Heinrich Bullinger ging gerne baden. Unter anderem auch im Limmattal. Mindestens drei Mal war er im Landbad Urdorf zu Gast, etwa 1534. Bei jenem Aufenthalt zwischen dem 6. Juli und 3. August feierte der Nachfolger von Huldrych Zwingli unter anderem seinen 30. Geburtstag. Die Badekuren sind nicht die einzigen Verbindungen des in Bremgarten geborenen Bullingers zum Limmattal. Seine Hochzeit mit Anna Adlischwyler, einer Nonne aus dem Kloster Oetenbach in Zürich, feierte der Reformator 1529 in Birmensdorf. Im Haus seines Bruders Johannes, der im Limmattaler Dorf als Pfarrer tätig war.

Im Gegensatz zu Heinrich, der heute als einer der Väter des reformierten Protestantismus gilt und nach Zwinglis Tod 1531 als dessen Nachfolger 44 Jahre als Kirchenvorsteher am Grossmünster in Zürich wirkte, blieb Johannes bis heute eine lokale Grösse, sagte Rudolf Gamper anlässlich eines Vortrages an der Generalversammlung der Heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf. Für den Historiker war es eine Rückkehr an den Ort seiner Kindheit. In Birmensdorf aufgewachsen, unterrichtete er an den Kantonsschulen Winterthur und Bülach Geschichte, ehe er sich auf die Erschliessung mittelalterlicher Handschriften spezialisierte und danach während rund 20 Jahren als Bibliothekar der Sammlung von Joachim Vadian, dem Reformator von St. Gallen, tätig war.

Bei seinen Ausführungen über Johannes Bullinger stützte sich Gamper einerseits auf die von Heinrich Bullinger verfasste Familienchronik, andererseits auf eine Bibel von Johannes Bullinger. «Ein einzigartiges Dokument für einen Landpfarrer», so Gamper. Denn diese lateinische Bibel, die sich in der Zentralbibliothek Zürich befindet, hat Johannes Bullinger mit verschiedenen handschriftlichen Notizen an den Seitenrändern versehen. Zudem verfasste er auf den hintersten der insgesamt 980 Seiten ebenfalls eine Familienchronik. «Gekauft hat Johannes Bullinger das in Basel herausgegebene Buch im Dezember 1530 für 30 Batzen», sagte Gamper. Dies entspreche dem Wert von 20 Kilogramm Butter oder 10 Tageslöhnen eines Handwerkers.

Aus den Notizen gehe unter anderem hervor, dass Johannes Bullinger die Bibel insgesamt fünf Mal gelesen hat, so Gamper. Weiter notierte er an einer anderen Stelle, dass er die dort abgedruckten Worte bereits aus dem Munde Zwinglis vernommen habe. «Das legt nahe, dass Johannes Bullinger die Bibelvorlesungen Zwinglis in Zürich besucht hatte», hielt Gamper fest. Das dürfte in den Jahren 1527 bis 1529 der Fall gewesen sein.

Als Feldprediger verwundet

Johannes Bullinger, Sohn eines Priesters, wurde 1496 geboren. Er ist damit acht Jahre älter als sein Bruder Heinrich. Nach seiner Ausbildung in Rottweil, Bern, Heidelberg und Emmerich wurde Johannes Bullinger Kaplan in Bremgarten und feierte dort 1521 seine erste Messe. Danach war er in Altdorf als Pfarrer tätig. Als Feldprediger nahm er an verschiedenen Feldzügen nach Italien teil. Dort wurde er 1527 verwundet. Danach wendete er sich vom Solddienst ab und der Reformation zu. Eine zweijährige Ausbildung in Zürich folgte, ehe er 1529 Pfarrer in Birmensdorf wurde. Dort blieb Johannes Bullinger bis 1531, dann war er in Rohrdorf tätig. Den Ort musste er jedoch noch im selben Jahr nach der Schlacht von Kappel, an der er selber teilnahm, wieder verlassen. Rohrdorf wurde nach dem Sieg der Katholiken wieder katholisch. Johannes Bullinger fand eine Stelle in Ottenbach. Dort war er von 1532 bis 1557 als Pfarrer tätig. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er schliesslich nach Kappel versetzt, wo er 1570 verstarb. Fünf Jahre vor seinem berühmten Bruder.

Heinrich Bullinger

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