Begegnungen
Diese Urdorferin war Fotografin, verteilte die Post zu Fuss mit einem Handwagen und freut sich darauf, auf Reisen mehr von der Welt zu sehen

Heidy Bohren wohnt seit 1987 in Urdorf, wo sie das tolle Vereinsleben mag und früher Zustellbeamtin war.

Margret Stöcklin
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Mit ihrem Balonka-Rüden Cicero betreibt Heidy Bohren regelmässig Hundesport.

Mit ihrem Balonka-Rüden Cicero betreibt Heidy Bohren regelmässig Hundesport.

Margret Stöcklin

Heidy Bohren erblickte im Mai 1956 das Licht der Welt und verbrachte die ersten sechs Lebensjahre bei ihrem Paten in Brienz. Den Rest ihrer Jugend lebte sie mit ihren Geschwistern in ­Dietikon.

Nach ihrer Schulzeit wäre sie am liebsten Kleinkindererzieherin geworden. Diesen Wunsch musste sie jedoch aus familiären Gründen begraben. «Weil das nicht klappte, war es mir ein bisschen egal, welche Ausbildung ich nun beginnen sollte. Die Hauptsache war, irgendeine Lehre zu absolvieren. Per Zufall wurde ich Foto- und Kinofachverkäuferin. Zu meinem grossen Erstaunen machte mir dieser Beruf sogar grossen Spass, sodass ich ihn ein paar Jahre lang mit Leidenschaft ausübte», erinnert sich Heidy Bohren.

Später entdeckte sie Fotografieren als ­Hobby und fotografierte an ­–Wochenenden Hochzeiten und Taufen. Wahrscheinlich sei sie ihren Freunden gehörig auf die Nerven gegangen, weil sie ständig die Kamera in ihren Händen gehalten habe und diese auch fleissig benutzte. Nach ihrer ersten Hochzeit arbeitete sie in unterschiedlichen Berufen, mitunter auch ein Jahr lang als Pflegemutter. Ihre erste Ehe hielt nicht, sie und ihr Partner waren sich einig, fortan getrennte Wege zu gehen.

Heidy Bohren entschloss sich sodann für eine einjährige Ausbildung als Zustellbeamtin bei der Post. Nach diesen zwölf Monaten in Urdorf wurde sie dort als Zustellbeamtin gewählt und durfte vier Jahr lang ihre Touren laufen. Damals gingen alle noch zu Fuss. «Ich hatte einen Handwagen, den ich vollbeladen bergaufwärts stossen durfte. Wir hatten jedoch nicht den Druck, den die heutigen Kollegen aushalten müssen. Alles in allem war es eine schöne Zeit, in der ich auch meinen zweiten Ehemann kennenlernte», verrät Heidy Bohren, die nach fünf Jahren die Post verliess, um eine Ausbildung an der Handelsschule in Angriff zu nehmen.

Nach der Abschlussprüfung bewarb sie sich beim Fernmeldeamt, wo sie im Schaltdienst arbeitete. Nach zehn Jahren Tätigkeit im Schaltdienst versetzte man sie in die Abteilung Datenpflege, welche jedoch nach fünf Jahren aufgelöst wurde. Für Heidy Bohren bedeutete dies einen weiteren Neubeginn. Sie hatte Glück und fand eine Anstellung auf der Baudirektion und durfte dort 17 Jahre in der Abteilung Tankanlagen arbeiten. «Weil meinen Mann gesundheitliche Probleme beeinträchtigen, habe ich mich entschlossen, zwei Jahre früher in Pension zu gehen, um die Zeit mit meinem Mann zu geniessen», erzählt die 64-Jährige.

«Der Durchgangsverkehr wird mir zu viel»

Urdorf kennt sie seit ihrer ­Jugend sehr gut. Die Eisbahn und viele Freunde lockten sie immer wieder in das damals kleine Dorf. Erst 1987 zog sie definitiv nach Urdorf. Seither freut sie sich über die grüne Umgebung und die Nähe zu Zürich. Auch das rege Vereinsleben und den guten Zusammenhalt der Einwohner findet sie toll. «Mir fehlt nichts in Urdorf, wirklich nichts. Allerdings wird mir der vermehrte Durchgangsverkehr seit der Eröffnung der Autobahn zu viel. Und dann würde ich noch das Asylzentrum aufheben, weil diese Unterkunft menschenunwürdig ist.»

Ferien waren schon immer ein grosses Thema im Leben von Heidy Bohren, welche gerne verreist und schon viele Länder kennen gelernt hat. Besonders Vietnam ist für sie unvergesslich. Auch Tagesausflüge mit der SBB-Gemeindetageskarte in der Schweiz geniesst sie sehr. Je nach Wetterlage geht es los. «Es gibt noch so viel zu entdecken und zu erleben. Ich freue mich darauf», sagt die begeisterte Urdorferin.