Susanne Wilke hat einige Möbel aus ihrem Wohnzimmer in andere Räume verfrachtet und dafür Stühle fürs Konzert aufgestellt. Ihre Nachbarn hat sie im Voraus vorgewarnt, dass es am Samstagabend ein Konzert bei ihr gebe und sie auch gleich eingeladen. Die Schlieremerin organisiert bereits zum vierten Mal ein Wohnzimmer-Konzert. Gekommen sind dieses Mal 22 Besucher: Nachbarn, Freunde und deren Freunde.

Von Melancholie und Liebe

Das Licht wurde gedimmt. Die Salongespräche verstummten. «We need to begin from our heart», startete Luka Zotti «Raise the Earth» und spielte dazu akustische Gitarre. Das Publikum war gleich hypnotisiert von der Nähe zum Musiker, welche die Wohnzimmeratmosphäre ermöglichte.

Bald setzte auch die Kalifornierin Beth Wimmer mit ihrer starken Stimme ein. Dass man sich in einem Wohnzimmer befindet, ging fast vergessen. Die beiden Musiker spickten das Konzert mit persönlichen Geschichten zu ihren Liedern. «Forgotten Dream» schrieb Zotti mitten in der Nacht nach einem Traum, in einer Zeit, in der er nach einem neuen Weg in seinem Leben suchte.

An den Traum konnte er sich zwar nicht erinnern, aber das starke Gefühl, Vertrauen in sich selbst zu haben, blieb und wurde zum Lied. Währenddessen besingt Wimmer die Liebe. In «Easier Life» kam sie während eines Roadtrips mit ihrem Schweizer Mann zur Einsicht, wie viel einfacher und schöner das Leben ist, wenn man Liebe gefunden hat. Die in der Schweiz lebende Wimmer arbeitet schon seit drei Jahren mit dem aus Como stammenden Künstler Zotti zusammen, mit dem sie die Begeisterung für Neil Young teilt.

Wimmer lernte Wilke an einem Wohnzimmerkonzert kennen. Diese sind vornehmlich in der Couchsurfer-Szene verbreitet. So wurde Wilke vor vier Jahren von einem ihr bekannten Couchsurfer angefragt, sein bereits organisiertes Konzert in ihrem Wohnzimmer durchzuführen, da kurzfristig unpässlich war. Wilke schätzte den intimen Rahmen und fungiert seither regelmässig als Gastgeberin.

«Mir gefällt es, wie Wimmers voluminöse Stimme mit dem sehr guten Keyboardgitarrenspiel von Zotti harmoniert», sagte die Schlieremerin Bea Haab. «Man ist den Musikern sehr nah. Auch leise Töne werden so schön spürbar», resümierte Wilkes Nachbar Peter Martins. Diese Nähe erlaubte denn auch Interaktion zwischen Publikum und Künstler während des Konzerts. «This sounds great». flüsterte eine Besucherin gut hörbar für jedermann.