Unterengstringen
Beim Pilotprojekt in der Bibliothek wird mit Erfolg gestrickt

«Inne stäche, umeschlah, durezieh und abelah» - konzentriert sitzen die neun Frauen im hinteren Teil der Bibliothek und stricken. Während die Besucherinnen in ihre Arbeit vertieft sind, liest Bibliotheksleiterin Karin Baeriswyl eine Geschichte vor.

Sandro Zimmerli
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Stricken in der Bibliothek in Unterengstringen
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Letzten Frühling wurde in der Bibliothek auch schon eine Modenschau durchgeführt
Eine Besucherin hat eine selber gemachte Roulade mitgebracht
Heidi Ripsstein, Erika Schlatter, Gaby Egli und Leiterin Karin Baeriswyl bilden das Team der Bibliothek Unterengstringen

Stricken in der Bibliothek in Unterengstringen

Sandro Zimmerli

Sie handelt von Rodolphe Lindt, dem Gründer der gleichnamigen Chocoladenmanufaktur. Niedergeschrieben hat sie der Autor Alex Capus in seinem Werk «Patriarchen. Zehn Portraits». Die Frauen lauschen der Geschichte aufmerksam, ohne aber ihre Strickerei zu vernachlässigen. Zwischendurch tauschen sie Tipps aus. Immer wieder wird gelacht. Die Stimmung ist heiter.

Das ist ganz im Sinn von Baeriswyl, die zusammen mit ihrem Team den Stricknachmittag auf dieses Jahr hin ins Leben gerufen hat. «Am Stricknachmittag steht die Geselligkeit im Vordergrund», so Baeriswyl. Das gemütliche Zusammensein ist denn auch der Hauptgrund für das Kommen. «Ich finde es eine gute Idee, mit anderen zusammenzusitzen, zu plaudern und zu stricken», sagt eine Teilnehmerin. Ihre Kollegin pflichtet ihr bei und ergänzt: «Für mich ist es wichtig, die Kontakte im Dorf zu pflegen.»

Längere Öffnungszeiten

Die Kontaktpflege ist eines der wichtigsten Ziele im Rahmen des Pilotprojektes «Treffpunkt Bibliothek». Mit dessen Start am 1. Januar wurden die Öffnungszeiten der Bibliothek massiv erweitert. Seither ist sie von Montag bis Freitag jeweils von 13.30 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Das macht wöchentlich 30,5 Stunden. Bislang war es den Besuchern 13 Stunden pro Woche möglich, Bücher auszuleihen. Sinn und Zweck des Projektes ist es, einen Treffpunkt für die Gemeinde zu schaffen. Nach zwei Jahren wird es evaluiert und über dessen Weiterführung befunden.

«Wir sind mit dem Start sehr zufrieden», sagt Baeriswyl. Obschon noch keine Auswertungen vorlägen, könne jetzt schon gesagt werden, dass sowohl die Besucherzahlen als auch die Ausleihen angestiegen seien. «Die neuen Öffnungszeiten haben sich bereits weit herum gesprochen und werden von den Besuchern geschätzt», so Baeriswyl.

Zufrieden ist man in der Bibliothek auch mit dem Start der neu geschaffenen Angebotsreihen. Neben dem Stricknachmittag wird jeden dritten Mittwoch im Monat ein Spielnachmittag für Leute ab 60 Jahren durchgeführt. Jeden Samstag wird Zopf zum Kaffee angeboten. «Wie beim Stricknachmittag ist auch beim Spielnachmittag keine Anmeldung nötig. Bei der ersten Durchführung sind 14 Personen gekommen», sagt Baeriswyl.

Mittlerweile ist die Geschichte von Rodolphe Lindt zu Ende erzählt. In der Bibliothek wird jetzt Kaffee aufgetischt. Eine Besucherin hat eine selber gemachte Roulade mitgebracht.