Dietikon
Baustelle in jeder Hinsicht: Beim «Alte Bären» gehts ans Eingemachte

Während das Gebäude umgebaut wird, zeichnet sich eine Einigung zwischen Stadtrat und Initiativkomitee ab.

Tobias Hänni (Text und Foto)
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Der «Alte Bären» in Dietikon wird derzeit umgebaut. Der Verkauf der Liegenschaft durch die Stadt hatte für Wirbel gesorgt.

Der «Alte Bären» in Dietikon wird derzeit umgebaut. Der Verkauf der Liegenschaft durch die Stadt hatte für Wirbel gesorgt.

Tobias Hänni

Der «Alte Bären» im historischen Dietiker Ortskern ist zurzeit eine Baustelle – und rund ein Jahr, nachdem ihn die Stadt verkauft hat, immer noch ein Politikum.

Die Veräusserung des denkmalgeschützten Gebäudes hatte im vergangenen Dezember einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Denn der Deal zwischen der Stadt und der Dietiker Firma Ehrat Immobilen AG erfolgte just wenige Tage, bevor ein überparteiliches Komitee aus Vertretern der SP, AL, Grünen und CVP eine Initiative einreichte: Mit einer Änderung der Gemeindeordnung hätte der Verkauf verhindert und der Stadtrat zum Schutz des historischen Ortskerns auf dem Kronenareal verpflichtet werden sollen.

Als «Affront», «ethisch verwerflich» und «Tiefschlag» bezeichneten Mitglieder des Initiativ-Komitees damals das Vorgehen des Stadtrats.

Inzwischen scheint der Ärger verflogen zu sein, gegessen ist die Angelegenheit deswegen aber noch nicht.

«Uns liegt ein Entwurf der Stadt vor, der dem Gemeinderat bezüglich des Schutzes des historischen Ortskerns mehr Kompetenzen geben soll», sagt SP-Gemeinderat Manuel Peer, Präsident des Initiativ-Komitees. Ein Alternativvorschlag zur Initiative, den der Stadtrat dem Komitee im vergangenen März unterbreitet hatte, war für dieses nur zum Teil akzeptabel.

«Der Stadtrat wollte den Schutz des Ortskerns in seiner Geschäftsordnung festlegen. Doch diese kann vom ihm jederzeit eigenmächtig angepasst werden», so Peer. Konkret wollte der Stadtrat damals seine Geschäftsordnung um den Passus ergänzen, dass namentlich die «Krone» und die an den «Alten Bären» angebaute Zehntenscheune im Besitz der Stadt verbleiben und ein allfälliger Verkauf in jedem Fall nur mit der Zustimmung des Gemeinderats möglich ist.

Das Komitee hatte nach Erhalt des damaligen Vorschlags gefordert, dass die Bestimmung in der Geschäftsordnung nur mit einem referendumsfähigen Beschluss des Gemeinderates rückgängig gemacht werden könne. Der Stadtrat zeige sich im neuen Vorschlag gewillt, dieser Forderung zu entsprechen, sagt Peer. In welche rechtliche Form die Regelung aber gegossen werden soll – anstelle der stadträtlichen Geschäftsordnung käme etwa die Gemeindeordnung infrage –, ist laut dem SP-Gemeinderat noch unklar.

Dass die Stadt mit dem Komitee Verhandlungen führt, liegt daran, dass die Initiative nach wie vor vors Volk müsste – als Abstimmungstermin war noch Anfang Jahr von diesem Herbst die Rede gewesen. Doch ob das Begehren überhaupt noch an die Urne kommt, ist ungewiss. «Wenn wir mit der Stadt eine verbindliche Lösung finden, werden wir die Initiative zurückziehen», sagt Peer. Jetzt, wo der «Alte Bären» bereits umgebaut werde, mache eine Volksabstimmung darüber wenig Sinn. «Eine solche ist ja immer auch mit Kosten verbunden.» Ob das Initiativkomitee auf den Vorschlag der Stadt eingeht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. «Wir werden den Vorschlag prüfen und bis im November entscheiden, ob wir ihm zustimmen», sagt Peer.

Die Stadt selbst gibt sich mit Verweis auf «die laufenden Verhandlungen» bedeckt. Offenbar liegt nun der Ball beim Initiativkomitee. «Nach Erhalt der Antwort wird der Stadtrat beschliessen und dem Gemeinderat einen Antrag stellen», sagt Stadtschreiberin Karin Hauser.

«Alter Bären» war voll Gerümpel

Während auf politischer Ebene eine Lösung für die verbleibenden Liegenschaften auf dem Kronenareal gesucht wird, sind die Bauarbeiten am «Alten Bären» derzeit in vollem Gange. In einem ersten Schritt musste das Gebäude entrümpelt werden: Altes Mobiliar der «Krone», der Hausrat früherer Bewohner und jede Menge Müll lagerten darin. «Vier Lastwagenladungen voll Gerümpel haben wir entsorgt», sagt Markus Ehrat, Inhaber der Ehrat Immobilien AG. Nach der Räumung sei man derzeit mit dem Innenrückbau dran. Dabei wird das Gebäude komplett ausgehöhlt, wobei laut Ehrat auch eine massive Bollensteinmauer, eine frühere Aussenwand, herausgebrochen werden muss. Eine anstrengende Arbeit, bei der mehrere Bauarbeiter bis zu 300 Kilogramm schwere Brocken aus dem Gebäude schleppen müssen. «Vor 200 Jahren wurde alles verwendet, was verfügbar war», erklärt Ehrat die schwergewichtige Überraschung.

Der weitere Umbau-Fahrplan sieht vor, den Keller zu betonieren und die Gebäudehülle zu sanieren, wobei der Dachstock isoliert und die Fassade erneuert werden. Gleichzeitig wird in die leere Hülle eine Holzkonstruktion eingebaut, wodurch laut Ehrat eine Art «Haus im Haus» entsteht. Im nächsten Sommer oder Herbst sollen die sechs Mietwohnungen fertiggestellt und bezugsbereit sein.