Dietikon
Bäumefällen an der Bernstrasse: «zwar unschön, aber nötig»

An der Bernstrasse in Dietikon werden Bäume gefällt - für mehr Sicherheit. Der Unfall, der im vergangenen Juni für zwei Menschen tödlich ausging, sei ein Mitauslöser dafür, sagt der Leiter des kommunalen Forstdienstes.

Alex Rudolf
Drucken
Teilen
Nachdem der Stamm von Ästen befreit ist, wird er – je nach Weiterverwendung – zersägt oder an einem Stück gelagert
5 Bilder
Verantwortlicher Förster Michael Steinemann «Einen Holzschlag in diesem Ausmass habe ich noch nie gesehen»
Waldrodung an der Bernstrasse in Dietikon
Die am Forsttraktor angebrachte Seilwinde zieht den Baum in die Tiefe
Danach machen sich die Förster an die Weiterverarbeitung des Baums

Nachdem der Stamm von Ästen befreit ist, wird er – je nach Weiterverwendung – zersägt oder an einem Stück gelagert

Limmattaler Zeitung

Zuerst knirschen die Äste nur leise, dann kommt das rascheln von Blättern hinzu. Dieses wird stärker, bis sich aus dem kerzengraden Bäumemeer plötzlich einer zu neigen beginnt.

Dann sinkt er langsam zu Boden und landet schliesslich mit einem dumpfen Knall. Oberhalb der Bernstrasse in Dietikon herrscht zurzeit Ausnahmezustand.
Der Unfall, der im vergangenen Juni für zwei Menschen tödlich ausging, sei ein Mitauslöser für diese Rodung, sagt Felix Holenstein.

Der Leiter des kommunalen Forstdienstes will, dass sich so etwas - ein Baum krachte damals auf ein vorbeifahrendes Auto - nie mehr wiederholt.

Zu diesem Zweck hat sich die Holzkooperation, der dieser Waldabschnitt gehört, in Zusammenarbeit mit der BD-Bahn entschieden, auf den 850 Metern zwischen der Kreuzung Bern-/Bremgartenstrasse und der Bahnhaltestelle Reppischhof auf einem Streifen von 30 Metern alle Bäume zu fällen, die südöstlich der Bernstrasse zu liegen kommen.

Kommunikation via Funk

Via Funk hat der verantwortliche Förster Michael Stirnemann einen rund 150 Meter langen Abschnitt der Bernstrasse sperren lassen.

Noch zuvor rauschte die BD-Bahn daran entlang. «Wir haben nun genau acht Minuten Zeit, einen Baum sinken zu lassen, danach kommt die nächste Bahn», erklärt Stirnemann. Alles ist bereit: Das Stahlseil wurde auf 20 Metern Höhe am Stamm angebracht und die faustgrosse Auskerbung am Baum vollendet.

Ebenfalls via Funk beginnt die Winde am Forsttraktor, in der das andere Ende des Seils verschwindet, zu drehen. Bis es wieder knirscht und ein weiterer rund 30 Meter hoher Baum zu Fall gebracht ist.

«Einen Holzschlag in diesem Ausmass habe ich noch nie gesehen», sagt Stirnemann mit verschwitztem Gesicht. Schnellen Schrittes geht er in die neu entstandene Waldlichtung und beginnt mit seinen zwei Mitarbeitern den Baum weiterzubearbeiten.

Bis zum 15. November geben sich die Förster Zeit die 1300 Kubikmeter Holz, die sich auf dem Streifen befinden, zu roden.

Mit diesem Holz werden 26 Bahnwagen gefüllt werden können. «Mengenmässig fällen wir hier zwei Drittel der Holzmenge, die in Dietikon jährlich nachwächst», rechnet Felix Holenstein vor. «Diese Massnahme ist zwar unschön, aber nötig und sinnvoll», so Holenstein weiter.

Noch immer machen sich die drei Männer an dem gefallenen Baum zu schaffen. Die Äste werden mit Kettensägen vom Stamm getrennt, danach wird der Stamm, wenn er als Bauholz Verwendung findet, als Ganzes weiter hinten im Wald gelagert.

Wenn das Holz später zu Papier weiterverarbeitet wird, dann sägen die Männer den Stamm in rund sieben Meter lange Stücke, die kleinen Äste, die dafür nicht gebraucht werden können, dienen später als Holzschnitzel der Energiegewinnung.