Im Spital Limmattal geht man nicht davon aus, dass sich eine Epidemie auch in der Schweiz verbreiten wird, wie Chefarzt Basil Caduff sagt. «Eine Infektion mit EHEC ist medizinisch vor allem dann ein grosses Problem, wenn ein so genanntes hämolytisch-urämisches Syndrom auftritt.» Bei diesem Syndrom (HUS) werden die roten Blutzellen zerstört und die Nierenfunktion stark geschädigt.

Trotz des kleinen Risikos einer lokalen Ausbreitung hat das Spital seine Kontrolle bei eingehenden Notfallpatienten verschärft. Bei Patienten mit Durchfallserkrankung werde auf der Notfallstation nun immer auch an eine mögliche EHEC-Infektion gedacht und auf das Vorliegen von Hinweisen für ein HUS geachtet, so Caduff.

Dies habe man vorher nicht routinemässig gemacht. «Eine Isolation ist bei den Patienten der aktuellen Epidemie aus Deutschland deshalb nötig, weil es sich zusätzlich um einen multiresistenten Keim handelt, also einen Keim, welcher gegen viele Antibiotika resistent ist und für Spitäler aus Hygienesicht eine grosse Gefahr darstellen», sagt Caduff.

«Noch keine Verunsicherung spürbar»

Bis jetzt ist aber laut Caduff noch keine Verunsicherung spürbar. Auch glaube er nicht, dass die Epidemie in der Schweiz im grossen Stil ausbrechen werde, falls hier keine eigene Streuquelle auftaucht.

Im Alters- und Pflegeheim Ruggacker in Dietikon richte man sich nach den Weisungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), wie Karin Ament, Leiterin für Pflege und Betreuung, sagt. Diese seien beispielsweise, auf Rohmilch und rohes Fleisch zu verzichten, beziehungsweise dieses vollständig zu erhitzen sowie sich ausreichend die Hände zu waschen. «Wir haben bereits sehr strenge Hygienevorschriften und setzten damit die Ratschläge des BAG bereits um.»

Deshalb seien keine zusätzlichen Massnahmen getroffen worden. «Die Mitarbeiter sind alle sehr gut geschult und informiert», so Ament. Es gebe aber weder unter den Patienten noch unter dem Personal Ängste oder Besorgnisse im Zusammenhang mit der Infektion.

Die Betreiber des spanischen Restaurants Costa Blanca in Dietikon sagen, dass sie bei ihren Gästen noch keine Skepsis festgestellt hätten. Dies könne aber daher kommen, dass es in der Schweiz noch zu keiner Ausbreitung gekommen sei. Man hoffe, dass weiterhin nichts passiere, denn sonst könnten ihre Gäste doch noch verunsichert werden.

Gemüseproduzenten beunruhigt

Weil das deutsche Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die jüngsten Infektionen anfangs «Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten» zuordnete, herrscht auch auf dem Schweizer Gemüsemarkt und unter den Produzenten Besorgnis. Sie befürchten, dass die Verkaufszahlen von frischem Gemüse zurückgehen könnten, wie Simone Kamber vom «Verband Schweizerischer Gemüseproduzenten» sagt. «Dies ist allerdings völlig unbegründet, da der Markt derzeit fast vollständig mit Schweizer Gemüse abgedeckt ist», so Kamber.

«Bei uns ist keinesfalls ein Verkaufsrückgang der Fall», sagt hingegen Anita Lê Spahn, die in Dietikon einen Biohof führt. Die Leute hätten Vertrauen in ihre Produkte, einige würden aber spasseshalber fragen, ob es sich denn auch wirklich um Biogurken aus der Schweiz handle. Bedenken bei anderen Gemüsesorten habe Spahn aber noch nicht festgestellt. Ein solcher Vorfall sei ihrer Meinung nach aber gut für den Biolandbau, denn so kämen mögliche Konsequenzen des nicht-biologischen Anbaus zum Vorschein und würden auch entsprechend diskutiert, sagt Spahn.