Von den Meldungen über das Flüchtlingsdrama in Osteuropa ergriffen, starten im Herbst 2015 immer mehr Leute private Hilfsaktionen und bringen Hilfsgüter an die Ballungsorte entlang der Flüchtlingsroute.

Auch zwei Kolleginnen des Birmensdorfers Fabian Dingetschweiler planen eine Fahrt nach Ungarn. Als der Landschaftsgärtner den alten VW-Bus sieht, mit dem zwei seiner Kolleginnen die abenteuerliche Reise antreten wollen, wird ihm mulmig zumute. Da er selber berufsbedingt einen Pick-up fährt, beschliesst er kurzerhand, den Hilfstransport zu begleiten.

«Die Idee war, nach Röszke an die serbisch-ungarische Grenze zu fahren und dort die Sachspenden abzugeben», sagt der 31-Jährige. Als die Truppe ankam, war jedoch gar niemand dort, der ihr Material hätte in Empfang nehmen können.

Anpacken statt abliefern

Dingetschweiler und seine Freunde waren zum Glück nicht die einzigen, die sich aus Westeuropa nach Ungarn aufgemacht hatten. «Gleichzeitig mit uns waren mehrere Gruppen privater Helfer in Röske angekommen. Wir haben uns sehr schnell untereinander organisiert, konnten die mitgebrachten Zelte einrichten und das Verteilen der Güter koordinieren», erzählt Dingetschweiler. Die Absprachen und Aufgabenverteilung unter den privaten Helfern seien unkompliziert und reibungslos abgelaufen.

Zurück in der Schweiz steht Dingetschweilers Entschluss fest, dass er abermals nach Osteuropa reisen wird. Die Grenze zu Ungarn wird Tage darauf geschlossen und die Flüchtenden weichen nach Kroatien aus. So reist der Birmensdorfer nach einer Woche in der Schweiz mit fünf Freunden ins kroatische Opatovac an der serbischen Grenze, wohin er nebst Kleidern und Hygieneartikeln auch zwei Campingkocher transportiert.

Die sechs haben vor, für die Menschen vor Ort zu kochen.fer keine Aktivitäten ausführen, weshalb wir uns auf einer Wiese nebenan niederliessen und begannen, auf unseren Gasbrennern Reis mit Gemüse zu kochen», erzählt Dingetschweiler seine ersten Kochversuche. Die Flüchtlinge helfen sofort bei der Instandsetzung der improvisierten Küche und der Essensverteilung. Jeden Tag kommen mehr Helfer an und bald können sie sich beim Kochen abwechseln.

Erste Hindernisse

Nicht von allen Anwesenden wurden die privaten Helfer willkommen geheissen. «Das kroatische Rote Kreuz verbot uns bald einmal, für die Flüchtlinge warmes Essen zuzubereiten», erzählt Dingetschweiler. Als Begründung gaben sie an, dass warmes Essen den gebeutelten Mägen der Menschen schaden würde. Ausserdem würden die Hygienebedingungen der Kochgelegenheiten nicht den Anforderungen entsprechen. «Als wahren Grund für das Verbot vermuteten wir, dass der Staat es den Flüchtlingen etwas unbequem machen wollte», sagt Dingetschweiler.

Das hält die Helfersgruppe aber nicht davon ab, ihren darauffolgenden Einsatz in Kroatien mit einer professionellen Feldküche anzutreten. Gespendet wird sie vom Wettswiler Restaurant Hirschen. «Damit die Leute etwas Warmes im Magen hatten, habe ich eine dicke Suppe mit Gemüse und Kartoffeln gekocht, die ich dann einfach in Sandwiches geschmiert habe», erklärt der Helfer.

Zur Weiterführung der Hilfsaktivitäten gründen Dingetschweiler und seine Helfergruppe ihren Verein «www.1-love.ch», und beginnen, Spenden zu sammeln.

Zwischen den Balkanreisen weilt der Gartenunternehmer jeweils nur eine Woche in der Schweiz, um Kundenbesuche, Administratives und die Arbeitseinteilung der Angestellten zu erledigen. Als Flüchtlingskoch kürzertreten möchte er deshalb nicht, im Gegenteil. Er plant für nächstes Jahr bereits einen längeren Einsatz in Griechenland. «Uns geht es nicht nur um die Flüchtlingshilfe im Balkan, sondern darum, dass die Leute einander gegenseitig unterstützen», betont der Birmensdorfer.

An diesem Wochenende finden in Wettswil Benefizveranstaltungen statt, bei welchen die Besucher erleben können, wie in den Flüchtlingscamps gekocht wird und auf welche Herausforderungen Flüchtlingshelfer treffen. Der Erlös kommt dem Verein One Love zugute.

Benefizveranstaltungen in der Baumschule Dingetschweiler, Wettswil, Sa und So. jeweils von 10 bis 17 Uhr.