Begegnungen
Dieser Urdorfer organisierte 1983 den ersten Swiss Triathlon

René Friedli aus Urdorf ist ein Schweizer Triathlon-Pionier. Bis heute ist er dem Sport verbunden.

Margret Stöcklin
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«Ich habe einen ausgefüllten Alltag und ein ausgefülltes Leben. Mir wird es nicht langweilig», René Friedli aus Urdorf.

«Ich habe einen ausgefüllten Alltag und ein ausgefülltes Leben. Mir wird es nicht langweilig», René Friedli aus Urdorf.

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Nachdem er in Burgdorf die Grundschule absolviert hatte, begann René Friedli in Bern eine Ausbildung als Schriftsetzer. Während seiner vierjährigen Lehrzeit erwarb er sein Diplom als Werbeassistent und machte an vier Abenden pro Woche intensive Kurse für konstruktives Zeichnen, immer mit dem Ziel, später Grafiker zu werden.

Mit 19 Jahren begann Friedli ein regelmässiges Schwimmtraining im Schwimmclub Burgdorf. 1960, nachdem er in Zürich eine Anstellung als Grafiker gefunden hatte, begann er seine sportliche Laufbahn. Neben drei Schwimmtrainings pro Woche am Abend, ging er über Mittag ins Hallenbad City, betrieb zusätzlich Krafttraining und absolvierte jeden Morgen um 5 Uhr ein gezieltes Lauftraining.

Nach zwei Jahren war Friedli Schweizer Langstreckenmeister und ein Jahr später Rekordhalter über 200 m Rückenschwimmen. «Von 1965 bis 1986 war ich Trainer und habe mit fünf Generationen 120 Schweizer Rekorde erreicht sowie Auslandsreisen zu Schwimmwettkämpfen organisiert, darunter auch zweimal an Olympische Spiele. Ausserdem habe ich mich als Vizepräsident des Schweizer Schwimmverbands sehr für die Aktiven eingesetzt», sagt Friedli, der 1981 vom Triathlon-Virus infiziert wurde, als das deutsche Fernsehen einen Beitrag über den Ironman Hawaii ausstrahlte. Als erster Schweizer nahm er im Herbst folgenden Jahres am Ironman teil und beendete ihn als 225. von 750 Teilnehmern.

Ein Besuch beim Schweizer Fernsehen hat Folgen

1983 wurde Friedli von Werner Vetterli ins «Sportpanorama» des Schweizer Fernsehens eingeladen. Eine der Fragen von Vetterli bezog sich auf die Möglichkeit, in der Schweiz auch einen Ironman durchzuführen. «Bereits am nächsten Tag riefen Interessenten für eine solche Veranstaltung beim Fernsehen an, was mir keine Ruhe mehr liess. Ich begann zu recherchieren, immer mit dem Vorbild Hawaii vor Augen. Ich musste viel Aufklärungsarbeit leisten, weil Triathlon eine sportliche Weltneuheit war.» Umfangreiche Presseberichte trugen dazu bei, dass ein Jahr später 1000 Teilnehmer am Start des ersten Swiss Triathlon waren. Dieser war von 1983 bis 1985 Vorbild für Veranstalter ­diverser Kurzdistanz-Wettkämpfen in der Schweiz und in Europa. Swiss-Triathlon-Sieger Carl Kupferschmid war 1985 der erste Europäer, der es beim Ironman Hawaii aufs Podest schaffte.

Danach begannen in jeder Hinsicht unruhige Jahre für den Swiss Triathlon, dessen 6. Ausgabe 1991 wegen zu wenig Teilnehmern um ein Jahr verschoben- und 1992 total abgesagt werden musste. «In Zürich hat Peter Boll, ein Triathlet der ersten Stunde, die Rechte für Slots von Hawaii erworben und den Ironman Zürich organisiert. Ich habe mich ohne Groll zurückgezogen. Ironie der Geschichte ist, dass der Tri-Swiss-Verband heute Swiss Triathlon heisst» sagt Friedli, der sich 1986 beruflich selbstständig gemacht hatte und von da an ein Atelier für Gestaltung mit fünf Angestellten führte.

2000 verlegte er sein Geschäft «Pickfeine Werbung» sowie seinen privaten Wohnsitz nach Urdorf. Wegen der neuen Computertechnik verblieb Ehefrau Irena als einzige Mitarbeiterin. Dem Sport auf breiter Ebene ist Friedli treu geblieben. Tägliche Wanderungen von 10 Kilometern mit seinem Bobtail gehören zur Normalität. Und mit seinem Rennrad fährt er jährlich 5000 Kilometer. Auch als Schwimmtrainer ist er noch tätig und betreut ausserdem etliche Pro- und Age-Triath­leten, unter anderem auch Ruedi Wild und weitere lizenzierte Kader-Triathleten. «Ich habe einen ausgefüllten Alltag und ein ausgefülltes Leben. Mir wird es nicht langweilig,» sagt der 80-Jährige.

Nächste Begegnung: Judith Kündig, Schlieren.