Dietikon

Bei Richter eingebrochen: Jetzt wird sein Prozess ausgelagert

Am Sonntag, 22. Juni 2014, verhaftete die Spezial-Einsatzgruppe Diamant der Kantonspolizei den landesweit gesuchten Serben in Uster. Seit diesem Tag um 10.15 Uhr ist er inhaftiert.

Über den Serien-Einbrecher, der mehrfach im Limmattal seine Spuren hinterliess, wird das Bezirksgericht Zürich urteilen.

«Das beim Bezirksgericht Dietikon eröffnete Strafverfahren gegen den Beschuldigten wird dem Bezirksgericht Zürich zur Behandlung überwiesen», hat die Verwaltungskommission des kantonalen Obergerichts beschlossen. Sie fungiert als Aufsichtsbehörde über die Bezirksgerichte. Mit ihrem Beschluss ist nun klar, welches Gericht einem der meistgesuchten Serien-Einbrecher den Prozess machen wird. Der heute 48-jährige Serbe verübte bis zu seiner Verhaftung mehrere hundert Einbrüche: 426 wurden ihm zur Last gelegt, davon gab er 301 zu. Diese fanden Eingang in die 364-seitige Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, die vom 22. Januar 2019 datiert.

Einer der darin verzeichneten Fälle betrifft den Limmattaler Gerichtspräsidenten Stephan Aeschbacher. Darum wollte das Bezirksgericht Dietikon den Fall nicht übernehmen. Denn Aeschbacher darf nicht Richter und Kläger zugleich sein. Da die anderen Dietiker Richter Aeschbachers Aufsicht unterstehen, bestünde auch bei ihnen Befangenheitsgefahr. Darum hatte das Bezirksgericht Dietikon den Fall schnell – am 1. Februar 2019 – an die Verwaltungskommission des Obergerichts überwiesen.

Dieses hat nun die vom Bezirksgericht Dietikon angeführten Ausstandsgründe bestätigt: «Aufgrund der dem Gerichtspräsidenten eingeräumten Leitungs- und Überwachungspflichten erscheint es nicht als angebracht, die Richterinnen und Richter ein Verfahren behandeln zu lassen, in welchem der Bezirksgerichtspräsident als Privatkläger auftritt.» Denn gegen aussen könnte dadurch der Eindruck erweckt werden, die Richterinnen und Richter seien nicht ausreichend unabhängig. Gleiches gelte für die Ersatzmitglieder des Bezirksgerichts, heisst es im fünfseitigen Beschluss der Kommission des Obergerichts vom 24. April 2019. Weder aus Sicht der Verfahrensbeteiligten noch aus Sicht der Öffentlichkeit erscheine es als angebracht, dass Dietikon den Fall behandelt. «Demzufolge ist der Strafprozess dem Bezirksgericht Zürich zur weiteren Behandlung zu überweisen.»

Gemäss Informationen der Limmattaler Zeitung hat das Bezirksgericht Zürich den Prozess bereits terminiert: auf den Mittwoch, 25. September 2019, um 8.15 Uhr. Wenn der Beschuldigte dann aus dem Regensdorfer Gefängnis Pöschwies nach Zürich gebracht wird, ist er bereits 1921 Tage in Haft.

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis fordert elf Jahre Freiheitsstrafe für den Serben. Verhaftet hatte ihn die Spezial-Einsatzgruppe Diamant der Kantonspolizei am 22. Juni 2014 in Uster, wo er sich bei einem Landsmann versteckte. «Einer der meistgesuchten Serien-Einbrecher verhaftet», hiess der Titel des Communiqués, mit dem die Kantonspolizei über die Verhaftung informierte. Verteidigt wird der Profi-Gauner von Ivo Harb vom Büro Landmann.

Die Beute ist rund 3,5 Millionen Franken wert. Der Beschuldigte verübte die Einbrüche im Akkord. Im April 2004 zum Beispiel nahm er innert zwei Tagen ein Dutzend Häuser in Geroldswil ins Visier. Um sich Zugriff in die fremden Häuser zu verschaffen, bohrte er oft ein Loch in ein Fenster, um dieses zu öffnen.

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