Urdorf

Bei der Einheitsgemeinde gehen die Meinungen auseinander

Die Diskussion um die Einheitsgemeinde sorgt für Kontroversen (Archivbild)

Die Diskussion um die Einheitsgemeinde sorgt für Kontroversen (Archivbild)

Mit dem Gossauer Gemeindepräsidenten Jörg Kündig und seinem Oberengstringer Amtskollegen André Bender äussern sich ein Befürworter und ein Kritiker an einer Podiumsdiskussion – die Konstellation ist speziell

Es ist lange her, dass in Urdorf ein Thema so kontrovers wie die Einheitsgemeinde diskutiert wurde. Dabei befinden die Stimmberechtigten am 8. März noch gar nicht darüber, ob sich die politische Gemeinde und die Schulgemeinde vereinigen sollen. Es wird erst darüber entschieden, ob eine Initiative, welche die Bildung einer Einheitsgemeinde verlangt, für erheblich erklärt wird.

Bei der Entscheidungsfindung helfen sollte ein von der SVP, der FDP und der CVP organisiertes Podium unter der Leitung von Jürg Krebs, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung. Dieses wartete mit einer durchaus interessanten Konstellation auf. Zum einen war da Jörg Kündig (FDP), Gemeindepräsident von Gossau, Kantonsrat und Präsident des Gemeindepräsidentenverbands des Kantons Zürich. Er ist ein Befürworter der Einheitsgemeinde. Trotzdem ist sie in Gossau noch nicht realisiert, weil die Stimmberechtigten 2009 eine entsprechende Vorlage ablehnten. Zum anderen nahm André Bender (SVP), Gemeindepräsident von Oberengstringen, auf dem Podium Platz. In seiner Gemeinde ist die Einheitsgemeinde seit 2006 Realität. Dennoch ist er ihr gegenüber äusserst kritisch eingestellt.

«Es ist nicht so, dass ich die Einheitsgemeinde nicht mehr will», erklärte Bender. Der Mehrwert bewege sich jedoch nicht in dem Rahmen, der den Leuten im Vorfeld der Abstimmung versprochen worden sei. «Dass durch eine Einheitsgemeinde Synergien genutzt und damit Einsparungen gemacht werden könnten, stimmt in dieser Art nicht», so Bender. Dies zeige sich beispielsweise im Beschaffungswesen. Dort heisse es, man könne Geld sparen, da man etwa das Putzmittel oder das Papier gemeinsam und in grösseren Mengen einkaufe. «In der Praxis zeigt sich dann aber, dass der eine dieses Putzmittel bevorzugt und der andere ein anderes», hielt er fest. Wolle man tatsächlich Geld einsparen, müssten politische Gemeinden oder Schulgemeinden miteinander fusionieren.

Vom Problem der zwei Kulturen

In diesem Punkt pflichtete ihm Kündig bei. «Die Einheitsgemeinde ist keine Sparvorlage», sagte er. Berechnungen in Gossau zeigten, dass jährlich 250 000 Franken eingespart werden könnten. Das bei einem Gesamtbudget von 50 Millionen Franken. Heute sei es so, dass sich die Finanzvorstände der politischen Gemeinde und der Schule zwei Mal jährlich treffen würden. Am Schluss sei es aber so, dass jeder für sich ein Budget erstelle. «In einer Einheitsgemeinde muss man gemeinsam die Finanzen optimieren. Das ist bereits ein Mehrwert», so Kündig. Ihm sei wichtig, dass die Gemeinde als Einheit auftreten würde.

Kündig glaubt auch nicht daran, dass die Schule in einer Einheitsgemeinde an Autonomie verlieren werde, wie das vielfach geäussert wird. «Die Bildung ist eines der wichtigsten Güter. Im Gemeinderat gibt es keine Aversion gegen die Schule. Es wäre falsch, wenn ein Gemeinderat sich vorwerfen lassen müsste, nicht an der Schule interessiert zu sein», so Kündig. Es sei kein unüberbrückbares Problem, die zwei verschiedenen Kulturen zusammenzuführen, entgegnete er seinem Gegenüber. Denn Bender verwies auf die unterschiedlichen Arbeitsweisen in den beiden Behörden. «Der Gemeinderat funktioniert wie ein Verwaltungsrat. Er gibt die Richtung vor und die Verwaltung führt die Vorgaben aus», so Bender. In der Schule hätten die Lehrer ein sehr hohes Mitbestimmungsrecht. Zudem könne die Gefahr bestehen, dass im Gemeinderat Leute vertreten seien, die nie in der Schulpflege tätig waren und die Schule dadurch nicht kennen würden.

Lehrern etwas bieten

Zuletzt wurde auch das Thema Qualität gestreift. Beide waren sich einig, dass man den Lehrern eine gute Infrastruktur bieten muss. Denn egal, ob sie in Oberengstringen, Gossau oder Urdorf arbeiten würden, der Lohn sei derselbe, da er kantonal geregelt ist. Kündig zeigte sich überzeugt, dass dies in einer Einheitsgemeinde genauso gut möglich ist wie in einer autonomen Schule. Er plädierte aber dafür, dass zuerst alle vorhandenen Ängste aus der Welt geschafft werden müssten, bevor man sich an das Projekt Einheitsgemeinde mache.

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