Tempo 20 plus unbeschränkter Vortritt für Fussgänger: Die geplante Begegnungszone am Schlieremer Bahnhof könnte der Stadtrat in Eigenregie umsetzen, da die dafür nötigen ungebundenen Ausgaben bei unter 200 000 Franken liegen. Trotzdem bringt er die Sache nun ins Parlament. Am Donnerstag hat er seinen Antrag bekannt gegeben.

Die geplante Begegnungszone erstreckt sich auf rund 300 Metern von der Grabenstrasse – auf Höhe der Engstringerbrücke – bis zur SBB-Personenunterführung West. Mit total 1,18 Millionen Franken schlägt das Bauprojekt zu Buche. Davon sind eine Million Franken gebundene Ausgaben. Der Kredit für die ungebundenen Gelder umfasst 185 000 Franken.

Der Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) erklärt den Entscheid mit der Tragweite des Projekts und der intensiven Diskussion, die sich darob ergeben hat. Diese soll nun im Parlament weitergeführt werden. Bärtschiger ist guten Mutes: «Wir sind überzeugt, dass das Projekt so gut ist, dass es im Parlament bestehen kann.»

Die Gegner zollen dem Entscheid des Stadtrats Respekt: «Es überrascht mich positiv, dass die Sache ins Parlament kommt», sagt zum Beispiel der Drogerie-Eigentümer Philipp Locher, der sich – wie andere Gewerbler auch – mehrmals kritisch zur Begegnungszone geäussert hat. Allerdings ist er unzufrieden damit, wie im Mitwirkungsverfahren mit den acht eingegangenen Einwendungen umgegangen wurde. «Über 90 Prozent der Wünsche wurden nicht berücksichtigt», sagt Locher. So gehe Tempo 20 direkt vor dem Bahnhof für ihn zwar in Ordnung. Die jetzt geplante Begegnungszone sei aber viel zu gross.

Günstiger dank Koordination mit SBB

Als Nächstes ist die Rechnungsprüfungskommission am Zug. Sie berät das Projekt, bevor es ins Parlament kommt. Wann es so weit ist, ist noch offen. Der frühestmögliche Termin wäre die nächste Gemeinderatssitzung am 18. September. Den Befürwortern käme ein baldiger Entscheid gelegen. Grund dafür ist die SBB-Baustelle beim Bahnhof.

Die beiden Neubauten sind schon ziemlich in die Höhe gewachsen. Auch die Fertigstellung der Umgebung müssen die SBB nächstens an die Hand nehmen. Geplant haben die SBB grundsätzlich, dass sie die Umgebung derart gestalten, wie es in einer Begegnungszone üblich ist. Das heisst: Ohne Trottoir, die Strasse soll eine Einheit sein. Oder im Fachjargon: Die Güterstrasse soll im Begegnungszonenbereich «von Fassade zu Fassade gelesen» werden können.

Das Problem: Im dümmsten Fall würden die SBB ihre Umgebung wie beschrieben gestalten, das städtische Bauprojekt würde aber im Parlament scheitern. Dann müsste auf dem SBB-Grundstück auf Stadtkosten im Nachhinein ein Trottoir gebaut werden. Denn dieses kann an einer solchen Stelle nur wegbleiben, wenn Tempo 20 gilt und Fussgänger also absoluten Vortritt haben. Aber der beschriebene dümmste Fall ist nur eines von verschiedenen Szenarien. «Wichtig ist nun, dass wir Planungssicherheit erreichen», sagt Stadtrat Bärtschiger.

Nach einem positiven Entscheid des Parlaments würde das Bauprojekt 30 Tage aufliegen für das Einspracheverfahren, danach soll es zügig gehen. Gegner haben indes bereits angedeutet, sich per Einsprache zu wehren. Verzögerungen sind möglich. «Zuerst müsste dann geprüft werden, ob die Einsprecher einspracheberechtigt beziehungsweise vom Bauprojekt besonders betroffen sind», sagt hierzu Stadtrat Bärtschiger. So weit die Szenarien.

Kein Kopfsteinpflaster, keine Farbe

Das Bauprojekt selbst unterscheidet sich vom Vorprojekt. Beispiel: Die Idee eines Kopfsteinpflasters beim Übergang von der Bahnhofs- in die Güterstrasse ist gestorben. Die Vorteile: Holper-Lärm von Autos bleibt aus, handicapierte Personen haben es einfacher und am Schluss kommt es auch günstiger. Auch sonst wird auf eine spezielle Bodengestaltung verzichtet, wie es sie etwa in Horgen gibt, wo die Begegnungszone vielfarbig ist. «Als Luxus beim jetzigen Projekt könnte man höchstens die Sitzbänke werten. Aber die braucht es an einem solchen Ort mit vielen Menschen», sagt Bärtschiger.

Die Anzahl Parkplätze würde sich total von 27 auf 26 reduzieren. Die Restaurants Corona und Amadeus sollen zudem die Möglichkeit erhalten, im Sinne von Strassencafés eine gute Aussenfläche zu erhalten. Weiter gehören zum Projekt Poller, auf denen es sich sitzen lässt, und dazu diverse Bäume. Die Bauzeit, aufgeteilt in drei Etappen, wird Verkehrseinschränkungen mit sich bringen, sodass zum Beispiel die Güterstrasse teilweise nur einspurig befahrbar ist.

In den Unterlagen der Submission, die am 21. Juli endete, war von einem Baustart am 16. Oktober und einem Bauende am 30. März 2018 die Rede. Die Daten sind nicht in Stein gemeisselt, werden aber in Bezug auf die SBB-Baustelle angestrebt.