In Bergdietikon läuft eine kleine Gruppe von Kritikern Sturm gegen das geplante Pflegezentrum im Weiler Kindhausen. In diversen E-Mails, die in der Gemeinde zirkulieren, in Leserbriefen und auf ihrer Website fährt die Interessensgemeinschaft «Für eine sinnvolle Seniorenresidenz in Bergdietikon» hartes Geschütz auf. Sie spricht von einem «gigantischen» und «überdimensionierten» Projekt, das die Umgebung verschandle und zu einem «Altersgetto» werde.

Die Interessensgemeinschaft, der nach eigenen Angaben zwischen 30 und 60 Personen angehören, will «die letzte Gelegenheit» nutzen, um die geplante Seniorenresidenz zu redimensionieren, wie sie auf der Website schreibt. Noch bis zum 13. November läuft das Mitwirkungsverfahren für den Gestaltungsplan.

«Nicht sauber und transparent»

«Danach haben nur noch die direkten Anstösser etwas zu sagen», warnt Peter Lingg, der die Interessengruppe ins Leben gerufen hat. Er sei aber nicht gegen ein Pflegenzentrum, betont er mehrmals. Was ihn störe, sei der Prozess: «Das Ganze läuft nicht so transparent ab, wie ein Projekt ablaufen sollte.»

Er habe das Vertrauen in den Gemeinderat verloren, sagt Lingg. So habe dieser beispielsweise an der Gemeindeversammlung im November 2012 versichert, das Land, auf dem der private Investor Oase Holding AG das Pflegezentrum erstellen will, gehe an die Gemeinde zurück, wenn darauf nicht wie abgemacht gebaut werde. Im Vorvertrag sei jedoch gestanden, das Land bleibe in jedem Fall Eigentum des Investors. Erst als er mit dem fakultativen Referendum gedroht habe, sei der Vertrag angepasst worden, sagt Lingg.

Ziel: Druck auf den Gemeinderat

Auch Hans Tobler, ebenfalls Mitglied der IG, macht dem Gemeinderat Vorwürfe. Der Bevölkerung solle verheimlicht werden, wie gigantisch das Projekt werde, sagt Tobler, der direkt neben der entsprechenden Parzelle wohnt. Wohl deswegen sei das Projekt nicht ausgesteckt worden: «Das macht die Leute wütend.» So habe die IG nun selber eine Stange aufgestellt, welche die Dimensionen klarmache.

Tobler kritisiert zudem, dass mit dem geplanten Pflegezentrum «überhaupt keine Rücksicht auf das Ortsbild» genommen werde. Ein dermassen wuchtiges Gebäude würde vielleicht nach Dietikon passen, sagt Tobler: «Aber doch nicht mitten ins Naherholungsgebiet.» Zudem überstiegen die vielen Alterswohnungen den Bedarf der Gemeinde bei weitem und würden bloss Mehrverkehr und Zuzüger anziehen, die den Finanzhaushalt der Gemeinde belasteten.

Er wünsche sich ein kleineres Seniorenzentrum, sagt auch Lingg. «Ich will, dass das Projekt nochmals von vorne aufgerollt wird.» Dass diese Option im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens nicht gegeben ist, weiss Lingg zwar. Doch sei das Ziel, beim Gemeinderat so lange Druck zu machen, bis dieser «zur Vernunft kommt».
Für die zuständige Gemeinderätin Brigitte Diggelmann steht ausser Diskussion, dass am Projektfahrplan festgehalten wird. «Das Stimmvolk hat sich deutlich für das Pflegezentrum ausgesprochen», sagt sie: «Und wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen auf das Projekt.» Im Moment stehe das Mitwirkungsverfahren für den Gestaltungsplan im Fokus, danach folge die öffentliche Auflage.

Dass der Gemeinderat unsauber kommuniziere, will Diggelmann nicht gelten lassen: «Wir haben immer sehr transparent informiert.» Dass es zu Änderungen am Projekt kommen könne, liege in der Natur der Sache, sagt die Gemeinderätin. Sie sei nach wie vor «absolut überzeugt vom Konzept - sonst würde ich mich nicht so dafür einsetzen».

Sinnvolle Grösse

Auch die Grösse des Pflegezentrums mache Sinn, so Diggelmann: «Ein kleineres Heim wird automatisch viel teurer und wäre für unsere Einwohner nicht bezahlbar.» Zudem sei in einer grösseren Institution das Personal besser einsetzbar. Und dass gleichzeitig Alterswohnungen gebaut würden, sei das Konzept der Zukunft.
«Erschreckend» finde sie es aber, sagt Diggelmann, wenn Kritiker das Pflegezentrum als «Altersgetto» bezeichneten. «Für mich sind Senioren ein sehr wertvoller Bestandteil der Gemeinde.» Und da diese sich zudem öfters in der Gemeinde aufhielten als berufstätige Personen, seien sie für Bergdietikon mindestens so belebend wie jüngere Menschen.