In Schlieren hat die AXA Winterthur ein Bauprojekt nach dem Abschluss des Architekturwettbewerbs abgebrochen. Ein Grund dafür war offenbar, dass es in Schlieren immer länger dauert, bis fertiggestellte Wohnungen an Mieter vermittelt werden können. Stimmt diese Einschätzung?

Robert Weinert: Es ist eine Frage des Preissegments. Im Limmattal, wie auch in Zürich, ist die Nachfrage nach Wohnungen mit Mieten von über 4'000 Franken rückläufig. Bei günstigeren Wohnungen betrug die Insertionszeit, also die Zeit von der Ausschreibung einer Wohnung bis zu ihrer Vermietung, in Schlieren und Dietikon vergangenes Jahr im Mittel knapp 30 Tage. Das ist schweizerischer Durchschnitt.

Das schliesst aber nicht aus, dass gegenwärtig eine Trendwende von einem Nachfrageüberschuss zu einem Überangebot stattfindet.

Ausschliessen kann man es nicht. Die Zahlenreihen seit 2005 zeigen für das Limmattal zwar ebenfalls Insertionszeiten von knapp 30 Tagen. Die zukünftige Entwicklung hängt aber auch davon ab, wie viele zusätzliche Wohnungen im Limmattal jetzt noch in der Pipeline sind.

Das heisst, Sie teilen die Einschätzung des Investors, dass es richtig war, das Projekt abzubrechen?

Dazu habe ich zu wenig Kenntnisse über das Projekt. Es ist eine Frage des Risikoermessens des Investors. Grundsätzlich herrscht derzeit im Immobilienmarkt ein Anlagenotstand. Das heisst, dass institutionelle Anleger vielerorts nach attraktiven Immobilienobjekten suchen. Es muss also gute Gründe gegeben haben, das Vorhaben fallen zu lassen.

Die Investoren in Schlieren West sind gemäss Gestaltungsplan je nach Baufeld gezwungen, einen Anteil an Gewerbenutzungen zu bauen. Diese befinden sich meist im Erdgeschoss. Sind solche Nutzungen aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll?

Das hängt vom Siedlungskonzept ab. Eine adäquate Gewerbenutzung im Erdgeschoss von Wohngebäuden hat oft einen belebenden Effekt auf die gesamte Siedlung. Derzeit ist in Schlieren und Dietikon aber ein Überangebot an Geschäfts- und Gewerbeflächen vorhanden.

Und wie können Immobilienbesitzer sinnvoll damit umgehen, wenn sie dazu verpflichtet sind, solche Flächen in ihren Gebäuden anzubieten?

Wichtig ist, dass man langfristig flexibel bleibt. Solange eine Siedlung etwa noch nicht voll ausgelastet ist, wird zum Beispiel ein belebendes Restaurant noch nicht funktionieren. Daher wären dann Kleingewerbe- und Ateliernutzungen eher sinnvoll. Jedoch ist bei solchen Flächen von häufigeren Leerständen und Mieterwechseln auszugehen.

Robert Weinert ist Projektleiter Immo-Monitoring beim Immobilienberatungsunternehmen Wüest & Partner.