Oberengstringen
Beim Freiluftkonzert auf dem Ankenhof trifft Tradition auf Tradition

Auf dem "Ankehof" findet jedes Jahr die Ankenhofserenade statt. Dieses Jahr liess das Barockorchester «Capriccio» Instrumente aus dem Barockzeitalter erklingen.

Sina Albisetti (text und Foto)
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Im Orchester Capriccio spielen Musikerinnen und Musiker aus aller Welt, die auf Alte Musik spezialisiert sind.

Im Orchester Capriccio spielen Musikerinnen und Musiker aus aller Welt, die auf Alte Musik spezialisiert sind.

Das Orchester «Capriccio» ist in doppelter Hinsicht eine bemerkenswerte Formation. Sie besteht aus zehn Musikern aus den verschiedensten Ländern. Speziell daran ist, dass sämtliche Instrumente aus dem Barockzeitalter stammen. Da passte es gut, dass das Orchester auf dem Ankenhof auftreten durfte. Denn die Ankenhofserenade ist eine Oberrengstringer Institution. Bereits seit 1978 gewährt die Familie Leuzinger Musikorchestern und Klassikliebhabern Gastrecht auf ihrem Hof.

Geschichtsträchtige Instrumente

Dieses Jahr waren es nun barocke Klänge aus barocken Instrumenten. So musiziert der Schwede Frans Berglund nicht auf einer alltäglichen Trompete, sondern auf einer Naturtrompete ohne Ventile. Und auch die tiefen Töne kommen beim Capriccio Orchester nicht von einem regulären Kontrabass, sondern von einem Violone. Der New Yorker Violone Spieler des Capriccio Orchesters ist stolzer Besitzer eines Originals aus der Habsburgerzeit. Zumindest erzählte er dies dem Publikum der diesjährigen Ankenhofserenade mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Auf einem Original Instrument des Barockzeitalters noch heute spielen zu können, wäre eine Sensation. Zumal diese von sehr hohem Wert sind und speziell die Blasinstrumente keineswegs mehr spielbar wären. Deshalb sind sowohl die Barock-Oboe, die Naturtrompete als auch das Fagott des Orchesters Nachbauten.

Traditionsgetreu spielen die Streichmusikanten des Capriccio Orchesters auf Darmsaiten, was unter freiem Himmel gar nicht mal so einfach ist. Weil es tagsüber viel geregnet hatte, lag viel Feuchtigkeit in der Luft, woraufhin sich die Saiten verstimmten. Doch für das Barockorchester war das kein Problem. Nach einer kurzen Pause legten sie gleich wieder mit dem – lange Zeit verschollenen – Stück Suite von Georg Philipp Telemann los. Mit diesem Wechselspiel aus Melancholie und frecher Unbeschwertheit zogen sie die Zuhörerschaft endgültig in ihren Bann. Der Höngger Heinz Grob war begeistert: «Die Kulisse, die Musikstücke und diese antiken Instrumente versetzen mich sofort in die Welt der alten, schönen Filme.»

Trotzdem: Konzert im Grünen

Unterstrichen wurden die frohgemuten klassischen Klänge durch den Weitblick ins grüne Limmattal. In der Abendsonne erstrahlte das frühsommerliche Grün in all seiner Pracht. Simone Rütimann, Präsidentin der Kulturkommission Oberengstringen, hat den Entscheid, die Serenade trotz trüber Aussichten draussen stattfinden zu lassen, nicht bereut.

Auch wenn es bis zum frühen Nachmittag noch im Strömen geregnet hatte, gab sie dem Ankenhof grünes Licht. Und siehe da: Pünktlich zu den Konzertvorbereitungen kam die Sonne zum Vorschein. «Was wäre denn eine Ankenhofserenade, ohne dass sie auf dem Ankenhof stattfindet», sagte Rütimann zum geglückten Freiluftkonzert.