Bezirksgericht
Beim Untersuch kam es nicht zu einer sexuellen Belästigung

Laut Anklage hat ein Limmattaler Arzt eine Patientin nicht nur sexuell belästigt, sondern auch während einer Behandlung geschändet. Nicht zu beweisen, befand nun das Gericht.

Attila Szenogrady
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Beim Untersuch kam es nicht zu einer sexuellen Belästigung. (Archivbild)

Beim Untersuch kam es nicht zu einer sexuellen Belästigung. (Archivbild)

KEYSTONE/WALTER BIERI

Die Vorwürfe der Anklage gingen auf den 14. Mai 2013 zurück. Damals suchte eine rund 30-jährige Frau im Bezirk Dietikon wegen Bauchschmerzen ihren Arzt auf. Laut Staatsanwaltschaft musste sie während der Untersuchung ihre Hosen herunterziehen und sich hinlegen.

Dann strich ihr der Arzt mit seiner rechten Hand über ihren rechten Oberschenkel und lächelte sie dabei an. Dann strich ihr der Mediziner ohne Vorankündigung mit seinen Fingern über ihre Klitoris und die Schamlippen.

Gemäss Anklage erfolgte der Übergriff so überraschend, dass die Geschädigte keine Möglichkeit besass, sich zur Wehr zu setzen. Nach Absprache mit ihrem Freund und weiteren Bekannten erstattete die Frau zwei Wochen später Strafanzeige.

Die Staatsanwaltschaft leitete gegen den Arzt eine Strafuntersuchung ein und erhob im letzten Juli Anklage. Nicht nur wegen Schändung, sondern auch wegen sexueller Belästigung. Aufgrund der guten finanziellen Verhältnisse forderte die zuständige Staatsanwältin mit 240 Tagessätzen zu 340 Franken eine sehr hohe, bedingte Geldstrafe von 81 600 Franken. Zudem eine Busse von 10 000 Franken.

«Ich bin überzeugt, dass ich nichts Falsches gemacht habe», erklärte der beschuldigte Arzt gestern vor dem Bezirksgericht Dietikon. Bei Bauchschmerzen sei eine Untersuchung der Leistengegend ein absolutes Muss, verteidigte er sich. Allerdings sei er heute aufgrund der Vorwürfe verunsichert, gab er an.

Die dritte Strafuntersuchung

Die Staatsanwältin sprach von glaubhaften und überzeugenden Aussagen der Geschädigten. Zudem sei es bereits in den Jahren 2009 und 2011 zu identischen Vorfällen mit zwei anderen Patientinnen gekommen. Bei der ersten Frau sei eine Einstellung des Verfahrens erfolgt.

Mit der zweiten Patientin habe der Beschuldigte einen Vergleich geschlossen. Die Anklägerin schloss deshalb im dritten Strafverfahren einen unabsichtlichen Ausrutscher aus. «Der Mediziner hätte nach den ersten Fällen sensibilisiert sein müssen», plädierte sie.

Der Verteidiger forderte dagegen einen vollen Freispruch. Der Rechtsanwalt konnte sich dabei auf ein Gutachten des Institutes für Rechtsmedizin abstützen. Dieses hatte den Arzt entlastet, indem es festhielt, dass seine Untersuchung im Leistenbereich korrekt und rechtmässig erfolgt sei.

Die Verteidigung räumte ein, dass die Patientin die Berührung als unangenehm empfunden, jedoch falsch interpretiert habe. Ebenso die nette Art des Mediziners. Zudem sei die Geschädigte von ihrem Umfeld vor der Anzeige massiv beeinflusst worden.

Arzt erhält Entschädigung

Das Bezirksgericht Dietikon kam zum Schluss zu einem überzeugenden Freispruch. Die zuständige Einzelrichterin betonte, dass die beiden früheren, eingestellten Strafuntersuchungen keine Rolle spielen dürften.

Es gelte die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaft sei dennoch auf den beiden früheren Verfahren herumgeritten, kritisierte die Richterin. Beim Sachverhalt führte sie aus, dass der Beschuldigte während der Strafuntersuchung eingeräumt habe, dass er vielleicht die Schamlippen der Patientin berührt habe. Jedoch ohne jeglichen Vorsatz.

Zudem seien die Vorwürfe der Geschädigten während der Ermittlungen immer schlimmer geworden. Anfänglich sei von einer Berührung der Klitoris noch gar keine Rede gewesen, rief die Vorsitzende in Erinnerung. Zudem habe auch das Gutachten den Beschuldigten entlastet. Mit dem Freispruch wurde dem Arzt eine Prozessentschädigung von über 38 700 Franken zugesprochen.