Ein anderes Bild vermittelt ein Vergleich des Bestandes landwirtschaftlicher Betriebe in der Region mit gesamtschweizerischen Zahlen (siehe Box). Dieser zeigt nämlich, dass in den vergangenen zwei Jahren im Bezirk mehr Bauernhöfe eingingen als im schweizerischen Mittel.

Im Bezirk Dietikon gingen von 2011 bis 2012 zwei der vormals 83 landwirtschaftlichen Betriebe ein (2,4 Prozent). Die Anzahl der Beschäftigten auf Limmattaler Höfen sank von 255 auf 245 (um 3,9 Prozent). Während im untersuchten Zeitraum im schweizerischen Mittel rund 2,4 Prozent der Landwirte auf Bio-Produktion umstellten, stagnierte diese Zahl im Bezirk – nur gerade sechs Höfe zählen zu den Bio-Produzenten.

«Der Betrieb lohnte sich nicht»

Einer der beiden landwirtschaftlichen Betriebe in der Region, die bis Ende 2012 aufgelöst wurden, war der Hof der Familie Bader in Weiningen. Laut Christina Della Torre, der Tochter der inzwischen verstorbenen Inhaberin, standen hinter der Aufgabe des Milch- und Ackerbaubetriebs wirtschaftliche Gründe: «Es lohnte sich schlicht nicht, den Hof aufrecht zu erhalten.»

Nachdem ihre Mutter das fünfundsechzigste Altersjahr erreicht hatte, erhielt sie keine staatlichen Direktzahlungen mehr. Gleichzeitig standen einige grössere Renovationsarbeiten an den Stallungen an. Da der Hof immer mit Arbeitskräften in Lohnverhältnissen geführt worden sei, seien die Kosten gegenüber dem Ertrag zu gross gewesen, sagt Della Torre. Das Land ist heute an Weininger Bauern verpachtet.

Eine Umfrage bei Landwirten in der Region zeigt, dass die Mehrheit mit ihrer aktuellen Situation zufrieden ist. Der ehemalige Dietiker Milchproduzent Albert Triaca erklärt etwa, dass weder er noch seine Tochter, die seinen Hof heute führt, je an ein Aufhören gedacht hätten.

Auch der Aescher Bio-Bauer Josef Bannwart dachte nie daran, seinen Hof aufzugeben. «Grundsätzlich hört ein Landwirt, der Freude an seinem Vieh hat, nicht so schnell auf.» Sein Bio-Milch-Betrieb sei zwar arbeitsintensiv. Dafür erhalte er zwischen 12 und 13 Rappen mehr pro Liter, als konventionelle Milchbauern, sagt Bannwart.

Der Dietiker Bio-Gemüsebauer Samuel Spahn betont, dass im Bezirk die Bio-Landwirtschaft generell grosses Potenzial habe, insbesondere, wenn man die Produkte direkt vermarkte. «Die Nachfrage nach Bio-Produkten ist gross», sagt er.

Wie Bannwart nennt auch der Geroldswiler Obst und Gemüsebauer Andreas Tschanz die Liebe zu seinem Beruf als Grund dafür, dass er seinen Betrieb heute noch führt. «Ich habe auch schon daran gedacht, zu verkaufen», sagt er. Neben familiären Gründen habe dabei der Umstand eine Rolle gespielt, dass sein Land in der Bauzone liege und ein lukratives Verkaufsobjekt sei. «Es war mir aber wichtiger, selbstständig zu bleiben und das, was ich mir aufgebaut habe, weiterzuentwickeln», sagt Tschanz.

Bund will Markt spielen

Der Grund für den Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe in der Schweiz liegt laut Hans Frei, dem Präsidenten des Zürcher Bauernverbandes, in der zunehmend prekären wirtschaftlichen Situation der Landwirte: «Verarbeiter und Vermarkter von landwirtschaftlichen Produkten drücken die Preise derart, dass das Einkommen vieler Bauern nicht reicht.»

Am schlimmsten treffe dies die Milchwirtschaft, wie Frei sagt. Nachdem der Bund die Kontingentierung abschaffte, welche die produzierte Milchmenge beschränkte, wollten die Landwirte sie über käuflich erwerbbare «Lieferrechte» beschränken. Doch: Viele Erstabnehmer kaufen den Landwirten auch Milch ab, die sie über ihr Lieferrecht hinaus produziert haben. Dadurch steigt die Gesamtmenge an Milch auf dem Markt so an, dass das Überangebot den Literpreis drückt.

Der schweizerische Bauernverband wollte deshalb erreichen, dass der Staat eine allgemeine Verbindlichkeit der Lieferrechte durchsetzt, wie Frei erklärt: «Der Bund weigerte sich jedoch und wollte den freien Markt spielen lassen. Daher das Debakel mit den Milchpreisen.»

Im Gegensatz zu Frei sieht Walter Bühler, der in Oetwil jährlich mehr als eine Million Liter Milch produziert keinen Anlass dafür, den Milchmarkt staatlich zu beeinflussen: «Ich bin gegen den Einsatz von Bundesgeldern zur Stützung der Milchproduktion. Der Markt steuert die Milchwirtschaft selbst.» Das Einkommen solle über einen angemessenen Milchpreis generiert werden.

Lieferrecht führte zur

Ein Limmattaler Milchbauer, der anonym bleiben möchte, widerspricht sowohl Frei als auch Bühler. Er erachtet weder den freien Markt noch die konsequente Beschränkung über Lieferrechte als brauchbare Lösungen: «Die Mengenbegrenzung über die Lieferrechte führte dazu, dass sich grosse Milchbauern mehr Produktionsrechte erkaufen konnten und stetig wuchsen, während kleine Betriebe eingingen.» Die Milchkontingentierung durch den Bund sei gerechter gewesen, erklärt er.