Dietikon
Bemalt, geölt und aufgepumpt treten Bodybuilder in Dietkon an

In der Stadthalle Dietikon kämpfen 42 Bodybuilder um die Trophäen. Die richtige Vorbereitung ist dabei zentral. Kurz vor dem Auftritt würden sich die Athleten noch «aufpumpen», um die Muskeln zu durchbluten und in Form zu bringen.

Christoph Merki
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Kurz vor dem Auftritt bringen sich die männlichen Bodybuilder hinter den Kulissen in Höchstform
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Schweizer Meisterin Bodybuilding Frauen wurde Maud Petrucci
Bodybuildingwettbewerb in Dietikon
Nach der Präsentation posieren die Athleten für die Fans
Der Thurgauer René Schafroth wurde Gesamt Schweizer Meister

Kurz vor dem Auftritt bringen sich die männlichen Bodybuilder hinter den Kulissen in Höchstform

Christoph Merki

Testosterongeschwängert ist die Atmosphäre in der Stadthalle Dietikon. Schon fast ein wenig surreal glänzen die braun gefärbten Muskelberge auf der Bühne, die Schweisstropfen kullern über die eingeölten Körper. Wo Gunter von Hagens in Feinarbeit die einzelnen Muskeln freilegen muss, sind am «4. Internationalen Open NAC & OFBB Swiss Championship 2012» mitunter Trizeps, Bizeps, Pectoralis und Latissimus genau so definiert zu sehen, nur hier am lebenden Körper.

Während sich die insgesamt 42 Athleten im Scheinwerferlicht in Pose werfen, verteilen die sechs Juroren in den elf Kategorien knallhart Punkte und erfreuen sich ob der ausgeprägten Muskulatur an Waden, Oberschenkeln, Rücken oder Armen. Wichtig für eine gute Figur auf der Bühne ist natürlich auch der typische ölig-braune Bodybuilder-Teint. Nach der Grundierung mit Selbstbräuner am Tag zuvor wird in der Vorbereitung hinter den Kulissen nochmals eine Schicht Farbe auf die muskelbepackten Körper gepinselt. «Wenn die Athleten zu weiss sind, kommen die Muskelkonturen im Scheinwerferlicht nicht so zur Geltung; wird zu viel Öl aufgetragen glänzt es zu stark», begründet Juror Roland Jucker die sorgfältige Vorbereitung. Kurz vor dem Auftritt würden sich die Athleten noch «aufpumpen», wie Jucker weiter ausführt. Gemeint ist damit ein kurzes und intensives Gewichttraining, um die Muskeln zu durchbluten und sie in eine möglichst sichtbare Form zu bringen.

Ein Kindheitstraum

Zusammen mit ihrer Mutter lässt sich Tatjana Tauss dieses Kraftspektakel nicht entgehen. «Ich wollte diesmal sehen und herausfinden, ob es vielleicht auch etwas ist für mich», meint die junge Frau. «Bis jetzt bin ich jedoch noch nicht ganz überzeugt, trotzdem gefällt mir, was ich sehe.» Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Denn ganz so überzeugt ist Jacques Morel von den stahlharten Typen auf der Bühne nicht. «Für mich fehlt die Funktionalität der Muskeln, es steckt eine ganz andere Philosophie dahinter als bei meinem Training», versucht er zu erklären. «Ich trainiere, um bessere Leistungen erbringen zu können, doch die Bodybuilder bauen nur Muskeln auf», so Morel. Ersichtlich wird dies vor allem bei den Teilnehmerinnen. Während in der Kategorie «Shape» noch einigermassen weibliche Figuren zu bestaunen sind, verschwimmen die geschlechtlichen Unterschiede bei den «Body- Building-Frauen» zusehends. Die internationale Finalistin und Vize-Schweizer-Meisterin in dieser Kategorie, Nicole Rohrer aus Kaisten, scheint dies aber nicht zu stören. «Es war ein Kindheitstraum, und letztes Jahr stand ich mit 43 Jahren das erste Mal auf der Bühne», gibt sie sich mit dem Erreichten zufrieden. Zwei Jahre gibt sie sich nun, um in der internationalen Wertung unter die ersten drei zu kommen.

Sportliche Zukunftspläne hat auch der Schweizer Gesamtsieger René Schafroth aus dem Thurgau: «Es ist ein wunderschönes Gefühl, nach vielen zweiten und dritten Rängen endlich zu gewinnen, mein Ziel habe ich aber noch nicht erreicht.» Für ihn heisst es schon in einer Woche wieder lächeln und Muskeln spielen lassen, wenn im österreichischen Linz Muskelberge über Weltmeistertitel entscheiden werden.