Das Holzsammeln für Mittefasten war für Dieter Meier schon als Kind eines der Highlights des Unterengstringer Frühlingsfestes. «Am Abend bin ich jeweils mit einem von der Kohle schwarz gefärbten Gesicht nach Hause gekommen», erinnert er sich.

Am kommenden Samstag wird Meier wieder im Wald oberhalb der «Dicken Berta» mithelfen, Holz für den Feuerstoss zu sammeln, auf dem am 30. März der Böögg verbrannt wird.

Es wird eine spezielle Holzsammlung für ihn werden. Seit diesem Jahr ist er Obermeister der Mittefastenkommission und damit Gesamtverantwortlicher des Festes. Meier tritt die Nachfolge des im vergangenen Herbst verstorbenen Urs Hoffmann an.

Dieser amtete 44 Jahre als Obermeister und war verantwortlich dafür, dass aus Mittefasten ein das ganze Dorf umfassendes Fest geworden ist.

Grundkonzept bleibt gleich

Am heutigen Konzept mit dem Holzsammeln, der Abendunterhaltung am Freitag, der Bürgeraufnahme und einem weiteren Festanlass am Samstag, sowie den verschiedenen Aktivitäten rund um das Verbrennen des Bööggs am Sonntag, will Meier nichts ändern. «Das Fest, wie es sich heute präsentiert, bietet für jeden Geschmack etwas. Das Konzept hat sich bewährt», so Meier.

Mittlerweile sei die gesamte Bevölkerung in das Fest involviert. Für Neuzuzüger biete es eine gute Gelegenheit, auf unkomplizierte Art Kontakt im Dorf zu knüpfen.

Dass sich die Tradition rund um das Bööggverbrennen heute als Dorffest präsentiert, ist in erster Linie der sogenannt zweiten, 1963 gegründeten, Mittefastenkommission zu verdanken.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Mittefasten von der Unterengstringer Knabenschaft – jungen Männern ab 17 Jahren – durchgeführt. Ursprünglich bestand es aus den drei Brauchtumselementen Kienbesenumzug, Lichterschwemmen und Bööggverbrennen.

«Mittefasten liegt mir im Blut»

Mit dem Kienbesenumzug war aber nach 1867 Schluss. Damals verursachten die von den Burschen durch das Dorf geschwungenen Kienkörbe eine Brandkatastrophe im alten Dorfteil. Seither stehen die Feuerfackeln an der Limmat Spalier für das Lichterschwemmen.

Damit sollten nicht nur die Flussgeister beschwört werden, es markierte auch den Tag, ab dem nicht mehr bei künstlichem Licht gearbeitet wurde. Das Bööggverbrennen bildet einen letzten Überrest des heidnischen Brauchs der Winteraustreibung.

Als die Knabenschaft ihre Bedeutung verlor, gründeten Vertreter von alteingesessenen Familien die aus Meistern zusammengesetzte Mittefastenkommission. Zu den Gründern gehörte auch Dieter Meiers Vater, alt Gemeindepräsident Jakob Meier. «Er war Feuerwerkmeister. Ich durfte ihm als Kind bei den Vorbereitungen helfen», sagt der neue Obermeister.

Dadurch kam er auch schon von früh mit der Tradition hinter Mittefasten in Kontakt. «Mittefasten liegt mir also im Blut», so Meier. Ihm sei es daher auch wichtig, dass die Tradition des Festes aufrechterhalten werde. «Urs Hoffmann hat immer gesagt: Wir sind die Hüter der Tradition. Dem stimme ich zu», sagt Dieter Meier.

Brauchtum und Dorffest

Die Kombination aus altem Brauchtum und Dorffest mache den Reiz von Mittefasten aus. «Wir wollen auch in Zukunft kein beliebiges Fest organisieren, sondern ein spezielles», sagt er.

Seine Hauptaufgabe neben der Oberaufsicht des Festes sieht Meier darin, den Verjüngungsprozess in der Mittefastenkommission weiter voranzutreiben. «Wir haben bereits gute junge Anwärter», so Meier.

Um in die Kommission aufgenommen zu werden, muss man einige Bedingungen erfüllen. Voraussetzung zur Mitgliedschaft ist das Bürgerrecht von Unterengstringen. «Wichtig ist aber auch, dass die Mitglieder aktiv sind. Man lässt sich nicht in die Kommission wählen, um kurz darauf wieder auszutreten», sagt Willy Haderer.

Der Alt-Gemeindepräsident ist als Informationsmeister schon seit Jahren dabei und weiss, was es für eine Mitgliedschaft in der Kommission braucht. «Jeder, der Interesse bekundet, wird für zwei Jahre Meisterkandidat, bevor er endgültig aufgenommen wird», so Haderer. Erwarten würde ihn dort eine gute Kameradschaft und ein bestens organisiertes Team. Auch das sei ein Verdienst von Urs Hoffmann.

Mittefasten wird vom 28. bis zum 30. März gefeiert. Bereits diesen Samstag findet das erste Holzsammeln statt. Beginn ist um 13.30 Uhr beim Waldeingang bei der «Dicken Berta».