Limmattal

Baulärm: Zuständige sprechen von Ausnahmen und Notfällen

Für Anwohner der Spitalstrasse in Schlieren gibt es eine Hotline, bei der man sich melden kann, wenn es auf der Baustelle LimmiViva zu laut werden sollte.

Für Anwohner der Spitalstrasse in Schlieren gibt es eine Hotline, bei der man sich melden kann, wenn es auf der Baustelle LimmiViva zu laut werden sollte.

Auf der LimmiViva-Baustelle in Schlieren kam es mehrmals zu Nichteinhalten der Bauzeitvorschriften, in Dietikon rückte die Polizei schon zur Baustelle Limmat Tower aus.

Helmut Ziegler ist sauer. Mit seinem Hund Bäff wohnt er unweit des entstehenden Limmat Towers. Er ärgert sich, dass die Ruhevorschriften auf der Baustelle nicht eingehalten werden. Am Montagmorgen gehe der Lärm bereits um 6.40 Uhr los und dauere bis am Samstag um 18 Uhr. Auch die Mittagspausen von 12 bis 13 Uhr würden nicht berücksichtigt, so der Dietiker. «Anscheinend sind für diesen Bau alle Ruhezeitvorschriften aufgehoben oder die Polizei drückt in unserem geplagten Quartier beide Augen zu.» Im Dezember 2015 sollen die Wohnungen im 80 Meter hohen Limmat Tower bezugsbereit sein. Bis dahin herrscht auf der Baustelle des Hochhauses aber reger Betrieb und auch der damit einhergehende Baulärm bleibt wohl nicht aus.

Polizei ist mehrmals ausgerückt

Tatsächlich musste die Stadtpolizei Dietikon aufgrund von Baulärm ausserhalb der erlaubten Zeiten schon mehrmals zum Limmat Tower ausrücken, wie Polizeichef Rolf Wohlgemuth auf Anfrage bestätigt. Die Meldungen seien über die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich erfolgt.

Gesetzlich sind Bauarbeiten an Werktagen von Montag bis Freitag in der Zeit von 19 Uhr bis 7 Uhr und von 12 Uhr bis 13 Uhr, samstags von 12 Uhr bis 14 Uhr untersagt. An öffentlichen Ruhetagen darf gar nicht gearbeitet werden. Ausgenommen sind Arbeiten, die keinen störenden Lärm verursachen oder kurzfristige Bekämpfung eines Notstandes dienen.

Das zuständige Bauunternehmen Priora räumt zwar ein, bei Betonierarbeiten aus bautechnischen Gründen nicht unterbrechen zu können. Ansonsten setze man aber alles daran, auf der Baustelle des Limmat Towers alle Gesetze einzuhalten, sagt Claudia Aepli, Leiterin Marketing und Kommunikation. «Die Subunternehmer werden stetig über die Richtlinien betreffend Ruhezeiten, Lärmemissionen und Logistik informiert, und bei Nichteinhalten gemahnt.»

Helmut Ziegler gibt sich damit nicht zufrieden. Bereits im November habe er sich an den Stadtrat und die Stadtpolizei gewendet und ihn gebeten, sich zu kümmern, dass die Ruhevorschriften auf der Baustelle des Limmat Towers eingehalten werden. «Als einzige Reaktion bekam ich ein lapidares Mail eines Bauleiters, in dem er seine Untergebenen aufforderte, die Vorschriften einzuhalten», so Ziegler. In Dietikon werde man als Bürger nicht ernst genommen und so habe er nach 47 Jahren in Dietikon zusammen mit seinem Hund eine andere Bleibe gefunden.

Ähnlich frustriert über den Verstoss gegen die Bauzeitvorschriften sind auch Anwohner der Spitalstrasse in Schlieren. Dort entsteht derzeit auf dem bestehenden Areal des Spitals das LimmiViva: ein modernes Akutspital mit funktionellen Lösungen, guten Raumzuordnungen und kurzen Verbindungswegen.

Es kommt zu Ausnahmefällen

Zuständig für die Baustelle LimmiViva ist das Bauunternehmer Losinger Marazzi. Die Arbeitszeiten der Baustelle würden grundsätzlich eingehalten, sagt Alejandro Segovia, Kommunikationsbeauftragter der Firma. Gleichzeitig räumt er ein, es habe Ausnahmefälle gegeben. «Unter solchen verstehen wir beispielweise die Anlieferung von frischem Beton, der rasch gegossen werden muss», so Segovia. In diesen Fällen würden die Zeitüberschreitung ausgeglichen, indem die Ruhezeit in der Mittagspause verlängert oder die Arbeitszeit am Ende des Tages verkürzt werde.

Vor knapp zwei Wochen sei es zudem ebenfalls zu einem Vorfall um 5.30 Uhr morgens gekommen, der die Anwohner in ihrer Ruhe störte. Die Firma Eberhart habe eine Maschine auf der Baustelle abgeholt, sagt Segovia. Es sei ein dringender Einsatz gewesen. Auch hierbei handle es sich aber um eine Ausnahme.

Ein privates Sicherheitsunternehmen sei bereits damit beauftragt, die Anfahrten zur Baustelle des Spitals während der oben genannten Uhrzeiten zu gewährleisten sowie diese zu kontrollieren und gegebenenfalls zu reduzieren. «Auch weiterhin behalten wir ein offenes Ohr für die Feedbacks der Anwohner und bemühen uns die Baustellenaktivitäten so zu gestalten, dass sie deren Alltag nicht allzu sehr behindern», so Segovia. Zu diesem Zweck stehe den Anwohnern ebenfalls eine telefonische Hotline auf der Seite des Spitals zur Verfügung.

Anders als in Dietikon, sind bei der Stadtpolizei in Schlieren selbst bisher noch keine Reklamationen eingegangen, wie Polizeichef Marco Weissenbrunner sagt. Die Anwohner könnten aber direkt bei der Stadt Schlieren oder über die Nummer 117 reklamieren, sollten die Ruhezeiten nicht eingehalten werden.

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