Mein Ding
Bei Langweile hilft «Fangis»

In der Rubrik «Mein Ding» stellen Limmattaler ihre Leidenschaft vor. So auch Ismi Moro, die das Eltern-Kind-Turnen leitet.

Christian Tschümperlin
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Manchmal ist die Turnhalle ein Dschungel: Turnleiterin Ismi Moro.

Manchmal ist die Turnhalle ein Dschungel: Turnleiterin Ismi Moro.

Christian Tschümperlin

Sie klettern, purzeln, kriechen und hängen an den Ringen – 20 Kleinkinder zwischen zweieinhalb und fünf, tatkräftig unterstützt von ihren Eltern. Mittendrin: Ismi Moro, 31, selber Mutter. Jeden zweiten Montag steht sie für zwei Lektionen in der Turnhalle Huebwies in Geroldswil. Dort leitet sie das Eltern-Kind-Turnen, auch «Elki» genannt.

«Ich überlege mir für jede Stunde ein anderes Thema», sagt Moro. «Dazu muss man kreativ sein. Heute steht alles unter dem Motto ‹Dschungel›». An der Sprossenwand lernen die Kinder zu Klettern wie die Affen, unter der Matte sollen sie kriechen wie die Schlangen, sie gehen auf Elefantenfüssen oder überqueren auf dem Bänkli zwischen den beiden Kasten eine Brücke, während im Fluss darunter die Krokodile warten. «Es geht darum, die Fantasie der Kinder anzuregen», sagt Moro. Diese toben sich derweil begeistert in der Turnhalle aus, sie wirken aufgeweckt und keinesfalls schüchtern. «Die Kinder waren schon mehrmals hier und wissen bereits, was auf sie zukommt. Darum sind sie so aufgeweckt», sagt Moro.

Kinder werden ganz still

Um den Hals gehängt trägt Moro eine Mundharmonika, die als Trillerpfeife fungieren soll. Wenn sie in die Mundharmonika hineinblase, dann werde es mucksmäuschenstill, sagt sie. «Ich bin aber nicht so streng. Die Kinder sollen gerne kommen.» Zur Motivation seien ja auch noch die Mütter da. Als Leiterin behält Moro den Überblick. Wenn sie sieht, dass viele Kinder nicht mehr aktiv sind, wechselt sie das Spiel. «Kindern wird es schnell langweilig», sagt sie. Am besten könnten sie dann mit «Fangis» abgeholt werden. Beim «Schlangen-Fangis», welches kurz vorher auf dem Programm stand, fassen sich zwei Kinder an den Händen, während die anderen als Vögel flügelschlagend umherrennen. Sobald das Paar einen Vogel einfängt, muss sich der Vogel dem Pärchen anschliessen. So entsteht mit der Zeit eine Schlange. Weil die Altersunterschiede gross seien, komme es manchmal vor, dass die älteren Kinder die jüngeren überrennen, sagt Moro.

Als wollten die Kinder dies bestätigen, gibt es kurz darauf Tränen. Die jüngeren Kinder seien noch langsamer im Verstehen, sagt Moro. «Sinn und Zweck des Elki-Turnens ist es, dass sich die Kinder motorisch und sozial weiterentwickeln und dass sie lernen, sich zu orientieren. Und natürlich sollen sie Freude am Turnen entwickeln.» 80 Prozent der Kinder wechseln im Kindergartenalter ins Kinderturnen.

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Moro ist selber eine begeisterte Turnerin. Als Jugendliche spielte sie Volleyball, heute ist sie in der Damenriege aktiv. Auch ihre beiden Töchtern animierte sie früh zum Turnen und nahm als Mutter selbst am Elki-Turnen teil. Als ihre Töchter in den Kindergarten kamen und sie selber wieder mehr Zeit hatte, wurde sie von der Elki-Leiterin Melanie Brandt gefragt, ob sie abwechslungsweise mit ihr das Turnen leiten wolle. Sie sagte zu. Ausbilden liess sie sich an drei Wochenenden vom Schweizerischen Turnverband.

Moro, die schon immer eine soziale Ader hatte, arbeitet zudem zu 40 Prozent als Pflegerin. Die beiden Bereiche seien sich nicht unähnlich, sagt sie: «Als ich Praktikantin war, haben wir mit den Dementen manchmal ähnliche Ballspiele am Tisch gespielt wie mit den Kindern.»

Die Elki-Turnstunde endet, wie sie beginnt: Mit einem Kreis, in dem die Kinder ein Lied singen. «Für Kinder sind solche Rituale besonders wichtig», sagt Moro. «Sie wollen immer und immer wieder dasselbe tun. Das hält sie stabil.» Und so singen die Kinder wie immer zum Abschied: «Alli mitenand, jetzt gömmer usenand, lässig hemmers gha, bald simmer wieder da».