Oberengstringen
Begegnung als grösster Feind der Vorurteile

Die Rede von Yvonne Apiyo Brändle-Amolo, der Präsidentin der SP-Kreisgemeinde Weiningen, wurde in Oberengstringen mit Spannung erwartet.

Sandro Zimmerli
Merken
Drucken
Teilen
Yvonne Apiyo Brändle-Amolo bei ihrer Rede zum 1. August in Oberengstringen.
4 Bilder
Yvonne Apiyo Brändle-Amolo sprach auch über den klugen Umgang mit Migration.
Die 1. August-Feier in Oberengstringen Yvonne Apiyo Brändle-Amolo lockte mit ihrer Rede rund 200 Personen an.
Yvonne Apiyo Brändle-Amolo bei ihrer Rede in Oberengstringen.

Yvonne Apiyo Brändle-Amolo bei ihrer Rede zum 1. August in Oberengstringen.

Limmattaler Zeitung

Zwischen 60 bis 80 Personen besuchen in Oberengstringen jeweils die Bundesfeier. Dieses Jahr dürften es gegen 200 gewesen sein. Das lag an der Festrednerin, oder besser gesagt am Rummel, im Vorfeld ihres Auftritts. Nicht jedem passte es, dass mit der Künstlerin und Präsidentin der SP-Kreisgemeinde Weiningen, Yvonne Apiyo Brändle-Amolo, eine kenianisch-schweizerische Doppelbürgerin die Ansprache halten sollte. «Für den Gemeinderat war das nie ein Problem. Wir sehen diese Rede als Bereicherung für die Gemeinde», erklärte Gemeindepräsident André Bender. Das sahen wohl auch die Besucher so, welche die Weiningerin mit einem grossen Applaus empfingen und auch wieder verabschiedeten.

Die 1. August-Feier in Oberengstringen Yvonne Apiyo Brändle-Amolo lockte mit ihrer Rede rund 200 Personen an.

Die 1. August-Feier in Oberengstringen Yvonne Apiyo Brändle-Amolo lockte mit ihrer Rede rund 200 Personen an.

Limmattaler Zeitung

Und die Rednerin selber wertete ihre Einladung an die Nationalfeier als ein Zeichen für die Beibehaltung einer offenen Schweiz: «Ich bin froh, dass das so ist. Wenn es die Schweiz nicht gäbe, dann müsste man sie erfinden», sagte Brändle Amolo. Sie drückte ihren Stolz aus, dass im Limmattal und in der Schweiz viele Volksgruppen leben, ihre Eigenheiten bewahren und – grösstenteils – in gegenseitigem Respekt friedlich miteinander Leben: «Das ist nicht immer einfach», so Brändle-Amolo. Dass es jedoch nicht die Schweizerin und den Schweizer gebe, sondern dass seit Jahrhunderten die Vielfalt gelebt werde, verschaffe uns in der globalisierten Welt einen grossen Vorteil.

Chancen für Migranten und Migrantinnen

Die Wanderungsströme von Nord nach Süd oder von Ost nach West würden sich nicht mit Zäunen oder verstärkten Grenzkontrollen verhindern lassen. «Das Wohlstandsgefälle in der Welt ist einfach zu gross», so Brändle-Amolo. Weiter betonte sie, dass es wichtig sei, klug mit dem Wanderungsphänomen umzugehen. «Wir müssen Win-win-Situationen für die Einheimischen wie auch für die Zuwanderer realisieren. Dazu gehört auch, dass wir die Migranten und Migrantinnen aufnehmen und ihnen Chancen geben», ihnen aber auch zeigen würden, was uns wichtig sei: «Von unseren Gästen erwarten wir auch, dass sie sich wie Gäste verhalten».

Die Nationalratskandidatin verwies überdies darauf, wie bunt das Leben in der Schweiz dank der Einwanderer geworden ist. Diese Offenheit, eines der schweizerischen Erfolgsrezepte, sei nicht einfach so gegeben. Jede Generation müsse sich dafür einsetzen.
Für sie als schweizerische Afrikanerin sei der 1. August jedoch nicht nur ein Tag für politische Überlegungen, sondern auch ein Tag der Lebensfreude. «Für ein gutes Miteinander ist das gemeinsame Cervelat oder Tandoori Chicken Bräteln genauso wichtig.» Denn: Begegnungen mit Personen mit Migrationshintergrund seien die grössten Feinde der Vorteile.