Eigentlich hätte der Kredit in der Höhe von 185'000 Franken bereits im September vom Stadtparlament abgesegnet werden können, allenfalls auch eine Sitzung später im Oktober. Dies erhoffte man sich zumindest hinter vorgehaltener Hand. Doch das Dossier zur Errichtung einer Tempo-20-Zone beim Schlieremer Bahnhof liegt noch immer auf dem Tisch der Rechnungsprüfungskommission (RPK), die das Geschäft noch nicht zuhanden des Parlaments verabschiedete. Was hält das Gremium so lange auf?

Dazu darf sich John Daniels (FDP), RPK-Präsident, nicht im Detail äussern. Er vermutete jedoch bereits im Vorfeld, dass dieses Thema viel Diskussionsstoff geben würde. «Zwar haben wir noch nicht darüber befunden, doch ist anzunehmen, dass das Geschäft im Dezember ins Parlament kommt», sagt er auf Anfrage.

Dabei hätte sich die Stadt diesen Umweg sparen können. Denn von den 1,2 Millionen Franken Kosten, welcher der neue Bahnhofplatz verursachen wird, sind lediglich 185'000 Franken ungebundene Gelder. Die Finanzkompetenz des Stadtrats von 200'000 Franken wird somit unterschritten. Exponenten der lokalen Wirtschaftsverbände bekämpften die Pläne für eine Tempo-20-Zone jedoch von Beginn weg und begrüssten es daher, dass das Geschäft im Parlament behandelt werden sollte. So kritisierten die Verbände, dass die Anbindung der Gewerbetreibenden an der Grabenstrasse ungenügend sei und die Fahrt über den Bahnhofplatz zum Spiessrutenlauf werde. Dies, weil die Fussgänger rigoros Vortritt geniessen würden.

Auf die zeitliche Verzögerung angesprochen – anlässlich der Submission erhoffte sich die Stadt gar einen Baustart im Oktober –, sagt Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) unumwunden: «Diese macht uns Sorgen.» So seien die zeitlichen Abhängigkeiten der diversen Bauprojekte im Zentrum gross. Damit spricht er die Baustelle der Limmattalbahn und das Wohn- und Büro-Projekt der SBB an. Dieses grenzt direkt an den geplanten Bahnhofsplatz, weshalb die SBB auch Umgebungsarbeiten – sprich Arbeiten am Stadtplatz – ausführen müssen. «Das Zeitfenster ist knapp. Kann man nicht zum richtigen Zeitpunkt bauen, werden die Unannehmlichkeiten für die Benutzer der Strassen grösser und die Kosten wegen komplexer Baustellen höher», sagt Bärtschiger. «Gerade beim Bahnhof-Projekt kann es heissen, dass wir Sachen bauen, die später wieder abgebrochen werden müssen.»

Platz als lang gezogenes Ganzes

Bei den SBB zeigt man sich noch geduldig. So verweist Unternehmenssprecher Reto Schärli darauf, dass so geplant werde, dass man mit wenigen Umbauarbeiten den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden könne. Mit der Stadt stehe man im engen Kontakt. Eine Präferenz für eine Tempo-20- oder eine Tempo-30-Zone will Schärli mit dem Verweis, dass es sich um einen Entscheid der Stadt Schlieren handle nicht äussern. Die Gestaltung ist den SBB jedoch wichtig: «Man hat darauf geachtet, dass von Fassade zu Fassade entwickelt und geplant wird, damit der neu entstehende, lang gezogene Platz als Ganzes wahrgenommen wird», so Schärli.

Egal, unter welchem Temporegime der neue Bahnhofsplatz dereinst geführt wird, er wird wohl belebt sein. Dies auch dank der beiden SBB-Bauten, deren Rohbau nun steht und die in einem Jahr bezugsbereit sind. In beiden Gebäuden, die SBB nennen sie Punkt- und Langhaus, sind zwei von drei Erdgeschossflächen, die für den Retail bestimmt sind, bereits belegt. In einen wird die Post einziehen, Ende September veröffentlichte sie die Baueingabe für den Einbau einer Postfiliale sowie von Postomaten. «Für das Erdgeschoss des Wohngebäudes ‹Langhaus› konnten wir einen Grossverteiler gewinnen», sagt Schärli. Auch hier laufe das Bewilligungsverfahren für den Mieterausbau. Und bezüglich der noch nicht vermieteten Flächen stehe man mit verschiedenen Interessenten in Kontakt.

Im Obergeschoss des sogenannten Punkthauses geht ebenfalls etwas. Das dritte und vierte Obergeschoss ist bereits vermietet. Dereinst wird dort eine Filiale der Activ-Fitnesscenter einziehen. Die Vermarktung der 30 Wohnungen für zwischen gut 2000 und knapp 3000 Franken startete erst vergangene Woche. Bezugstermin ist in einem Jahr, dann können insgesamt zwischen 40 und 70 Personen einziehen. Neben ihrer Lage würden sich die Wohnungen durch die Architektur mit überhohen oder höhenversetzten Räumen auszeichnen. «Sie sind optimal für Singles, Paare oder Wohngemeinschaften, die primär aus dem Raum Limmattal Zürich stammen und auch dort arbeiten», so Schärli.