Jubiläum
Behindertensportclub Limmattal: Integration mittels Sport schreibt Geschichte

Der Behindertensportclub Limmattal feiert sein 50-jähriges Bestehen. Der Blick zurück bestärkt für die Zukunft.

Daniel Diriwächter
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Jubiläum Behindertensportclub Limmattal
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2010 warfen sich Elsbeth Fuhrer und ihre Mitstreiter in Schale für einen Auftritt.
Auch der Speerwurf kann beim BSC gepflegt werden.
Glückliche Gewinner beim Unihockey Turnier 203 in Oberengstringen.
Das Limmattaler BSC-Team im Unihockey im 2003.
Das Limmattaler BSC-Team im Unihockey im 2003.
Elsbeth Fuhrer im Jahre 1982 an einem Club-Ausflug.

Jubiläum Behindertensportclub Limmattal

Elsbeth Fuhrer

Viele grosse Vorhaben beginnen mit der Vision einer starken Persönlichkeit – auch beim Behindertensportclub Limmattal (BSC): 1966 gründete die aus dem Bernischen Rosshäusern stammende Käthi Freimüller den Club in Oberengstringen. Freimüller lebte dort seit 1950 und das soziale Engagement war ihr stets eine Herzensangelegenheit. Besonders für Menschen mit einem Handicap setzte sie sich ein und liess sich als Behinderten-Sportleiterin ausbilden. Dieses Know-how konnte Freimüller fortan im Club einsetzen, den sie als Präsidentin auch 16 Jahre lang führte.

Die Anfänge

Menschen mit Einschränkungen, sei es körperlich oder geistig, sollten im Club nicht nur die Chance erhalten, sich sportlich betätigen zu können. Freimüller war auch darauf bedacht, ihre Mitglieder aus der Nische zu holen und an allgemeinen Anlässen, wie beispielsweise beim Tur-nerchränzli, mitwirken zu lassen. Bis heute wird diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Club gelebt.

Elsbeth Fuhrer, seit rund 15 Jahren die technische Leiterin im BSC, erinnert sich lebhaft an die ersten Jahre sowie an die damalige Präsidentin, die vergangenen Januar im Alter von 91 Jahren starb. Fuhrer, seit früher Kindheit wegen einer Infektion mit dem Poliovirus auf den Rollstuhl angewiesen, besuchte in jungen Jahren die wöchentlichen Trainings wie Turnen und Schwimmen als aktive Sportlerin. Im Laufe der Zeit wurde Käthi Freimüller von weiteren Behinderten-Sportleiterinnen und -leitern abgelöst, welche ebenfalls vom Turnverein Oberengstringen waren. Während Fuhrer sich später dem Zürcher Rollstuhlclub anschloss, wurde Freimüller 1973 in den Zentralvorstand von PluSport gewählt, dem schweizerischen Dachverband vom Behindertensport.

Frischer Wind

Der BSC Limmattal blieb auch nach dem Weggang von Freimüller eine feste Institution – und auf dem Radar von Elsbeth Fuhrer. Mittlerweile Mutter zweier Töchter, Innendekorateurin, ausgebildete Behinderten-Sportleiterin und in vielen Bereichen bei PluSport tätig, trat sie zur Jahrtausendwende mit ihrer Sportgruppe auf Anfrage des damaligen Präsidenten Martin Kissling wieder dem Club bei. Es war jene Zeit, als die Turnhalle der Kantonsschule Urdorf behindertengerecht und ideal umgebaut wurde, um künftig den Hallensport des BSC dort auszuüben.

Kissling erhoffte sich auch, dass Fuhrer mit ihren Ideen für neue Mitglieder sorgen könne. Eine Steilvorlage für die neue technische Leiterin, die sich selbst nie von ihrer Einschränkung hat aufhalten lassen. «Meine Eltern haben mich immer ermutigt, Aktivitäten zu wagen, die mir eigentlich unmöglich erschienen.» Eine Devise, die Fuhrer bis heute in ihre Aufgaben einbringt. Der Club selbst ist derzeit trotzdem am Schrumpfen. «Wir zählen noch 40 Aktiv-Mitglieder und es fehlt an Nachwuchs.» Zumal die erste Frage von Interessierten oft sei, wie alt die bestehenden Mitglieder sind. Junge Leute wollen eher selten mit der älteren Generation Sport treiben, so Fuhrer.

Grosse Pläne

Aber Resignation passt nicht in ihre Pläne. Sie will neue Gesichter gewinnen und setzt dabei auf den sportlichen Zeitgeist. So steht aktuell das französische Kugelspiel «Pétanque» hoch im Kurs. Projekte wie Kinderfussball oder die Aufnahme von Flüchtlingen mit Einschränkungen sind ebenfalls in der Pipeline und werden an der Generalversammlung im April thematisiert.

Zumal der Kalender voll ist: Neben den Treffen stehen in diesem Jahr noch acht Sportanlässe auf dem Programm; das Differenzschwimmen in Uitikon folgt diesen Samstag. Weitere sieben Anlässe kommen dazu, darunter der Jubiläumsausflug im Juni sowie der Jubiläums-Sporttag im September. «Es es geht dabei nicht nur um die sportlichen Aktivitäten, sondern auch um die Kameradschaft», sagt Fuhrer. Und um die Integration: Diese sei überhaupt das Wertvollste für alle Mitwirkenden.