Geroldswil

Bergdietiker Arzt wirft Gemeinde vor, Steuergelder zu verschwenden

Arzt und Hausbesitzer Claudio Lorenzet.

Arzt und Hausbesitzer Claudio Lorenzet.

Der Bergdietiker Arzt Claudio Lorenzet reicht Strafanzeige gegen die Geroldswiler Sozialbehörde und gegen die zuständigen Behördenmitglieder ein. Dies bestätigte die zuständige Staatsanwältin gestern auf Anfrage der Limmattaler Zeitung.

Dabei steht der Fall zweier Sozialhilfebezüger im Mittelpunkt. Doch von Anfang an: Lorenzet besitzt in Geroldswil eine Wohnung, die er auf Oktober 2011 an ein Paar vermietete.

Wie Lorenzet sagt, sei dieses Mietverhältnis auf Bitte der Geroldswiler Sozialbehörde zustande gekommen, die ebenfalls ein Mietdepot von 3000 Franken hinterliess. Im März vergangenen Jahres stoppten die Mietzinszahlungen.

Die Parteien fanden laut Lorenzet keine Einigung, worauf die Betreibung der Mieter, deren Wohnungsausweisung sowie die Räumung der Wohnung für den Vermieter einen finanziellen Schaden von rund 26 000 Franken zur Folge hatten.

Hotel für monatlich 3000 Franken

Claudio Lorenzet gehe es nicht um das Geld, sagt er. Mehrere zehntausend Franken habe er in den Sand gesetzt wegen der Geroldswiler Sozialbehörde. Doch dieses Geld habe er längst abgeschrieben, ihm gehe es nun darum, die Steuerzahler aufzurütteln: «Die Eigenverantwortung, die man Sozialhilfebezügern überträgt, ist zu gross.

Diese Menschen sind selber dafür verantwortlich, dass sie ihre Miete oder ihre Arztrechnungen bezahlen. Tun sie dies nicht, dann sind unter anderem Vermieter und Ärzte die Leidtragenden», so der Arzt und Hausbesitzer aus Bergdietikon.

Auf die Einforderung der Mietzahlungen bei der Geroldswiler Sozialbehörde verwies man darauf, dass das Paar nicht mehr Sozialhilfegelder bezieht und man nichts machen könne. Für Lorenzet ist klar: «Datenschutz kommt hier Täterschutz gleich.»

Laut Angaben der «Weltwoche», die kürzlich über diesen Fall geschrieben hat, habe sich das Paar unmittelbar nach dem Auszug aus Lorenzets Wohnung wieder für Sozialhilfe beworben, woraufhin die Gemeinde dessen Wohnkosten in einem Spreitenbacher Hotel für monatlich rund 3000 Franken übernahm.

«Diese Wohnkosten können für eine akute Notlösung als durchaus günstig taxiert werden», heisst es in einem Schreiben der Gemeinde Geroldswil, das der «Weltwoche» vorliegt. Dank eines Vorschusses des Mietzinses einer neuen Wohnung in Fislisbach konnte das Paar aus dem Hotel ziehen.

Claudio Lorenzet verweist darauf, dass die Gemeinde darüber hinaus für die Einlagerungskosten der Möbel sowie den Transport nach Fislisbach aufkam, während er auf seinem finanziellen Verlust sitzen blieb.

Keine Stellungnahme der Gemeinde

Im vergangenen Mai reichte Lorenzet beim Statthalteramt eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Geroldswiler Sozialbehörde ein wegen Unordnung, Missbrauch, Gesetzes- und Pflichtverletzung der zuständigen Behördenmitglieder.

Darin moniert er, dass die Behörde ihre Aufsichtspflicht vernachlässigte und sorglos mit den Geroldswiler Steuergeldern umgehe. Im Juni folgte eine Stellungnahme der Gemeinde, die Lorenzet vorliegt: «Die Gemeinde kommt darin zum Schluss, dass bei den Abläufen nichts falsch gelaufen sei.»

Nun wartet Lorenzet auf den Entscheid des Statthalters: «Wenn diese Antwort so lapidar ausfällt, wie die Stellungnahme der Gemeinde Geroldswil, dann werde ich die Beschwerde an die nächsthöhere Instanz, den Regierungsrat weiterziehen», so der Hausarzt.

«Es kann sein, dass ich ein Einzelfall bin, aber mir stellt sich die Frage, wie viel Geld, die Steuerbehörden sonst noch derart sorglos verpulvern.» Gemeindeschreiber Beat Meier kann zu diesen Vorwürfen keine Stellung nehmen. Dies wird damit begründet, dass es sich um ein laufendes Verfahren handle.

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