Oberengstringen
Beide Kandidierende verpassen die Wahl knapp

Bei der Präsidiumswahl liegt Käthi Mühlemann (SP) 14 Stimmen vorAndré Bender (SVP). Der 2. Wahlgang findet am 23. Oktober statt.

Jürg Krebs
Merken
Drucken
Teilen
Wollen den Anstrengungen zum Trotz weiterkämpfen – Käthi Mühlemann und André Bender am Wahlapéro. jk

Wollen den Anstrengungen zum Trotz weiterkämpfen – Käthi Mühlemann und André Bender am Wahlapéro. jk

Limmattaler Zeitung

Die Ersatzwahl fürs Oberengstringer Gemeindepräsidium lieferte ein knappes Resultat. So knapp, dass Interimsgemeindepräsident René Beck (CVP) nochmals nachzählen liess. Das Resultat jedoch blieb dasselbe: Kandidatin Käthi Mühlemann (SP) liegt mit 560 Stimmen nur 14 Stimmen vor Mitbewerber André Bender (SVP), der 546 Stimmen erhalten hat. Das absolute Mehr lag bei 570 Stimmen.

Sowohl Käthi Mühlemann wie André Bender erklärten auf Anfrage, zu einem zweiten Wahlgang antreten zu wollen. Dieser wird gemäss Beck voraussichtlich am 23.Oktober 2011, dem Tag der National- und Ständeratswahlen, stattfinden. Entscheiden wird dies der Gemeinderat an seiner heutigen Sitzung.

Ein besonderer Wahlkampf

Verschiedene Umstände hatten den Wahlkampf zu einem besonderen gemacht. Begonnen hatte die Geschichte mit dem sofortigen Rücktritt von Gemeindepräsident Reto Cavegn (FDP) im vergangenen März. Offenbar war es innerhalb des Gemeinderats zu so grossen Differenzen gekommen, dass er als einzigen Ausweg seine Demission sah. Mit Käthi Mühlemann und André Bender bewarben sich daraufhin zwei Gemeinderatsmitglieder. Die FDP verweigerte der SVP ungewöhnlicherweise die Unterstützung für deren Kandidaten André Bender und beschloss Stimmfreigabe. Als sich Interimsgemeindepräsident René Beck mit seiner Wahlempfehlung für Käthi Mühlemann auch noch aktiv in den Wahlkampf einmischte, war die Saat für einen harten Wahlkampf gelegt.

Geprägt wurde dieser von René Beck und André Bender. René Beck warf André Bender vor, dieser verschaffe sich als Mitglied des Gewerbevereins über dessen Ortsblatt «Kurier» einen Wettbewerbsvorteil. Bender hingegen warf Beck vor, als Gemeindepräsident ad interim ungebührlich in den Wahlkampf einzugreifen.

Der Streit warf im Vorfeld der Wahl die Frage auf, wer am meisten davon profitieren würde. Würde Käthi Mühlemann die lachende Dritte werden?

Ein Streit mit Nachteilen

Das Resultat zeigt: Käthi Mühlemann erhielt Stimmen bis weit ins bürgerliche Lager hinein. Die Kandidatin wertet dies als «extremen Vertrauensbeweis». Es sei in Oberengstringen schwierig als Frau und erst noch Sozialdemokratin zu punkten. Als Profiteurin des Streites zwischen ihren Gemeinderatskollegen will sie sich nicht sehen. Er habe sie Stimmen gekostet, weil es Wähler gegeben habe, die befürchteten, sie sei von René Beck «ferngesteuert».

André Bender hingegen glaubt, dass ihm der Streit geschadet habe. Die Stimmfreigabe der FDP habe ein Übriges dazu beigetragen, dass er als SVP-Kandidat im bürgerlichen Oberengstringen hinter einer Sozialdemokratin zurückliegt. Dass es knapp wird, hat er deshalb vermutet. Bender: «In diesem Wahlkampf zählt jede Stimme.»