Vera Wenkert hat in über 30 Hauptrollen auf Opernbühnen gesungen. Zuletzt sang sie in New York die Isolde aus Richard Wagners «Tristan und Isolde», welche als die längste und schwerste Sopran-Partie in der Opernliteratur gilt. Seit 2012 unterrichtet die Sopranistin an ihrem internationalen Institut Stimmkunst in Oberengstringen aufstrebende Sängerinnen und Sänger, die aus allen Ecken der Welt nach Oberengstringen zu ihr in den Unterricht pilgern. Wenkert gilt in Fachkreisen als Geheimtipp und sogar als «Dalai Lama of the Voice».

Damit ihre neun Schützlinge zusammen auftreten können, organisiert Wenkert am 10. Juni zum dritten Mal ein Konzert in der Reformierten Kirche Oberengstringen. Beim Konzert singen und spielen ihre Studierenden, die aus den USA, Australien und Europa anreisen, Szenen aus bekannten Opern und Operetten wie etwa Puccinis «La Bohème» oder Mozarts «Zauberflöte», aber auch Stücke aus Musicals wie «Cats» oder «My fair Lady».

Den schwierigsten Part am bevorstehenden Konzert wird Charlotte Whittle aus Schottland interpretieren: Es ist die Amelia aus Verdis «Maskenball», die einen Konflikt zwischen Kopf und Herz austrägt, weil sie sich in den besten Freund ihres Ehemannes, dem König, verliebt hat. «Ich bin Vera Wenkert unendlich dankbar. Meine Stimme war in einem desolaten Zustand, bis ich sie traf und wir meine Sänger-Persönlichkeit entdeckten», so Whittle, die neben Face-to-Face-Lektionen auch über Skype mit ihrer Mentorin in Kontakt bleibt.

Impressionen aus den Proben fuers Konzert des internationalen Stimmkunst Instituts von Vera Wenkert

Impressionen aus den Proben fürs Konzert des internationalen Stimmkunst Instituts von Vera Wenkert.

Achtsame Persönlichkeiten

Es herrschte Zickenkrieg im Oberengstringer Allmend-Singsaal, als die Studierenden diese Woche fürs Konzert probten – zumindest auf der Bühne. Die drei Sängerinnen Anna Maske, Kathrin Bucher und Regina Meyer spielten die Damen der «Königin der Nacht» aus Mozarts «Zauberflöte», die um ihren Traummann Tamino buhlten. Doch die Szene sass noch nicht. «Da liegt euer absoluter Traummann auf dem Boden, aber so wie ihr es darstellt, spüre ich den Zickenkrieg noch nicht genug», griff Wenkert ein. Divengehabe dürfe aber nur auf der Bühne herrschen, abseits trainiere sie ihre Schützlinge zu verantwortungsbewussten und achtsamen Künstlerpersönlichkeiten, so Wenkert.

Diese Haltung der Institutsleiterin schafft eine gute Lernatmosphäre. «Einige Stimmkunst-Studierenden sind zu engen Freunden von mir geworden. Wir haben fast täglichen Kontakt über Whatsapp», schwärmte Louise Martyn aus Irland, die im Herbst am Schweizer Opernstudio in Biel studieren wird. Der Australier und gebürtige Libanese Bader Hamwi war auch voll des Lobes: «Wir sind eine Art Familie. Wir ermutigen uns gegenseitig und haben viel Spass.»

Zwischen den Augen singen

Neben dem menschlichen Aspekt vermittelt Wenkert aber auch die alte, schwedisch-italienische Gesangstechnik, die früher von Operngrössen angewendet wurden. Da ein Sänger sich selbst nicht so hören kann, wie dies seine Umwelt tut, wird er nicht nach dem Hören, sondern nach dem Fühlen und körperlichen Wahrnehmen beim Singen geschult. Bei Sätzen wie «Hier müssen sich deine Bauchmuskeln wie Wellen bewegen» oder «Singe den Ton mehr zwischen den Augen» wissen ihre Studierende, was gemeint ist.