Jedes Stück, das die zahlreich Erschienenen zu hören bekamen, war in irgendeiner Weise inspiriert davon. Da der Wein zu allen Zeiten seine berauschende Wirkung entfaltete, waren die Stücke entsprechend zahl- und abwechslungsreich.

Bruno Reich spielte sozusagen den Dionysos, der den Zuhörern aus dem überquellenden Füllhorn das kostbare Getränk ausschenkte. Dabei muss man ihm anrechnen, dass er nicht nur für einen Sinnenrausch sorgte, sondern immer wieder in die Rolle des Apollon schlüpfte. In dieser erklärte er die Stücke geistreich und witzig. Die Organisatoren «Neue Orgel Weiningen» hatten mit ihm die perfekte Wahl getroffen.

«Damit das Perlen des Weins so richtig zur Geltung kommt, muss ich nun ein anderes Register wählen», sagte er etwa. Dann stellte er die Orgel auf «Mixtur» um und demonstrierte, dass der Wein so noch viel besser schmeckt. In einem anderen Stück sagte er: «Für diese Gesellen ist der Klang nicht weinerlich genug. Dafür muss ich den Tremulant hernehmen.» Danach schwang und bebte der Ton, sodass die beiden Trinker noch viel kläglicher wirkten.

«Das war es wert»

Ein erster Höhepunkt war das Stück «Juhe! Juhe! Der Wein ist da!», von Joseph Haydn. Hier zog der Organist an der Orgel, die nun zum zweiten Mal bei einem grossen Konzert zu hören war, buchstäblich alle Register. Man hörte, wie der Chor aus vollem Halse dazu sang. «Das war es wert», dürften an dieser Stelle wohl auch die Sponsoren gedacht haben. Sie finanzierten die Orgel mit 180 000 Franken.

Selbstverständlich fehlte bei solch einem Programm auch die Champagner-Arie aus Mozarts Don Giovanni nicht. «Dem Verführer muss ich ein bisschen mehr geben», kommentierte Reich, «das erhöht seine Überzeugungskraft.» Fast fühlte man sich ein wenig beschwipst beim Anhören dieses Trinklieds.

Ganz anders waren die nächsten Stücke: Würdevoll und gemessen ertönten die vertonten Szenen aus dem Abendmahl durch die Kirche. Denn gerade in diesem spielt der Wein schliesslich eine tragende Rolle. Besonders rührend war ein Stück aus der Matthäus-Passion.

Jesus wurde dabei mit einem klanglichen «Heiligenschein» versehen, sodass man ihn schon fast entrückt wähnte. Zu guter Letzt führte Reich die Zuhörer zurück in die Gefilde der Unterhaltungsmusik. Er gab Schlager- und Popsongs zum Besten und forderte das Publikum auf, in die Lieder einzustimmen. Spätestens bei «Summer wine» von Nancy Sinatra sangen viele aus voller Kehle mit.

Passender Ausklang im Chile-Träff

Selten hört man ein Konzert, das sich so streng einem Motto unterwirft und doch mit so viel Lust und Vielfalt punktet. Aber damit nicht genug: Im Anschluss an den Genuss für die Ohren konnten die Zuhörer die Faszination Wein bei einer Degustation praktisch nachvollziehen.

Die beiden Weininger Weinbauern Hanspeter und Ruth Haug vom Wiesentäli und Dora und Hans-Heinrich Haug vom Klosterweg verführten die Besucher im Chile-Träff mit Weiss- und Rotwein. Der Abend hätte nicht passender ausklingen können.