionen Franken. Eine grosse Belastung stellen jedoch die anstehenden Nettoinvestitionen in der Höhe von 6,4 Millionen Franken dar. Der grösste Teil davon, nämlich 6 Millionen Franken, fliesst in den Neubau des Mehrzweckgebäudes Schule und den Umbau des Schulhauses I.

Spitex Mutschellen übernimmt

Ohne Gegenstimme genehmigten die Stimmberechtigten die neue Leistungsvereinbarung mit dem Verein Spitex Mutschellen, der per Januar 2013 mit der Spitex Bergdietikon fusionieren wird. Der Schritt wird nötig aufgrund neuer Anforderungen des aargauischen Pflegegesetzes. Grossmehrheitlich abgelehnt wurde der Antrag einer Stimmbürgerin für die Anschaffung von zwei Tageskarten Gemeinde der SBB. Die anwesenden Stimmberechtigten folgten damit dem Gemeinderat, der fand, die Nachfrage in Bergdietikon sei dafür zu gering. Zur Debatte stand ausserdem ein Beitrag von 16 500 Franken für den Umbau und die Erweiterung des Kurtheaters Baden. Diesem stimmte die Gemeindeversammlung relativ knapp zu, mit 92 Ja- zu 71 Nein-Stimmen. Ohne Gegenstimme genehmigten die Stimmberechtigten einen Kredit über 310 000 Franken für die Sanierung der Wasserleitung in der Birkenstrasse. Die Gemeindeversammlung erteilte zudem Petra Drossaart van Dusseldorp ohne Gegenstimme das Gemeindebürgerrecht.

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