Schlieren

Begegnungszone in Planung: Das Tauziehen um den Bahnhof beginnt

Bahnhof Schlieren: Hier soll eine Begegnungszone entstehen. Sitzbänke, Bäume und Parkplätze sollen so angeordnet werden, dass eine leicht mäandrierte Fahrbahn entsteht

Bahnhof Schlieren: Hier soll eine Begegnungszone entstehen. Sitzbänke, Bäume und Parkplätze sollen so angeordnet werden, dass eine leicht mäandrierte Fahrbahn entsteht

Beim Bahnhof ist nun doch eine Begegnungszone in Planung. Zwischen der SBB-Unterführung West und der Engstringerbrücke soll die Grabenstrasse Tempo 20 werden – es regt sich Widerstand.

Nun geht plötzlich alles Schlag auf Schlag bei der Planung des Schlieremer Bahnhofs. Dies müsse auch so sein, sagt Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP). «Weil die Erstellung der beiden SBB-Hochbauten weit fortgeschritten ist, muss man nun die Umgebungsgestaltung angehen. Damit diese aus einem Guss kommen, müssen Stadt und SBB – die beiden Landbesitzer – an einem Strick ziehen», sagt er.

Kürzlich sprach der Stadtrat einen Kredit in der Höhe von rund 77 000 Franken für das Vorprojekt. Zudem wurden Details darüber bekannt, was genau geplant ist. Demnach ist für die Güterstrasse eine Begegnungszone mit Mischverkehr und einem Tempo-20-Regime vorgesehen. Ihr Eingangstor markiert auf östlicher Seite die Grabenstrasse/Engstringerbrücke und sie erstreckt sich bis zur Personenunterführung West zu den SBB-Gleisen.

Insgesamt seien 26 oberirdische Parkplätze geplant, wie Bärtschiger sagt, dabei handle es sich um eine Verdoppelung des heutigen Bestands. Zwischen den Parkplätzen, Bäumen, Sitzbänken und Veloständern soll die Fahrspur leicht mäandrieren, was eine Geschwindigkeitsreduktion zur Folge habe. Dies erhöhe die Aufenthaltsqualität und reduziere die Lärmbelastung. Wo genau welche Bäume, Sitzbänke und Parkplätze platziert werden, wird erst im Rahmen der Weitererarbeitung des Projekts befunden.

Fest steht hingegen, dass zwei Plätze – einer beim Abgang zur Personenunterführung West und auf Höhe Bahnhofstrasse – gepflästert werden sollen. «So erhält Schlieren einen attraktiven Eingang zu seinem Zentrum», schreibt der Stadtrat.

«Spiessrutenlauf für Autofahrer»

Bereits im vergangenen November, als noch nicht feststand, ob am Bahnhof eine Tempo-20- oder Tempo-30-Zone erstellt werden soll, gab es Widerstand. In einem öffentlichen Brief sprachen sich die Präsidenten der Schlieremer Wirtschaftskammer, des Gewerbevereins, der Detaillistenvereinigung und des Hauseigentümerverbands gegen eine allfällige Begegnungszone aus. Sie kritisierten, dass die Zufahrt zu den Liegenschaften wegen des bei Begegnungszonen üblichen Fussgängervortritts zum Spiessrutenlauf für Autofahrer werde und zu wenig Parkplätze vorhanden seien.

Zwischenzeitlich hat sich an dieser Haltung nichts geändert. Philipp Locher, Präsident der Detaillistenvereinigung Pro Schlieren, findet klare Worte. «Wir werden unsere Rechtsmittel ausnutzen und die Begegnungszone bekämpfen», sagt er. Er kritisiert, dass der Stadtrat zu vieles eigenmächtig entscheide und man nicht auf die Vereine eingehe. «Wir standen seit November mit niemandem von der Stadt in Kontakt. Auf diese Weise kann gar keine Lösung erarbeitet werden, die für alle stimmt». Locher verweist darauf, dass jeder Verkehrsteilnehmer seinen ihm zugeteilten Platz brauche, damit die Sicherheit so gross wie möglich sei. «Bei einer Begegnungszone herrscht diesbezüglich Chaos.»

Eine weitere Knacknuss stellt die Zufahrt der Gewerbeliegenschaften, die an der Grabenstrasse liegen, dar. Zwar beauftragt der Stadtrat in seinem Beschluss die Abteilung Bau und Planung, die Erschliessung dieser Liegenschaften von Osten her «detailliert zu untersuchen und laufende Verhandlungen weiterzuführen». 

Für Peter Voser, Präsident des Hauseigentümerverbands (HEV) Schlieren und ehemaliger Stadtpräsident, ist dies jedoch der falsche Ansatz. «Zuerst müsste dafür gesorgt werden, dass die Zufahrt zur Grabenstrasse gewährleistet ist und erst dann sollte – allenfalls – die Realisierung einer Begegnungszone folgen», sagt er auf Anfrage. Zwar habe der HEV Schlieren noch keine Haltung zu den Plänen der Stadt entwickelt – diese werde in Absprache mit dem Vorstand und anderen Vereinen in den kommenden Tagen eruiert. «Doch ist mir nicht bekannt, dass sich die Meinungen gegenüber einer Begegnungszone seit letzem November geändert haben», so Voser.

Konkreter sieht es bereits bei der Schlieremer Wirtschaftskammer aus. Vorstandsmitglied Ueli Saxer verweist darauf, dass man die Pläne des Stadtrates vehement bekämpfen werde.

Finanzkompetenz beim Stadtrat

Die Ausführung der Arbeiten ist bereits für September 2017 vorgesehen. Gemäss Schätzung des Stadtrates sollen die Aufwertungsarbeiten total 1,24 Millionen Franken kosten. Davon sind 1,05 Millionen Franken als gebundene Ausgaben qualifiziert und lediglich knapp 180 000 Franken als nicht gebunden. Diesen Betrag könnte der Stadtrat eigenmächtig sprechen und müsste nicht den Umweg über das Parlament nehmen, da die Obergrenze seiner Finanzkompetenz von 200 000 Franken nicht überstiegen wird. Doch haben die Gegner noch immer die Möglichkeit zu blockieren. So muss das Strassenbauprojekt noch vor der Festsetzung öffentlich ausgeschrieben werden, woraufhin Einsprache erhoben werden kann.

Verzögert sich die Realisierung, so würde auch verhindert, dass die Gestaltung des Aussenraums um die beiden SBB-Bauten gleichzeitig und abgeglichen mit jener der Stadt geschieht, so Bärtschiger. «Dann würden wohl vor den beiden Neubauten ein Trottoir und einige Parkplätze entstehen. Was die Stadt dann mit ihrem Gebiet macht, müsste man neu beurteilen. Die Chance auf einen identitätsstiftenden Bahnhof-Platz wäre jedoch vertan», sagt er.

Hier geht es zum Kommentar

Meistgesehen

Artboard 1