Fund

Bei Ausgrabungen in Regensdorf kamen keltische Adelige zum Vorschein

Unter dem Installationsplatz für den Bau der dritten Gubrist-Röhre lagerten Gräber einer lokalen Elite aus keltischer und römischer Zeit.

Welche Geheimnisse im Boden verborgen waren, ahnte noch niemand, als die Archäologen 2008 die ersten Gräben an der Kantonsstrasse zwischen Regensdorf und Zürich Affoltern aushoben. Das Areal, der heutige Installationsplatz für den Bau der dritten Röhre durch den Gubrist, erwies sich als wahre Fundgrube. Zwischen 2009 und 2014 haben die Archäologen auf einer Fläche von rund zwei Hektaren Tausende von Gegenständen geborgen. Fünf Jahre nach Abschluss der Grabungen hat Beat Horisberger, Leiter Römische Epoche bei der Kantonsarchäologie, all die Fundstücke fertig ausgewertet und ihre Geschichte nachgezeichnet. Veröffentlicht wird sie im «Zunftblatt» der Landzunft Regensdorf, das am 12. Januar 2020 erscheint.

«Nach dem Abschluss der Feldarbeit liess sich die Geschichte des Platzes erst bruchstückhaft beschreiben», so Horisberger. «Darauf folgte die wissenschaftliche Auswertung, die nun erlaubt, die abwechslungsreiche Geschichte des Platzes zu schreiben.» Die ältesten Funde sind Feuerstein-Werkzeuge aus der Steinzeit. Um 1600 vor Christus haben die Menschen im Areal erste Häuser gebaut. Die grösste Überraschung jedoch bot die Entdeckung von Gräbern einer lokalen Elite aus keltischer und römischer Zeit, das heisst aus dem 2. und dem 1. Jahrhundert vor Christus.

Fundstellen aus dieser Epoche waren im Furttal vor den Ausgrabungen am Gubrist noch praktisch unbekannt. Horisberger: «Es ist die Zeit der Kelten. Als Helvetier kennen wir sie durch den römischen Feldherrn Gaius Julius Caesar, der in seinem Bericht über den gallischen Krieg ihren Auszug aus dem Gebiet der heutigen Schweiz und ihre Niederlage im Jahr 58 vor Christus bei Bibracte beschreibt.»
Laut dem Historiker spricht einiges dafür, dass der Familienverband der helvetischen Oberschicht, der damals am Gubrist lebte, diesen Auszug mitgemacht hatte.

Wertvolle Grabbeigaben wurden gefunden

Das Gebiet des Kantons Zürich gelangte endgültig unter römische Herrschaft. Am Fuss des Gubrists wurde eine erste Strasse gebaut – am Ort der heutigen Affolternstrasse. «Am Hang oberhalb dieser Strasse haben danach Vertreter einer vermögenden römischen Grundbesitzerfamilie ihren Wohnsitz errichtet. Ihre Verstorbenen haben sie an der Strasse und an einem zum Gutshof führenden Weg bestattet», schreibt Horisberger. Wahrscheinlich habe eine führende keltische Familie auch nach der Niederlage bei Bibracte ihre Stellung in Regensdorf behaupten können und als Gutsbesitzerin auch in römischer Zeit eine wichtige Rolle in der Region gespielt.

Das Areal war also ein Bestattungsort der helvetischen Elite. «Von überregionaler Bedeutung sind acht Brandgräber aus dem ausgehenden 2. und dem 1. Jahrhundert vor Christus.» Gräber aus diesem jüngsten vorrömischen Zeitabschnitt seien immer noch sehr selten, Bestattungen von Angehörigen einer «adeligen» Elite, wie sie am Gubrist gefunden wurden, noch praktisch unbekannt.

Zum Beispiel haben die Archäologen wertvolle Grabbeigaben gefunden, die auf ein Pferdegespann mit einem Zweiradwagen hindeuten: Teile aus Geweih, die als Trensen dienten, oder Ringe, um Lederriemen am Joch zu befestigen. Was macht die Archäologen so sicher, dass sie mit ihrer Interpretation der Regensdorfer Funde richtigliegen? Laut Horisberger hat man Grabfunde aus Frankreich und aus Deutschland mit jenen aus Regensdorf vergleichen können und ist so auf die richtige Spur gekommen.
Wie und wo genau die im Areal bestatteten Menschen gelebt haben, darüber lässt sich bloss spekulieren. Etwas weiter Richtung Zürich Affoltern fand man jedoch Hinweise auf eine rege Siedlungstätigkeit. «Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die Spuren eines Gehöfts.» Es werde vermutet, dass die keltische Oberschicht in solchen Gehöften gewohnt habe, wie sie auch Caesar beschrieben habe.

Römischer Gutshof am Gubrist vermutet

Horisberger zieht die Geschichte von den Kelten zu den Römern weiter: «Die keltischen Gräber mit ihren Grabmauern waren sicher noch sichtbar, als römische Strassenbauer am Hangfuss eine erste Strasse absteckten.» Etliche Funde lassen die Archäologen vermuten, dass das Areal auch in römischer Zeit intensiv genutzt worden ist. So fanden sie 70 Pfostengruben von einem Holzgebäude, das auf einen römischen Gutshof schliessen lässt.

Damit wird die alte Vermutung untermauert, dass neben weiteren römischen Gutshöfen wie zum Beispiel in Buchs, Dällikon und Dietikon auch einer am Gubrist bestand.

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