Geroldswil
Bei der Wanderung der Amphibien retten Zäune den Fröschen das Leben

Trotz warmem Wetter sind erst wenige Amphibien unterwegs zu den Laichgewässern. Seit drei Jahren engagiert sich die Gemeinde Geroldswil für die Frösche und co. Unter anderem mit einem Froschzaun, der die Frösche von der Strasse abhaltet.

Franziska WAgner
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Dieses Jahr helfen drei Geroldswiler aus Verantwortungsgefühl und aus Liebe zu den empfindlichen Tieren beim Projekt «Amphibienwanderung».

Dieses Jahr helfen drei Geroldswiler aus Verantwortungsgefühl und aus Liebe zu den empfindlichen Tieren beim Projekt «Amphibienwanderung».

Keystone

Der blaue Plastikeimer am Froschzaun an der Haslernstrasse ist bis auf ein paar Blätter und Käfer leer. Auch dieses Mal ist weder ein Grasfrosch noch ein Bergmolch oder gar eine Erdkröte in den Sammelkübel geplumpst.

Seit drei Jahren engagiert sich die Gemeinde Geroldswil für die Amphibien, die im Frühjahr aus dem Wald zu ihren Laichgewässern wandern. Bevor es zu Beginn des Frühjahrs wärmer wird, stellt der Werkhof am Waldrand einen Froschzaun auf. Dieser soll die Tiere daran hindern, auf die Strasse zu hüpfen. Im Boden werden Sammeleimer versenkt, in die Tiere, die am Zaun entlang wandern, hineinfallen.

Zweimal täglich kommen Freiwillige vorbei, die die Tiere zum nächsten Teich transportieren. Dieses Jahr helfen drei Geroldswiler aus Verantwortungsgefühl und aus Liebe zu den empfindlichen Tieren beim Projekt «Amphibienwanderung» mit. «Schon früher habe ich mich für den Schutz von Igeln und Fledermäusen eingesetzt. Nun kommen noch die Frösche hinzu», erzählt eine der Helferinnen und lacht.

Heuer lässt die grosse Froschwanderung jedoch noch auf sich warten: Erst rund zwanzig Tiere wurden dieses Frühjahr auf ihrem Weg zu den Laichgewässern eingesammelt. Und das, obwohl die Wandersaison für die Amphibien schon vor über einer Woche begonnen hat. Das seien vergleichsweise wenig Tiere, sagt Gaston-Denis Guex, Biologe am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich auf Anfrage.

Amphibien leben gefährlich

Ursache dafür sei unter anderem das milde Wetter, welches seit Wochen die Schweiz beherrscht. Die Tage seien schon angenehm warm, das signalisiere den Amphibien fast zwei Wochen früher als gewöhnlich, aus der Winterstarre zu erwachen und die Laichgewässer zu bevölkern.

Aber nachts sei es noch zu kalt für die Froschwanderung. Die Trockenheit mache den Fröschen, Kröten und Molchen, die laues, nasses Frühlingswetter für ihre Wanderung bevorzugen, ebenfalls zu schaffen. «Wir haben schon erlebt, dass Tiere unterwegs plötzlich erfroren oder vertrocknet sind», sagt Guex.

Es könne nur spekuliert werden, inwiefern Wetter oder Klimawandel die Amphibien in ihren Lebensgewohnheiten stören. Eins stehe jedoch fest: Die Menschen bedrohen die sensiblen Tiere ungleich stärker.

Pro Natura Schweiz nennt als die vier hauptsächlichen Bedrohungen für Amphibien Verlust der Lebensräume, insbesondere der Laichgewässer, der Strassenverkehr, Pestizide im Kulturland und Chytridiomykose, eine Pilzkrankheit, die ihre empfindliche Haut befällt. Selbst die Freiwilligen, die zum Schutz der Tiere extra Froschzäune aufziehen und zweimal täglich die bereitgestellten Kessel auf Tiere kontrollieren, können Schaden anrichten.

Beim Transport gelte deshalb besondere Vorsicht. «Zunächst einmal ist es wichtig, immer Handschuhe zu tragen. Denn Cremes und Parfüms sind für die Amphibien mindestens so gefährlich wie deren giftige Sekrete für die menschliche Haut», erklärt Harald Cigler, Naturschutzbeauftragter des Kantons Zürich und Berater Amphibienschutz.

Zudem sollten Kröten und Frösche getrennt in handelsüblichen Styroporboxen transportiert werden. Wenn diese zusätzlich mit gewaschenem Schaumgummi ausgekleidet sind, der feucht gehalten wird, können sich die Amphibien verkriechen. Das reduziere den Stress für die Tiere erheblich.

Reinigen solle man Kübel und Boxen nur mit heissem Wasser, da Seifenrückstände den Tieren schaden. Es empfehle sich zudem, Hölzchen in die Sammelkübel zu stellen, damit Mäuse wieder herausklettern können. Kranke oder tote Tiere sollten im Zweifelsfall immer ins Tierspital gebracht werden. Dort werde die Ursache für Krämpfe, Geschwüre und andere Symptome untersucht und statistisch erfasst.

Je nach Wetter und Anzahl Tiere, die unterwegs sind, läuft das Geroldswiler Projekt «Amphibienwanderung» noch etwa einen Monat weiter. Die Helfer hoffen nun auf mildes, feuchtes Frühlingswetter, damit die Tiere sich endlich richtig auf Wanderschaft machen. Autofahrer sollten in den nächsten Wochen besonders wachsam sein.

Mehr Informationen zu Amphibien und Möglichkeiten zur Mithilfe unter www.pronatura.ch/amphibienwanderung