Limmattal
Beim Sammeln von Bärlauch droht giftige Verwechslungsgefahr

Er hat Übernamen wie Hexenzwiebel, Zigeunerlauch oder Waldknoblauch und wächst derzeit überall – der Bärlauch. Er kann aber rasch mit Giftpflanzen verwechselt werden.

Katja Landolt
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Ein duftender Bärlauchteppich zieht sich derzeit durch das Dietiker Röhrenmoos.Katja Landolt

Ein duftender Bärlauchteppich zieht sich derzeit durch das Dietiker Röhrenmoos.Katja Landolt

Wie ein grüner Teppich zieht sich der Bärlauch über die Böden und taucht die Wälder in Knoblauchduft. Doch nicht nur im Wald, auch auf den Speisezetteln von Feinschmeckern und den Menükarten der Restaurants ist der Bärlauch derzeit omnipräsent; ob in Würsten, Quarks, Suppen, Pesto, Pasta oder Chips. Wer die Produkte nicht kaufen will, zieht mit einem Körbchen durch die Wälder und macht sich sein Pesto oder seinen Bärlauchbutter ganz einfach selbst.

Doch das gedankenlose Sammeln von Bärlauchblättern ist nicht ganz ungefährlich: Die Blätter sehen denen von Maiglöckchen und Herbstzeitlosen zum Verwechseln ähnlich. Und die sind giftig; der Verzehr von Blättern der Herbstzeitlosen kann sogar tödlich enden (siehe Box).

Herbstzeitlose und Maiglöckchen: Achrtung, giftig!

Die Blätter der giftigen Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen sehen ähnlich aus und wachsen auf gleichem Grund. Eine Vergiftung mit Maiglöckchen führt zu Durchfall, Erbrechen und Herzrhythmusstörungen. Die Vergiftung kann aber erfolgreich behandelt werden. Die in den Blättern der Herbstzeitlosen enthaltene Substanz Colchicin ist ein starkes Zellgift, das bei schwerer Vergiftung zum Multiorganversagen und nach 30 bis 48 Stunden zum Tod führen kann. Erste Anzeichen einer Vergiftung sind Kratzen und Brennen im Hals, gefolgt von Übelkeit, Erbrechen und schliesslich schwerem Durchfall mit hohem Flüssigkeitsverlust. Es gilt: Treten nach dem Verzehr von Bärlauchmahlzeiten irgendwelche Beschwerden auf, sollte man sofort zum Arzt gehen (Rüstabfälle mitbringen) oder sich beim Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum beraten lassen, Nummer 145. (frb/ksc)

Ein paar Blätter reichen

Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum in Zürich, kurz: Tox-Zentrum, macht regelmässig auf die Verwechslungsgefahr aufmerksam. «Pro Jahr registrieren wir schweizweit einen bis fünf Unfälle mit Herbstzeitlosen», sagt Hugo Kupferschmidt, Direktor des Tox-Zentrums. Für eine Vergiftung reichen laut Kupferschmidt ein paar Herbstzeitlosen-Blätter im Bärlauchsalat, für eine tödliche Vergiftung ein Büschel. Die Maiglöckchen hingegen würden kein grosses Problem darstellen.

Sich beim Bärlauchpflücken auf den typischen Knoblauchgeruch zu verlassen, hält Kupferschmidt für trügerisch. «Der Knoblauchgeruch kann sich auf die Herbstzeitlosenblätter übertragen, wenn alle Blätter gemeinsam gepflückt werden.» Um ganz sicherzugehen, rät er, sich auf die Beschaffenheit zu verlassen. «Die Bärlauchblätter sind gestielt, die Blätter der Herbstzeitlosen sind ungestielt.» Im Zweifelsfalle rät das Tox-Zentrum, die Blätter einer pflanzenkundigen Person zu zeigen.

Nichts abreissen

Zu den Risikogruppen gehören nicht nur erwachsene Sammler, sondern auch Kinder. Der Bärlauch ist deshalb auch Thema bei den Waldspielgruppen: «Wir zeigen den Kindern, was Bärlauch ist, und lassen sie an den Blättern riechen», sagt Renate Müller von der Waldspielgruppe des Dietiker Chrüzachers. Grundsätzlich gelte für die 3- bis 4-jährigen Kinder aber, dass im Wald nichts abgerissen oder gepflückt werden darf, was nicht gebraucht wird. «Wir handhaben es beim Bärlauch gleich wie bei den Pilzen: Es darf nur geschaut werden.» Wenn die Kinder etwas entdecken, rufen sie die Spielgruppenleiterinnen. Dann wird anhand von Bestimmungsbildern gezeigt, um welches Gewächs es sich handelt. Die Gefahr, dass die Kinder ein Bärlauchblatt mit demjenigen eines Maiglöckchens verwechseln würden, existiere laut Müller derzeit gar nicht: «Die Maiglöckchen kommen erst. Bis die Blätter genug gross sind, blüht der Bärlauch bereits.»

Andreas Wolf von der Dietiker Waldspielgruppe HaseNase startet mit seiner Gruppe erst im Mai. Doch auch bei ihm gilt: «Die Kinder dürfen nichts essen,
was sie im Wald finden.» Wenn jedoch Bärlauch gesammelt werde, dann nur an Stellen, wo ausschliesslich Bärlauch wachse. «Ich wurde in Botanik ausgebildet und weiss, wie sich Bärlauch von Maiglöckchen und Herbstzeitlosen unterscheidet.»

Ähnlich tönt es bei der Aescher Waldspielgruppe Fliegenpilz: «Wir haben die Regel, dass die Kinder im Wald nichts abreissen, probieren oder essen dürfen», sagt Leiterin Rahel Helfenberger. Sie zeige den Kindern den Bärlauch aber und lasse sie daran riechen. Ausserdem werde besprochen, dass man Bärlauch in der Küche verwenden kann. «Wir haben auch schon eine Bärlauchsuppe gekocht.»