Die orangen Rettungsringe beim Wasserkraftwerk in Dietikon fallen auf. Mehrere solche Ringe sind entlang der Limmat im Uferbereich rund um das Wasserkraftwerk fest installiert. Am 27. Juli kam es dort zu einem Ernstfall: Ein junger Mann kam im Wasser in Not und konnte erst im letzten Moment gerettet werden.

Eine Passantin sprang damals beherzt ins Wasser und versuchte, ihn zu retten, geriet aber schliesslich selbst in Not. Der danach von weiteren Passanten an Land gezogene Mann wurde mit der Rega ins Unispital gebracht, wo er drei Wochen lang im Koma lag. Für dessen Bruder Adem B. (Name der Redaktion bekannt) steht fest, dass es so weit gar nicht hätte kommen dürfen: «Es hatte einen Rettungsring ganz in der Nähe. Aber dieser hatte kein Seil dran und mein Bruder konnte so nicht ans Ufer gezogen werden.» Die Kantonspolizei bestätigt den Fall, macht aber keine weiteren Angaben, da das laufende Verfahren nun bei der Staatsanwaltschaft liegt.

Aufstellen ist freiwillig

Entlang der Schweizer Gewässer gibt es viele Rettungsringe, manche mit einer Leine, andere ohne. Gesamtschweizerische oder kantonale Regelungen gibt es nicht: «Die vorhandenen Rettungsringe werden meist von den Gemeinden zur Verfügung gestellt», sagt Prisca Wolfensberger, Mediensprecherin der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). «Sie ergreifen diese Massnahme zum Schutz ihrer Einwohner und Besucher freiwillig.

Denn Vorschriften oder Empfehlungen zum Bereitstellen von Rettungsringen existieren meines Wissens nicht.» In Dietikon wurden die Rettungsringe an der Limmat jedoch nicht von der Gemeinde, sondern von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) aufgestellt. «Die Installation und wöchentliche Überprüfung der Rettungsringe ist von unserer Seite her eine Vorsichtsmassnahme», sagt die Leiterin der Medienstelle, Priska Laïaïda. Vor eineinhalb Jahren seien die Ringe zudem durch neue ersetzt worden.

Bei den Rettungshilfen gibt es unterschiedliche Varianten: So sind manche Ringe mit einer Leine ausgerüstet, andere hingegen nicht. Rettungsgeräte wie der bei Kajak-Fahrern beliebte Rettungssack oder die meist in Schwimmbädern anzutreffende Rettungsstange sind eher selten. Wann welche Art von Rettungshilfe aufgestellt wird, können die Gemeinden – oder wie in Dietikon die EKZ – selber bestimmen.

So gibt es auch rund ums Kraftwerk Ringe mit einem Seil und solche ohne. Diejenigen ohne Seil seien an Stellen angebracht, wo es wichtig sei, dass die Wurfdistanz nicht durch das Seil beschränkt werde, sagt Laïaïda. Der Rettungsring, der laut Adem B. bei der Rettung seines Bruders nicht an einem Seil befestigt gewesen sei, gehört allerdings offiziell zu den sechs mit Leine ausgestatteten Ringen, wie die EKZ bestätigten.

Beschädigte Ringe trotz Kontrollen

Die Rettungsringe beim Kraftwerk stehen alle an öffentlich zugänglichen Orten. Die Mitarbeitenden des Kraftwerkbetriebs hätten diese Stellen definiert, so Laïaïda, und dabei bewusst Standorte gewählt, an denen sich häufig Leute aufhalten. Dies führt aber auch zu Problemen: Zwei der neuen Ringe wurden entwendet, die Seile verschwinden laut Laïaïda häufiger. «Leider können wir nicht restlos verhindern, dass unsere Rettungsringe von gedankenlosen Passanten beschädigt oder entfernt werden», sagt sie.

Das Problem beschädigter oder entwendeter Rettungshilfen kennt man auch bei der Lebensrettungsgesellschaft. «Mir sind Fälle von Gemeinden bekannt, in denen Ringe alle paar Wochen verschwinden», sagt Wolfensberger. «Da ist es bis zu einem gewissen Grad verständlich, wenn Gemeinden diese irgendwann nicht mehr ständig ersetzen.»

Entdeckt man bei den Kontrollen der Rettungsringe in Dietikon Mängel oder Verluste, werden sie sofort ersetzt. Jeden Freitag kontrollieren Kraftwerkmitarbeitende die Ringe – ein Augenschein am Mittwoch zeigte jedoch, dass bei einem Ring das Seil bereits wieder fehlte. Vonseiten des Kraftwerkes hiess es darauf, dieses sei bei der letzten Kontrolle am Freitag zuvor noch vorhanden gewesen.